23.12.2008
Ausblick 2009
Autoexperten prophezeien der Branche für 2009 das schwerste Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg.

Autobranche im Zangengriff
von Marion Trimborn

Rabenschwarze Aussichten für die Autoindustrie: Ein gefährlicher Mix aus Finanzkrise, Kreditklemme und hausgemachten Problemen hat die Hersteller in die schwerste Krise seit Anfang der 90er Jahre gebracht. Autoexperten prophezeien der Branche für 2009 sogar das schwerste Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg – weltweit. Für Deutschland sagen die Branchenauguren 2,8 bis 2,85 Millionen Neuzulassungen voraus.

Der Abbau tausender Stellen und ein Händlersterben scheinen in der deutschen Schlüsselindustrie mit mehr als 760.000 Mitarbeitern unausweichlich. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) ruft nach der Politik. Dennoch ist längst nicht alles verloren: Manche Ökonomen halten die Schwarzmalerei für überzogen und empfehlen den Konzernen, schnell schadstoffarme Autos auf den Markt zu bringen – dann werde sich der Erfolg im Autohaus schon einstellen.

Die Finanzkrise hat die Autokonzerne in Bedrängnis gebracht. Zwar dümpelte der Inlandsabsatz auch 2007 schon vor sich hin, doch der Export ließ Ausfuhren und Produktion auf neue Rekorde springen. Jetzt aber brechen die Auslandsmärkte rapide weg. Selbst bei sicheren Abnehmern wie Russland, Osteuropa und China schwindet die Nachfrage nach Autos "Made in Germany". Im Inland springt die Politik der Industrie bei. Als Teil des Konjunkturpakets will die Bundesregierung umweltfreundliche Neuwagen für bis zu zwei Jahren von der Kfz-Steuer befreien. Doch es gibt Kritik: "Wegen 300 Euro Ersparnis kauft sich niemand ein neues Auto", sagt der Sprecher des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Helmut Blümer.

// Lesen Sie weiter auf Seite 2: Hersteller auf dem "falschen Weg"

 
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KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

05. Januar 2009 17:53
dmc meint:
Mich wundert eine Aussage, die immer wieder gemacht wird: die Hersteller hätten zu große und teure Autos gebaut. Dabei haben die Hersteller doch nur das gebaut, was der Markt nachgefragt hat, und der wollte lange Zeit nichts von Öko-Autos und 3L Lupo wissen. Statt dessen wurde nach stets nach noch mehr PS, Drehmoment und Extras gefragt. Kann man einem Unternehmen verübeln, dass es solche Autos baut, die der Markt nachfragt? Ein Autohersteller ist doch kein gemeinnütziger Verein sondern ein auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen (und das muss es auch sein, sonst gäbe es dort überhaupt keine Arbeitsplätze). Ist es dann falsch, damit Gewinne zu erwirtschaften was man auch verkaufen kann? Und ist es ein Fehler der Hersteller, der Politik oder der Kunden, wenn jetzt nicht genügend umweltfreundliche Fahrzeuge am Markt sind?
Insgesamt eine sehr komplexe Situation, die nicht nur einen Verursacher als Buhmann abstempeln kann. Die Verantwortung für die jetztige Absatzkrise liegt bei jedem einzelnen von uns. Und stabiler Konsum, also das eigene Kaufverhalten, ist der sinnvollste Beitrag, den jeder leisten kann.
Und schon höre ich den Einwand: aber wovon denn, es ist doch alles teurer geworden... Sagen wir es doch mal so: das Geld wird für immer mehr Sachen ausgegeben. Die einzelnen Produkte sind zum Teil erheblich billiger geworden (selbst Fahrzeuge, Geldwertentwicklung und die vom Kunden gewollten Mehrausstattungen berücksichtigt!), man denke nur an die Elektronik-Industrie. Statt eines Drucker-Scanner-Kopierer-Fax-alles-Könners für 99 EURO hat man vor 15 Jahren noch 4 Kisten fuer zusammen 2.000 Mark oder 1.000 EURO gekauft. Und wer hatte damals schon eine Digitalkamera, DSL Flat, oder das Zweithandy... Nur dass alles muss es heute schon sein, zusammen mit dem Zweiturlaub. Und dann wundern wir uns, dass kein Geld mehr fuer neue Autos da ist!
Schoene neue Welt und frohes Neues Jahr!


30. Dezember 2008 12:13
Patrick meint:
Hallo

die Preisentwicklung für Personenwagen hatte sich von der Lohnnettoentwicklung schlichtweg zu weit entfernt. Immer mehr Kunden suchen also den günstigen Jahres oder Zweijahres Wagen, die natürlich nicht vom Hersteller kommen.

Wie soll sich denn bitte eine Familie einen neuen E-Klasse Kombi für 50-70.000 Euro kaufen, bei einem Nettojahresverdienst von 50.000 euro?. Diese Autos sind bald alle nur noch an Firmen und in den Export gegangen, nun aber zu behaupten die Hersteller hätten falsch agiert indem sie nur auf den Export setzten ist auch falsch. Die haben geliefert was Ihnen die Märkte abverlangt haben.

Jahrelang haben die Fachleute z.B. genörgelt dass der PSA Konzern keine SUV's anbiete, dieser hat das bis zu dem unglückseligen 4007 verweigert weil es nicht mit dem Image des Unternehmens übereinstimme, nun haben sie den Wagen und keiner will ihn haben.

Das Problem der Automobilindustrie liegt doch hauptsächlich darin begründet, dass sie eben stark export abhängig ist, und man wird sehen sobald RUSSEN und CHINESEN wieder Autos kaufen, kaufen sie auch wieder grosse Autos. Für Europa werden allerdings kleine und mittlere Wagen zu bezahlbaren Preisen gefordert.


25. Dezember 2008 16:36
Jörg Becker meint:
Die Hersteller haben die Nachfrage falsch interpretiert. Daraus resultierend die falschen Modelle in den Markt gebracht. Das schlimme an der Sache ist das der Handel nicht in der Lage ist, den Umsatzausfall zu kompensieren und so mancher Hersteller ebenfalls nicht. Wir werden in den nächsten Jahren ein Hersteller - und Händlersterben erleben.

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