21.02.2013
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Autohandel
 

Zertifizierungssystem: Die "elektronischen Vignette" wird auf die Fahrzeugkarosse, etwa im Bereich der B-Säule, aufgeklebt.

Kfz-Export ohne Manipulation

Mit ausgeklügelter Technik und unabhängigen Partnern will Harald Baumer den Kfz-Export ins EU-Ausland sicherer machen. Der Autohändler aus Neustadt an der Donau hat ein so genanntes "prozessgesteuertes Zertifizierungssystem" entwickelt, mit dem die vom Gesetzgeber geforderte Gelangensbestätigung bei innergemeinschaftlichen Lieferungen künftig vor Manipulation gefeit sein soll – also eine elektronische Gelangensbestätigung. "Es ist an der Zeit, dass deutschen Autohändlern, aber auch dem deutschen Fiskus Rechtssicherheit gegeben wird", sagte Baumer im Gespräch mit AUTOHAUS Online. Seine Erfindung habe er mittlerweile zum Patent angemeldet.

Aktueller Hintergrund: Der Gesetzgeber formuliert in der bevorstehenden Änderung der Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung (§17a UStDV) die Gelangensbestätigung neu. Gefordert wird, dass "der Unternehmer (…) durch Belege nachzuweisen" hat, dass er den "Gegenstand der Lieferung in das übrige Gemeinschaftsgebiet befördert oder versendet". Dies müsse sich aus den Belegen "eindeutig und leicht nachprüfbar" ergeben. Die Legislative verspricht sich davon mehr Rechtssicherheit – Urkundenfälschungen können aber nach wie vor nicht ausgeschlossen werden.

Hier will Baumer mit seinem Zertifizierungssystem ansetzen: "Meine Identifizierungsstruktur wird so mit dem zu verbringenden Kfz verbunden, dass eine Entfernung unmittelbar und sofort als Manipulation erkennbar wird", erklärte er. Der Schutzmechanismus besteht aus einer "elektronischen Vignette" (RFID-Tag) – sie wird auf die Fahrzeugkarosserie aufgeklebt – und einem Handgerät. Letzteres verbindet die Vignette per Knopfdruck mit dem Fahrzeug und wird im Wagen mitgeschickt. Baumer: "RFID-Tag, Karosse und Handgerät bilden eine autarke Einheit."

Bei der Authentifizierung liest das Gerät die Daten, lokalisiert den Ort der Vereinigung und sendet die Daten per GPS/GPRS an eine unabhängige Zertifizierungsstelle. Im Blick hat Baumer dabei Kfz-Prüforganisationen, "die die schwierige Export-Thematik kennen und tagtäglich im Autohaus zugegen sind". Sie sollen einen Teil des Prozesses kontrollieren. In der Folge übernimmt wieder die Zertifizierungsstelle die Protokollierung der elektronischen Gelangensbestätigung und versendet diese an den Exporteur und alternativ an die Finanzbehörden – nachdem das Fahrzeug zum Bestimmungsort transportiert, die Schutzeinheit getrennt und der Vorgang verifiziert wurde. Der nach dem Auslesevorgang unbrauchbare Chip kann dann vom Auto entfernt werden. Das Handgerät schickt ein zertifizierter Logistiker zurück.

Zügige Realisierung

Baumer, der Servicepartner von VW und Opel ist, hat das Zertifizierungssystem bereits den Technischen Überwachungsvereinen, der Dekra und Vertretern des Kfz-Gewerbes vorgestellt. "Es kam bislang hervorragend an. Die Branche hat erkannt, wie zielführend meine Idee ist." Derzeit liefen weitere Gespräche mit den Verbänden. Wie stark das Interesse an seiner Erfindung ist, zeige auch die unentgeltliche Unterstützung durch die Anti-Fälschungsspezialisten OpSec Security GmbH und ibes Systemhaus GmbH sowie den B2B-Logisitiker TNT Express während der Entwicklungsphase.

Aus eigener Tasche hat Baumer bislang einen "niedrigen fünfstelligen Euro-Betrag" investiert. Der Nutzer soll künftig – je nach Leistungsumfang – zwischen 130 und 180 Euro zuzüglich Umsatzsteuer für eine elektronische Gelangensbestätigung zahlen. Baumer kündigte eine zügige Umsetzung seines Systems an: "Es ist in drei bis sechs Monaten startklar." (rp)

 

// Lesen Sie weiter auf Seite 2: FAQ zur elektronischen Gelangensbestätigung

 
 
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