Mittwoch, 23.05.2012
11.05.2010
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Strukturkündigung

Chrysler verabschiedet sich aus Europa
Von Doris Plate

Ein bisschen Wehmut war schon dabei: Die Marke Chrysler wird aus Europa verschwinden. Sie geht hierzulande vollständig in der neuen Marke Lancia auf. Wie bereits vermutet erhalten alle 115 Chrysler Partner in Deutschland am 26. Mai eine Strukturkündigung mit 12-Monats-Frist. Das teilte ihnen Fiat-Händlernetzentwickler Udo Kirk am Dienstag in Hanau mit. Anders als ihre Lancia-Kollegen bekommen aber nicht alle Chrysler Händler gleichzeitig einen Letter of Intend (LOI). 150 Standorte sind für das neue Lancia-Netz geplant. Jetzt kommt es darauf an, wieviele der 70 Lancia-Partner das Angebot annehmen. Fiat-Chef Manfred Kantner ging aber am Dienstag in Hanau davon aus, dass nur eine Handvoll Chrysler-Händler kein Vertragsangebot bekommen werden.   

Mit Freude vernahmen die Chrysler-Händler, dass ihr "Juwel" Jeep erhalten bleibt. "Das gibt den eingefleischten Chrysler- und Jeep-Händlern eine Motivation, weiter für die Marken aktiv zu sein", sagte Chrysler-Händlerverbands-Präsident Peter Jakob. Nachdem bekannt geworden war, dass Chrysler unter Lancia vermarktet werden soll, waren Jakob und viele andere Händler zunächst empört. "Die Wahrheit ist aber leider, dass wir ohne Fiat bereits 2007 gestorben wären", räumt Jakob jetzt ein. Jahrelanges Missmanagement habe die Marke dahin gebracht, wo sie heute stehe. Die Veranstaltung am Dienstag bezeichnete Jakob als überaus positiv.

Die Herausforderung wird  nun sein, die kommenden Modelle von Chrysler unter dem Label Lancia zu verkaufen. Die Sortimentserweiterung nach unten, wird aber von den meisten Chrysler-Händlern begrüßt. Schließlich haben die Amerikaner in den ersten vier Monaten 2010 hierzulande nur 2.077 Fahrzeuge verkauft. Das reicht nicht zum Überleben. In den nächsten Jahren, so die Ankündigung von Kantner, soll der Kleinwagen "Ypsilon" 50 Prozent der Verkäufe der neuen Marke ausmachen.

Auf die Bank kommt es an

Für viele Händler bleibt aber die Frage, wie sie die Zeit bis zum 1. Juni 2011 überbrücken können. Erst dann kommen die neuen Modelle in ihre Showrooms. Die Mercedes-Bank hat aber bereits angekündigt, dass sie die Bestandsfinanzierung nur noch bis zum 31. Mai verlängern wird. Dann ist definitiv Schluss und die FGA-Bank, die bereits seit Oktober 2009 offizieller Finanzierungspartner der Chrysler-Händler ist, muss übernehmen. Derzeit ist das ein Problem, weil die Bestandsfinanzierung der FGA-Bank um vier Prozent teurer ist als die der Mercedes-Bank. Entscheidend wird nun also sein, wie Fiat sein Händlernetz zukünftig finanziell unterstützen wird. Chrysler-Händlerverbands-Präsident Peter Jakob wird jedenfalls die Gespräche mit FGA-Bank-Chef Klaus Bentz intensivieren, um zu vertretbaren Konditionen zu kommen.

 
 
 
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KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

19. November 2010 02:00
Mario F. meint:
Was Mercedes nicht schaffte, wird FIAT nicht gelingen können. Meine Voraussage: FIAT und die Marke Jeep werden überleben - die Reste von Chrysler werden verscherbelt und in die Insolvenz geschickt. Die Frage ist nur, ob das vor oder nach der nächsten Finanzkrise passieren wird . . .


12. Mai 2010 02:27
A.R. Beyer meint:
Die Marke Chrysler in Lancia aufgehen zu lassen ist sicherlich sehr clever.

Genauso clever waren die Ostfriesen, als sie seinerzeit das beidseitig verwendbare Toilettenpapier entwickelten. Dabei lag der Vorteil für jeden ersichtlich klar auf der Hand.

Die Chrysler und Lancia Händler können einem nur noch Leid tun, dass sie es jetzt mit italienischen marketing Koniphären zu tun haben.

Die schlaueren Händler nehmen die Kompensation freiwillig.

Die übrigen sperrt in ein bis zwei Jahren der Konkursvollstrecker zu.

Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

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