Mittwoch, 08.02.2012
13.01.2009
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Dudenhöffer

CO2-Steuer sinnvoller als Abwrackprämie

Die Überlegungen der Großen Koalition, den Absatz von Neuwagen mit einer Abwrackprämie anzukurbeln, bringen nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer so gut wie keine Vorteile für deutsche Hersteller. Der Professor an der Universität Duisburg-Essen erläuterte seine Meinung am Dienstag in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur: Hilft die geplante Abwrackprämie wirklich der deutschen Automobilindustrie und ihren Zulieferern? Dudenhöffer: Die Abwrackprämie bringt für die Arbeitsplätze in der deutschen Autoindustrie im Prinzip gar nichts. Vielmehr ist die Abwrackprämie ein Konjunkturprogramm für die Autowerke in Rumänien, Tschechien oder Italien, finanziert aus deutschen Steuergeldern. Bei den mit Kurzarbeit bedrohten Werken bei BMW, Mercedes, Audi oder Porsche wird die Abwrackprämie keine einzige Stunde Kurzarbeit einsparen. Bei VW, Opel und Ford in Deutschland bleibt die Wirkung ebenfalls sehr überschaubar. Die Steuern der 750.000 Beschäftigten in der deutschen Autoindustrie und der Autobauer und Zulieferer in Deutschland werden damit schon kurios angelegt. Die Gewinner sind die Hersteller von preisgünstigen und kleinen Autos. Bei einem 10.000 Euro teuren Auto erhält der Käufer durch die Abwrackprämie einen Rabatt von 25 Prozent. Da kann man am ehesten einen Kaufeffekt vermuten. Aber fast 90 Prozent der Autos unter 10.000 Euro kommen von den Importeuren. Kauft jemand, der ein neun Jahre altes Auto fährt, tatsächlich einen Neuwagen eines deutschen Herstellers? Die Fahrer von neun Jahre und älteren Fahrzeugen kaufen überwiegend Gebrauchtwagen oder preisgünstige Kleinwagen. Und die kommen aus Osteuropa, Italien oder Frankreich. Etwas profitieren könnte allenfalls Ford mit dem Fiesta und Focus und VW mit Polo oder Golf und Opel mit Corsa und Astra. Aber die richtigen Gewinner sind die Dacias, Hyundais, Chevrolets, Suzukis und Fiats. Vor allem die deutschen Premiumhersteller bieten manche Modelle an, die mehr von Firmen und Vermietern gekauft werden als von Privatleuten. Könnte die Prämie dem wichtigen Flottengeschäft helfen? Im Firmengeschäft wird mit der Abwrackprämie kein einziges Auto verkauft. Also Fehlanzeige für Audi, BMW, Mercedes, Porsche. Und genau die könnten zusätzliche Nachfrage gebrauchen. Was wäre aus Ihrer Sicht sinnvoller als die Abwrackprämie ? Viel wichtiger wäre gewesen, die CO2-Steuer jetzt endlich zu bringen. Viel besser wäre, eine Abschreibungserleichterung gewesen, denn davon würden direkt die Firmenwagenbestellungen profitieren und damit die Arbeitsplätze in der deutschen Automobilindustrie. (dpa)

 
 
 

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KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

14. Januar 2009 14:00
vaust meint:
Gratulation, Herr Professor... wiedereinmal so ein kontraproduktives Interview von Ihnen. Wo sagten Sie produzieren die Zulieferbetriebe und Hersteller ? Ach das sagten Sie nicht ? Dann wäre es an der Zeit !Wer bitte hat denn die letzten Jahrzehnte den Markt vollends verpennt ? Hyundai, Dacia, etc. ??? Nein ! Die sogenannten Premiumhersteller konnten immer nur größer, schneller, verbrauchsintensiver.
Wieviele Händerbetriebe und Werkstätten, Herr Professor, leben von den Importeuren, die schneller und besser auf einen sich rasant verändernden Markt reagiert haben ? Deren Existenz wird sicherlich nicht durch neue "Abschreibungmodelle" gesichert, sondern nur durch den bitter nötigen Zuwachs an Privatkunden ! Nur diese sichern den Standort und die Arbeitsplätze sehr vieler Mittelständler !
Es ist beschämend und ärgerlich zugleich, wie Sie wiedermal versuchen, die Ihnen so verbundene Lobby zu bedienen.


14. Januar 2009 10:26
Striker meint:
Auch, wenn es mir sehr schwer fällt, es zuzugeben: Aber der Herr Dudenhöffer liegt hier richtig.

Als Verfechter eines freien Wettbewerbs steigt mir bei solcherlei Konzepten die Galle hoch. Der deutsche Steuerzahler, ohnehin der größte Nettozahler in der EU und damit der größte Subventionator in Osteuropa, zahlt die nächste Tranche in Richtung Ausland. Das ist unsinnige und unnötige Wettbewerbsverzerrung. Die Wertschöpfung findet woanders statt und wir Deppen finanzieren das auch noch.

Wer rettet uns eigentlich vor den selbsternannten Rettern in Berlin? Wäre eigentlich die klassische Aufgabe für den Verafssungsschutz.


14. Januar 2009 10:03
Marcus Jahn meint:
Wenn es die deutschen Hersteller schaffen, trotz Finanzkrise, z.B. mit günstigen Leasing und/ oder "Flatrate-Finanzierungsangeboten" zu überzeugen, bin ich mir sicher, dass auch der Kunde mit dem schmalen Geldbeutel zu einem Neuwagen greift. Insbesondere Leasing Angebote ohne Sonderzahlung sind dabei für preissensible Privatkunden interessant. Und wenn eine clevere Hersteller-Leasing die Abwrackprämie als Leasing-Sonderzahlung fakturiert, geht auch die intern Kalkulation der Banken auf und sie verdienen Geld damit. Toller Nebeneffekt: der preissensible Kunde kann selbst entscheiden: entweder einen Polo für 129€ im Monat (ohne Sonderzahlung) oder einen Dacia Logan für 9.900€ BAT (Bar auf die Tatze). Außerdem wird damit die gesamte automobile Wertschöpfungskette positiv stimuliert: Verkauf, Bank, Service (Wartungsverträge verkaufen!!!). Da können die deutschen Hersteller auf Ihre sehr gut ausgebauten Händlernetze und Prozesse zurückgreifen. Nun liegt es am Marketing, die entsprechenden Pakete und Produkte schnell zu entwickeln um auf der aktuellen Diskussionswelle zu surfen...

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