Ein Milliardenverlust bei der US-Tochter Chrysler hat im Quartalsergebnis von DaimlerChrysler zwar tiefe Spuren hinterlassen. Da aber die Mercedes-Gruppe, die Nutzfahrzeugsparte und die Finanzdienstleistungen besser als erwartet abschnitten, legte die Aktie des DAX-Schwergewichts am Mittwoch zeitweise kräftig zu. Wie DaimlerChrysler in Stuttgart mitteilte, betrug der operative Gewinn im dritten Quartal 892 Mio. nach 1,83 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Experten hatten beim operativen Ergebnis im Durchschnitt nur knapp 500 Mio. Euro erwartet.
Chrysler verzeichnete wie im September angekündigt mangels Sprit sparender Modelle und hoher Lagerbestände einen Verlust von 1,16 Mrd. Euro. Dagegen strahlt der Mercedes-Stern nach erfolgreicher Restrukturierung: In der Mercedes Car Group sprang der Operating Profit um 127 Prozent auf 991 Mio. Euro. Schon im zweiten Quartal hatte Mercedes mit 807 Mio. Euro Gewinn wieder fast zu alter Stärke zurückgefunden. Das Sanierungsprogramm "CORE" und die erfolgreichen neuen Modelle wurden dafür als Hauptgrund genannt.
Der Autokonzern bekräftigte seine Mitte September von sechs auf fünf Mrd. Euro gesenkte Prognose für den operativen Gewinn des Gesamtjahres. Den erwarteten EADS-Einbußen stehe die "sehr erfreuliche" Entwicklung in den anderen Sparten wie Mercedes, den Nutzfahrzeugen und im Bereich Financial Services gegenüber. Chrysler wird für das gesamte Jahr einen Verlust von einer Mrd. Euro ausweisen. Nach den ersten neun Monaten weist DaimlerChrysler ein operatives Ergebnis von 3,64 Mrd. Euro aus – zwölf Prozent weniger als vor einem Jahr.
Der Umsatz ging wegen Absatzeinbußen um drei auf 35,2 Mrd. Euro zurück. Im Gesamtjahr sollen die Erlöse den Vorjahreswert von 149,8 Mrd. Euro allerdings leicht übertreffen. Der Reingewinn sank im dritten Quartal auf 541 Mio. Euro von 855 Mio. vor einem Jahr. Die Fahrzeugverkäufe sanken im dritten Quartal – vor allem wegen Chrysler – um 14 Prozent auf eine Mio. Bei der US-Sparte waren die Auslieferungen an die Händler um 158.900 auf 504.400 Autos rückläufig.
Gut sind dagegen die Aussichten für Mercedes-Benz: Die Kernmarke werde den Absatz des Vorjahres übertreffen. Die Gruppe erwarte auch im vierten Quartal eine Fortsetzung des positiven Ergebnistrends, hieß es. Die Truck Group werde einen Absatz mindestens wie im Vorjahr erreichen, ihren Gewinn auch wegen der weltweiten Effizienzsteigerungen sogar "deutlich übertreffen" (Vorjahr: 2,09 Mrd. Euro). Der Lkw-Bereich konnte dank des anhaltenden Lastwagen-Booms seinen Gewinn zwischen Juli und September von 354 auf 556 Mio. Euro steigern. Financial Services legte auf 445 Mio. Euro zu (408 Mio. Euro).
EADS belastet Ergebnis
Den geringeren Ergebnisbeitrag des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, dessen größter Aktionär DaimlerChrysler ist, bezifferte der Konzern auf 200 Mio. für das gesamte Jahr 2006. Die Verzögerungen bei der Auslieferung des Airbus A380 machten sich im dritten Quartal noch nicht bemerkbar, weil der Autobauer das EADS-Ergebnis mit einem dreimonatigen Verzug einbezieht. Mit 247 Mio. Euro lag der Gewinn aus der EADS-Beteiligung nur geringfügig unter dem Vergleichszeitraum.
Unterdessen hat der DaimlerChrysler-Aufsichtsrat heute die Verträge der beiden Vorstandsmitglieder Rüdiger Grube und Andreas Renschler um drei Jahre verlängert. Grube (55) ist für Strategie, Beteiligungen, IT und das Chinageschäft zuständig. Renschler (48) leitet die Nutzfahrzeugsparte Truck Group & Buses. Wie das Unternehmen mitteilte, wurden die Kontrakte, die 2007 auslaufen sollten, um drei Jahre bis September 2010 verlängert. Die Verlängerung war von Beobachtern erwartet worden. Renschler und Grube gelten in ihren Funktionen als erfolgreich. (dpa/rp)