Donnerstag, 24.05.2012
27.08.2010
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Vor 125 Jahren

Daimlers "heißer Stuhl"
Von Frank Heidmann/dpa und Stefan Grundhoff/mid

Ein hölzernes Zweirad, das mit seinen Stützrädern ein bisschen komisch aussieht, hat vor 125 Jahren ein neues Zeitalter eingeläutet. Am 29. August 1885 hatte Gottlieb Daimler seinen "Reitwagen" zum Patent angemeldet. Es war das erste Motorrad, aber in der Rückschau viel mehr als das. Denn der Reitwagen bewegte sich als erste Gefährt mit einem Verbrennungsmotor und aus eigener Kraft.

"Der Daimler-Reitwagen ist Vorreiter der individuellen Mobilität - es war das erste Fahrzeug mit einem Verbrennungsmotor überhaupt", sagt Michael Bock, Leiter des Mercedes-Benz-Museums. Das Stuttgarter Museum feiert das Reitwagen-Jubiläum am 29. August unter anderem mit einer großen Schau historischer Motorräder. Der originale Reitwagen ist dort nicht ausgestellt, weil er 1904 verbrannte. Es gibt aber eine Replik, die man mit Übung und Geduld auch zum Laufen, besser gesagt Fahren bringt.

Das braun-schwarze Ungetüm mutet an wie eine Mischung aus Kutsche und einem Motorrad mit Stützrädern. Genau genommen war der Reitwagen genau das. 90 Kilogramm schwer, 0,5 PS stark und mit einen tuckernden Einzylinder-Triebwerk ausgestattet, war der Reitwagen Vorläufer aller Motorräder und Automobile. Die ersten Meter legte Daimler nach jahrelangen Entwicklungen vor seiner damaligen Werkstatt in der Taubenheimstrasse in Bad Cannstatt zurück. Die erste längere Testtour von Bad Cannstatt bis ins drei Kilometer entfernte Untertürkheim fuhr dann sein Sohn Adolf.

20 Minunten bis der Motor läuft

Einfach aufsteigen und losfahren - daran ist bei dem 125 Jahre alten Reitwagen auch heute nicht zu denken. "Es dauert ungefähr 15 bis 20 Minuten bis der Motor angezündet ist und läuft", erklärt Michael Plag, bei Daimler Experte für die ältesten der alten Fahrzeuge, "der Reitwagen besteht aus besonders stabilem Eschenholz; die Motorteile aus Bronze, Messing und Stahl."

Auf dem Holzgestell gibt es einen Ledersattel, einen dünnen Lenker und zwei Fußstützen. Mit dem ersten Hebel links vor dem Sattel wird die Verbrennung fein justiert; mit dem zweiten Hebel in Form einer Bonanza-Gangschaltung stellt der Fahrer die Riemenspannung für den Antrieb des Hinterrades ein. Zieht man den Griff nach hinten, tuckert der Reitwagen mit einigem Zucken los. Wird der Griff nach vorne gedrückt, bremst das ungewöhnliche Fahrzeug ab, indem eine Bremse direkt auf das mit Stahl ummantelte hintere Wagenrad drückt.

BILDERGALERIE

// Lesen Sie weiter auf Seite 2: Antrieb in der Form einer "Standuhr"

 
 
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