Donnerstag, 24.05.2012
10.06.2009
Share |
Quartalsbilanz

Deutlich mehr Branchenpleiten

Durch den beispiellosen Konjunktureinbruch im ersten Quartal 2009 sind in Deutschland wieder deutlich mehr Firmen pleitegegangen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöhte sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um genau zehn Prozent auf 7.712, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Mehr als jeder fünfte Insolvenzantrag (1.677) wurde von den Statistikern dem Wirtschaftszweig "Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz" zugeordnet, 442 davon wurden mangels Masse sofort abgewiesen. Besonders der März war ein schwarzer Monat für die Branche: Von den 2.874 Unternehmen, die im vergangenen Monat Insolvenzantrag stellten, waren 636 Kfz-Betriebe. Zum Vergleich: Im Vorjahresmonat lag die Zahl bei 489 (1. Quartal 2008: 1.536). Wie aus der Bilanz des Statistischen Bundesamts weiter hervorgeht, beträgt die Summe der Gläubigerforderungen rund 1,2 Millionen Euro. Über 11.000 (2008: 5.453) Mitarbeiter von Autohäusern und Werkstätten sind in diesem Jahr von einer Insolvenz betroffen. Laut ZDK sind insgesamt in der Branche im ersten Quartal rund drei Prozent der am Jahresstart registrierten 468.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. (ng/dpa)

 
 
 
Zurück Artikel bookmarken Kommentar abgeben Artikel drucken Heft-Abo
 

KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

18. Juni 2009 14:04
Striker meint:
Hallo Autoschlumpf,

Burkhard Weller sagte einmal sinngemaäß: "Autohändler sterben langsam." Und er hat Recht. Soll heißen, Ihre Hoffnung, dass diese Autoverschenker bald wegsterben, erfüllt sich zwar, aber auf einer sehr langen Zeitleiste. Die ist wiederum so lang, dass auch die "Guten" stark darunter zu leiden haben.

Zum Aspekt der Vernunft: Ja, die Menge an verfügbaren Fahrzeugen ist begrenzt. Doch das kann man nicht isoliert betrachten. Die Gesetze des Marktes funktionieren auch hier völlig korrekt.
Der Gesamtmarkt ist praktisch nicht mehr aufnahmefähig, d. h., es gibt nur noch Ersatzinvestitionen (wenn überhaupt). Da es also kein Wachstum mehr gibt, haben wir Verdrängungswettbewerb. Und den können Sie fast ausnahmslos über den Preis führen. Der geht immer zu jemanden Lasten, entweder Wettbewerber oder andere Produktlinien. Wenn also die begrenzte Verfügbarkeit letztlich nicht reicht, um ein Produkt loszuwerden, muss es zusätzlich über den Preis gehen.

Ein weiterer Punkt, gerade bei Ihren Marken, sind die werkseigenen Retail-Gesellschaften. Die machen gnadenlosen Preiswettbewerb zu Lasten der "freien" Konzernhändler, da zählt nur Volumen, Volumen, Volumen. Die Verluste, die dort produziert werden, sind gigantisch und werden dann am Jahresende wieder von Mami auf Null gestellt. Das ist Wettbewerbsverzerrung allererster Güte und auf hohem Niveau. Da ist es kein Wunder, wenn die Herren vom Vertrieb Deutschland gebetsmühlenartig behaupten, man brauche kein neues Geschäftsmodell.


18. Juni 2009 11:44
Autoschlumpf meint:
Hallo Striker,

natürlich haben sie recht, dass der Markt die Preise macht und der Kunde diese mitnimmt. Als Liberaler stehe ich auch zur freien Marktwirtschaft mit allen Konsequenzen. Das ist der politische Aspekt.

Der Vernunftaspekt hingegen widerspricht dem: Was mir nicht in den Kopf will, ist die Tatsache, dass bei einer tatsächlich begrenzten Stückzahl von dem neuen Modell einige Händler diese wenigen Autos schon vor der Markteinführung quasi verschenken (ohne Ertrag ist verschenkt!), und das ohne jede Not, da die meisten Händler sich in der Tat mit Nachlässen bedeckt halten.

Der einzige Trost - nein, es sind zwei - ist, dass zum einen diese Kollegen irgendwann ihre wenigen Autos alle verschenkt haben und die vernünftigen Händler dann wieder Geld verdienen und dass eben die Verschenker irgendwann an ihren Kosten mangels Erträgen kollabieren werden. Beispiele dafür sind genug in Autohaus-Online zu finden. Weitere folgen in den Insolvenznachrichten.


18. Juni 2009 10:07
Striker meint:
Hallo Autoschlumpf,

zu Ihren Ideen fällt mir Folgendes ein:

1. Wir leben nach wie vor im Kapitalismus, der sich durch freien Geld- und Warenverkehr sowie die Hebelwirkung von Angebot und Nachfrage auszeichnet.

2. Unser Markt ist ein Käufermarkt, damit ist ein untrügliches Zeichen für Marktsättigung und/oder Überangebot gesetzt. Dem folgend, müßte die Anbieterseite ihr Warenangebot verknappen und/oder ihre Preise reduzieren, und zwar so lange, bis die Nachfrageseite das Ganze wieder als attraktiv (im wirstchaftlichen Sinne) empfindet.

3. Schauen wir uns die Realität an: Unsere Händlernetze stammen in Größe, Struktur, Denken und Handeln aus Zeiten eines Anbietermarktes. Natürlich gibt es auch diejeinigen, die längst anders denken und handeln, aber die waren und bleiben in der Minderheit (und verdienen damit weiter gutes Geld, ich kenne einige).
Unsere Hersteller/Marken sind aufgrund ihrer eigenen Verfehlungen (z. B. teure Betriebsvereinbarungen, ständige übertarifliche Bezahlung, strategisches Vorhalten von gigantischen Überkapazitäten, falsche Modelle zur falschen Zeit, Besetzen jeder noch so kleinen Nische) nicht in der Lage, auf die Markterfordernisse zu reagieren. Statt dessen wird auf Teufel komm raus Edelschrott für den Lagerplatz produziert.
Unsere Vertragshändler sind auf breiter Front nicht mehr überlebensfähig. Es fehlt an Eigenkapital, Kenntnis wirtschaftlicher Zusammenhänge, sozialer Kompetenz, Führungsqualität sowie mangelnden Fähigkeiten von Selbst- und Zeitmanagement (ich weiß, das ist sehr pauschal, aber hier kann man nicht jeden Einzelfall beleuchten).

4. Die Vertragshändler werden gezwungen, über am Kundeninteresse vollendens vorbeigehenden Investitionen auf eigene Rechnung in die Interessen des Hersteller zu investieren. Das hat zwei Vorteile: Es spart den Herstellern gigantisch viel Geld und macht die Händler abhängig und gefügig.

5. Der Kunde wiederum interessiert sich nicht dafür, der will nur ein tolles Produkt zu einem möglichst niedrigen Preis. Da das Angebot nicht verknappt wird (oder werden kann), muss es also nach den Gesetzen des Marktes über den Preis geregelt werden.

Fazit: Jeder Versuch, die Gesetze des Marktes außer Kraft zu setzen, wird scheitern, manchmal früher, manchmal später. Die Anbieterseite muss reagieren, wenn sie wieder Geld verdienen will. Von Ihnen vorgeschlagene Kartelle werden das nicht leisten können, gefragt sind Kreativität und Flexibilität. Dazu gehört eben auch die Überlegung jedes einzelnen Anbieters, ob die Existenz als Vertragshändler noch zeitgemäß ist.

9 Leserbriefe (Anzeige 1 bis 3)
1 | 2 | 3

"HB ohne Filter" vom 18. Mai

Kommentar von AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat

Heute mit den Themen: BMW-Rekorde, Fiat-Kontraste und Die Autohaus-Zukunft: Personal! MEHR

Frage der Woche

Download

AUTOHAUS-Bildschirmschoner

Ob Autopremiere, Politdebatte oder Promi-Schnappschuss – mit dem "I Saver" sind Sie immer auf dem Laufenden. mehr

Bildergalerien

Branchenrecht


Händlerbefragung

Die aktuelle Ausgabe des AUTOHAUS pulsSchlag

Topthema im Mai: Automobile Zukunft mehr

EXTRA

Jetzt neu: Fachbücher als eBook!

Einige unserer Praxishandbücher und Ratgeber können Sie jetzt auch als eBook bestellen! mehr

Marktplatz

Frische Ware

Auf dem neuen AUTOHAUS Marktplatz finden Sie alle Spezialisten und Dienstleister für ein erfolgreiches Kfz-Geschäft. mehr

Akademie aktuell

Professionelles Teile- und Zubehörmanagement im Autohaus

Erfahren Sie, wie Sie Ihr Teile- und Zubehörlager ertragreich managen! Anmeldung und Termine

Social Media

Besuchen Sie AUTOHAUS auf Facebook!

"Gefällt mir" – jetzt am virtuellen Stammtisch über bunte Branchenthemen diskutieren! mehr