22.07.2008
Autohaus der Zukunft: Mehr Marken - mehr Wettbewerbsfähigkeit?
Kfz-Handel
Druck von allen Seiten
Die Markt- und Wettbewerbssituation der deutschen Autohändler wird sich einer Studie zufolge in den kommenden Jahren stark zuspitzen. "Der Wettbewerb ist in vollem Gange – immer mehr so genannte Megadealer etablieren sich als Konkurrenz zu den klassischen Hersteller-Niederlassungen, was zu einem höheren Verdrängungswettbewerb bei kleineren und mittleren Autohäusern führt", erklärte Martin Hölz, Consulting-Partner für die Automobilindustrie bei Deloitte. Das Beratungsunternehmen stellte am Dienstag die Studie "Automobilhandel im Premiumsegment" vor.
Nach Angaben von Deloitte-Consultant Florian Hojak befindet sich ein Viertel der Autohäuser "bereits heute in einer Krisensituation". Nicht nur das veränderte Marktumfeld und die "chronische" Ertrags- und Eigenkapitalschwäche würden ihre Spuren im Handel hinterlassen. Unklare Rahmenbedingungen wie die geplante Kfz-Steuerreform und die steigenden Kraftstoffpreise kämen erschwerend hinzu.
Die Experten gehen in ihrer Prognose von aktuell knapp 30.000 markengebundenen und freien Autohäusern bzw. -händlern in Deutschland aus. In zwei Jahren sollen durch die Marktbereinigung weniger als 25.000 übrig bleiben. Dies betreffe überwiegend mittelständische Autohäuser, deren Marktanteil in Folge von Insolvenzen, Mergern und Aufgehen in Netzwerken von derzeit über 45 auf knapp 29 Prozent zurückgehen werde, hieß es.
Nach Einschätzung von Deloitte werden mit Ende der Gruppenfreistellungsverordnung Mitte 2010 sowohl Volumen- als auch Premiummarken Hand an ihre Händlernetze legen. Demnach würden Audi, BMW und Mercedes die Zahl ihrer Vertragshändler von derzeit jeweils rund 1.100 auf unter 900 reduzieren. Dies kommt vor allem den Niederlassungen der Hersteller zu Gute: Ihr Marktanteil soll von 33 (2005) auf 37 Prozent in 2010 steigen. Laut Studie werden die Vertragshändler zwar auch künftig den wichtigsten Vertriebskanal ausmachen – ihr Anteil soll aber sukzessive von derzeit 60 auf 53 in 2010 und 51 Prozent in 2015 absinken.
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(Foto: Uwe Meinhold/ddp)
24. Juli 2008 17:27
Steffen Karl meint:
These: Be bigger, be different or get out:
Bekommen wir amerikanische Verhältnisse?
Die Marktsituation in England spiegelt heute schon zwar zeitversetzt aber sehr deutliche die US Amerikanische automobile Handelssituation wider.
Eindeutig zu erkennen ist auch, dass erfolgreiche amerikanische Gruppen England, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Sprache als "Pilotmarkt" für Europa nutzen und bereits erfolgreich besetzt haben.
Auch in Festlandeuropa haben die Internationalen in starkem Wettbewerb zu den großen Europäern bereits strategische Teststandorte besetzt.
Aus unseren Erhebungen ergibt sich, dass mehr als zwei Drittel aller Autohausunternehmer derzeit vor der Aufgabenstellung stehen nach der Regel: "be bigger, be different or get out".
Die aktuelle Marktsituation in Deutschland, die auf Druck generierten zukünftigen „Altlasten“ wie Kurzzulassungen, abgemeldete Vorführwagen, überzahlte Gebrauchtwagen, Leasingrückläufer...und nicht zuletzt die zu erwartenden Folgen durch die Nichterreichung der Zielvereinbarungen und damit verbunden Gefährdung von Verkaufshilfen und Boni, erlauben vielen Unternehmen derzeit kein strategisch ausgerichtetes Denken.
Dies deckt sich auch mit allen Studien unseren Kollegen, wonach innerhalb der nächsten zwei Jahre ca. 5000 Händler den Markt verlassen werden.
Verständlicherweise handeln viele Autohausunternehmer nach dem Mot „Augen zu und durch“. Die Aufgabenstellung wird oft als persönliche Herausforderung gesehen und Liquiditätsdefizite aus der Privatschatulle (wenn noch vorhanden) geschlossen.
Aus meiner Sicht ist es aber nur bedingt auf den Unternehmer als Person zurückzuführen und kann von diesem auch rein sachlich betrachtet nicht gelöst werden:
Da bleibt selbst für die aus unserer Sicht einzige Alternative für das einzelne Autohaus, das „anders sein“, nur wenig kreativer Freiraum.
Dabei muss genau das der Anspruch sein: „Best Business in Town“, um ausreichend Erträge und damit die Zukunft zu sichern.
Einige in dieser Situation befindlichen Unternehmer haben sich bereits sehr erfolgreich in große Gruppen eingegliedert und sich damit selbst wieder einen machbaren Handlungsrahmen gesetzt.
Warum wachsen die Megadealer so stark und warum sind die privat geführten Autohausgruppen betriebswirtschaftlich erfolgreicher als Herstellerniederlassungen.
Dieser Frage sind wir in den vergangen Wochen sehr intensiv nachgegangen und sind hier zu Ergebnissen und Erfolgsfaktoren gekommen, die uns alle in ihre Einfachheit überrascht:
Es ist das System Autohaus. Nachrangig Bedeutung hat hier „Hardware“; wie Gebäude, Showroom Einrichtung, DMS..: .
Es ist die „Software“ des Systems Autohaus: Die stringente, und allen Standorten durchgängige gleichermaßen emotionelle wie strukturell geprägte Umsetzung von Kundengewinnung und Begegnungsqualität.
Angereichert wird dies durch den lokalen Standortleiter der regionalen zusatznutzen generiert.
Vor diesem Hintergrund sind wir etwas tiefer in die kausalen Zusammenhänge zwischen Mitarbeiterzufriedenheit, Kundenzufriedenheit und betriebswirtschaftlichem Erfolg eingestiegen.
Erfolgreich kann dies in unternehmergeführten Autohäusern vom Chef persönlich und individuell umgesetzt werden.
Für uns waren natürlich wichtig zu erfahren, was sind die Erfolgsfaktoren zur erfolgreichen Multiplizierbarkeit und nachhaltigen Implementierung und Sicherstellungen an verschieden Standorten unterschiedlichen Marken und Märkten:
Es ist die wertschöpfende Kombination des generellen Basiskonzeptes der Händlergruppe und die Multiplikation mit der Persönlichkeit des entsprechenden Standortleiters.
Unter diesen Vorraussetzungen werden zunehmend Megadealer lokale Standorte mit markanten Wettbewerbsvorteilen hin zum besten am Ort besetzen.
Gebündelt mit Synergien aus Fixkostendegression und steigender Einkaufsmacht wird sich Markstellung der gut aufgestellten Großen auch in Deutschland deutlich erhöhen.
Steffen Karl
Director Dealer Development
Senior Account Executive DealerGroups
MSX International GmbH
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