Medien: Fiat garantiert Opel-Standorte

27.04.2009 19:51 Uhr
Im Ringen um die Opel-Rettung hatte die Bundesregierung von möglichen Investoren Garantien für Werke und Arbeitsplätze gefordert.
© Foto: Thomas Lohnes/ddp

Einem Magazinbericht zufolge will der italienische Autobauer in den Verhandlungen über einen Einstieg beim Rüsselsheimer Hersteller den Erhalt aller vier Montagestandorte in Deutschland garantieren.

Fiat hat nach Informationen von "Spiegel Online" in den Verhandlungen über einen Einstieg beim Autohersteller Opel den Erhalt aller vier Opel-Montagestandorte in Deutschland garantiert. Das bedeute allerdings nicht, dass auch die aktuellen Kapazitäten der Werke garantiert werden könnten, berichtet das Magazin unter Berufung auf einen ungenannten "Insider" im italienischen Turin. Fiat plane eine weitere Zusammenlegung der Produktion. Wirtschaftsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte dazu: "Ich bestätige erst etwas, wenn ich das Konzept zu Opel vorliegen habe, das ich dieser Tage erwarte." Der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz hat große Zweifel an dieser angeblichen Garantie für die deutschen Standorte. "So lange kein von autorisierter Stelle unterschriebenes Dokument vorliegt, glaube ich so etwas nicht", sagte Franz am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er halte das Versprechen für unseriös. Franz wirft Fiat-Chef Sergio Marchionne vor, wegen der hohen Schulden des Turiner Herstellers "um deutsche Steuergelder zu zocken". Franz hatte sich bereits vergangene Woche vehement gegen einen Einstieg des italienischen Konkurrenten in Rüsselsheim ausgesprochen. Wegen der großen Überschneidungen bei Modellen und Kunden warnte er vor massiven Stellenstreichungen. Fiat allerdings soll zugesichert haben, dass alle Schulden der Turiner Gruppe aus einer Fusion herausgehalten werden, schreibt "Spiegel Online" unter Bezug auf den Informanten, der unmittelbar mit der geplanten Übernahme vertraut sei. Auch beim Namen des möglichen neuen Konzerns zeige sich Fiat kompromissbereit: Er könne FiatOpel heißen oder OpelFiat. Bundesregierung fordert Standortgarantien Im Ringen um die Opel-Rettung hatte die Bundesregierung von möglichen Investoren Garantien für Werke und Arbeitsplätze gefordert. "Jeder Investor muss Opel Deutschland stärken. Wer in Deutschland Werke schließen und Arbeitsplätze abbauen will, ist kein geeigneter Opel-Partner", sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) der "Bild am Sonntag". Bei Opel befürchtet unter anderem der Betriebsrat, Fiat könnte nach einer Mehrheitsübernahme massive Einschnitte in Deutschland in Gang setzen. IG Metall-Chef Berthold Huber sprach sich am Sonntagabend im ZDF gegen einen Einstieg von Fiat aus, weil die Opel-Standorte in Bochum mit 4.500 Beschäftigten und in Eisenach mit rund 2.000 Beschäftigten dann wahrscheinlich nicht überleben würden. "Das können wir nicht akzeptieren." Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) äußerte schwere Bedenken gegen eine Übernahme durch den italienischen Konzern. "Fiat hat ähnliche Probleme wie Opel, wird ebenfalls Kapazität reduzieren müssen, um zu überleben", sagte er dem "Hamburger Abendblatt" am Samstag. "Vor einer Übernahme müsste Fiat die Bedenken zerstreuen, dass allein Opel dafür zahlt." Als weitere Sorge wird vor allem vom Betriebsrat genannt, der hoch verschuldete Fiat-Konzern könnte mit der Opel-Übernahme an deutsche Staatsbürgschaften herankommen wollen. Tiefensee sagte dazu: "Einem solchen Missbrauch muss ein Riegel vorgeschoben werden." Auf die Frage, ob das Land Thüringen zur Not das gefährdete Opel-Werk in Eisenach kaufen sollte, antwortete der auch für den Aufbau Ost zuständige Tiefensee: "Eine staatliche Beteiligung für einen eng begrenzten Zeitraum kann als letzte Lösung notwendig sein."

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KOMMENTARE

La Fiat siamo noi.

27.04.2009 - 15:53 Uhr

Liebe Gewerkschafter und Opelaner, welch Arroganz ihr doch an den Tag legt! Fiat, ein Automobilkonzern, der auf eine sehr lange Historie zurückblickt ist doch immer noch besser als eine Investorengruppe ohne viel know-how im Automobilgeschäft. Klar hatte der Fiat Konzern viel Hochs und Tiefs, aber ging dieser Konzern nicht immer erstarkt daraus hervor? Die aktuelle Modellpalette muss sich erst recht hinter keinen anderen Fahrzeug verstecken. Mann stelle sich jetzt mal vor, dass Fahrzeuggrundplatten, Motoren etc. für alle Modelle genutzt werden können. Keiner muss alles doppelt neu erfinden, oder hohe Summen für fremdes Wissen investieren. Würde das nicht sogar dem Kunden zu gute kommen, indem Fahrzeuge wieder günstiger angeboten werden können? Und mal ganz ehrlich liebe Arbeitnehmer: Ist ein halbvolles Werk nicht besser als ein geschlossenes??


Striker

27.04.2009 - 18:38 Uhr

@ La Fiat siamo noi. Es steht zu vermuten, dass Sie ein italienischer Landsmann sind. Von daher ist Ihr Nationalstolz nachvollziehbar und durchaus ehrenwert. Doch auch Sie sollten sich einmal die Frage stellen, wo die Vorteile für FIAT liegen, wenn sie mit Opel fusionieren?! Vielleicht würden Sie antworten, es gäbe Skaleneffekte, z. B. im Einkauf. Das mag sogar sein, aber was der Kaufmann einkauft, muss auch verkauft werden. Die arrivierten europäischen Märkte, die auch die Kernmärkte beider Marken sind, bieten keine Wachstumschancen mehr. D. h., es müssen Überkapazitäen in Europa abgebaut werden (ich sage nur Opel Werk Bochum). Das kostet Unmengen an Zeit und Geld und Image und bindet erhebliche Managementkapazitäten. Gleichzeitig müßten aber neue Märkte erschlossen werden (z. B. USA, BRIC, Osteuropa) und wiederum dort Produktionskapazitäten aufgebaut werden. Das kostet wiederum Unmengen an Zeit und Geld und bindet ebenfalls nicht zu unterschätzende Managementkapazitäten. Nehmen wir darüber hinaus die FIAT-Gruppe selbst. Lancia steht vor dem Abgrund, Alfa kommt mengenmäßig nicht auf die Füße. Was passiert mit Ferrari und Maserati? (Was soll damit sein, fragt der Italiener, aber wenn höchst profitable deutsche Nobelkaufhäuser mit dem Klang einer Weltmarke zum Verkauf stehen, scheint alles möglich zu sein). Darüber hinaus geht es dem LKW-Geschäft derzeit ziemlich übel, soll heißen, Ergebnisbeiträge sind von IVECO wohl in den nächsten paar Jahren nicht zu erwarten. Und das Landmaschinengeschäft? OK, da kenne ich mich nicht aus und wilde Vermutungen will nicht anstellen. Und einen Aspekt sollten wir auch nicht vergessen: Die stolzen Opelaner müßten sich künftig dem Diktat aus Turin unterwerfen. Und das Folgende sage ich hier ohne Arroganz: Es steht zu vermuten, dass die kulturellen Unterschiede sehr groß sein werden. Deutsche Liebe zum Detail, der eher kühle Anspruch an technische Perfektion - das trifft auf italienische Lebensart und die mediterranes Management. Hat schon einmal jemand hinter die Kulissen grenzüberschreitend fusionierter Konzerne geschaut? Wie gesagt, das soll hier keine Arroganz sein, aber wie neben den weiter oben geschliderten Fragestellungen dann auch noch aus den Zweien Einer werden soll, wüßte ich nicht. Ich bin Kaufmann und als solcher Realist, kein Träumer.


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