Der Nutzfahrzeugkonzern MAN hat in einem Schadenersatzprozess gegen die DaimlerChrysler-Nutzfahrzeugtochter Freightliner von einem Londoner Gericht im Grundsatz Recht bekommen. Eine DaimlerChrysler-Sprecherin bestätigte am Freitag entsprechende Angaben. MAN hatte vor fünf Jahren von Freightliner deren britische Tochter ERF übernommen und wirft dem früheren Besitzer vor, die finanzielle Lage beim Verkauf falsch dargestellt zu haben.
Bei ERF waren Bilanzfälschungen im großen Stil aufgeflogen. Dadurch ist MAN nach eigenen Angaben ein Schaden in Höhe von rund 300 Mio. Pfund (440 Mio. Euro) plus Verfahrenskosten und Zinsen entstanden. Der konkret von Freightliner an MAN zu zahlende Betrag werde vom Gericht in einem jetzt folgenden Verfahren festgesetzt, teilte MAN mit. Der Münchner Konzern hatte ERF im Jahr 2000 von der kanadischen Western Star übernommen. Western Star war wiederum im Jahr 2001 von Freightliner gekauft worden.
Die Daimler-Sprecherin sagte, das Gericht habe noch keine Schadenersatzsumme festgesetzt. Zudem werde Freightliner Revision gegen die Entscheidung einlegen. Freightliner selbst hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young verklagt, die seinerzeit die Bücher bei ERF geprüft hatte. Mit dieser Klage sei das Unternehmen jedoch vor dem Londoner Gericht ebenfalls gescheitert, sagte die Sprecherin. (dpa)