GM: Gnade für europäische Werke

17.04.2007 14:26 Uhr
Jetzt ist es amtlich: Der neue Opel Corsa wird auch in Bochun gebaut.

Opel-Standort Bochum ist gesichert und baut den neuen Astra / Stellenstreichungen jedoch wahrscheinlich

Neue Sparrunde bei Opel: Zwei Jahre nach dem harten Sanierungsplan werden erneut Tausende Arbeitsplätze wegfallen, vor allem im belgischen Werk Antwerpen sowie in Bochum. Die zunächst angedrohte Schließung eines Werkes ist dagegen vom Tisch. Auch das lange als gefährdet geltende Bochumer Werk ist gerettet und wird die neue Generation des Opel-Astra ab 2010 bauen. Das teilte der Mutterkonzern General Motors (GM) am Dienstag nach Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern mit. Im belgischen Opel-Werk in Antwerpen wird bereits in diesem Jahr eine Schicht wegfallen – das entspräche 1.400 Stellen. "In Bochum wird es einige Jobs kosten, wie viele, können wir nicht sagen", erklärte GM- Europa-Chef Carl-Peter Forster. GM beschäftigt derzeit in Europa 62.500 Mitarbeiter, davon stehen rund 3.000 Stellen auf der Kippe. Seit 2005 wurden zur Sanierung des lange defizitären Europageschäfts bereits 12.000 Arbeitsplätze gestrichen, die meisten bei Opel. "Wir müssen daran arbeiten, noch rentabler zu werden", betonte Forster. Opel hatte 2006 erstmals seit sieben Jahren den Sprung in die schwarzen Zahlen geschafft. Dieses Ziel sei wegen des harten Wettbewerbs nicht durch mehr Absatz, sondern nur durch Kostensenkungen erreichbar. Das Management fordert flexiblere Arbeitszeiten, den Wegfall von Zuschlägen und geringere Lohnzuwächse, um die Kosten um 450 Mio. Euro zu senken. Die Gewerkschaften hatten zur Rettung der Werke Zugeständnisse bei Gehalt und Arbeitszeiten im Volumen von 290 Mio. Euro gemacht. "Die Summe wird Teil des auszuhandelnden Pakets sein", sagte Forster. Die neue Generation des Kompaktwagens Astra wird ab 2010 an vier Standorten, darunter Bochum, gebaut werden, entschied GM Europa. Zudem erhalten die Werke in Gliwice (Polen), Ellesmere Port (England) und das Werk der GM-Tochter Saab in Trollhättan (Schweden) den Zuschlag. Der Betriebsratsvorsitzende der schwedischen GM-Tochter Saab, Paul Åkelund, sagte zufrieden: "Wir haben GM gezeigt, dass wir Qualität und hohe Produktivität zu bieten haben." Man könne nun optimistisch in die Zeit bis nach 2010 blicken. Leer geht das Opel-Werk im belgischen Antwerpen beim Astra aus. "Wir reden nicht über eine Werksschließung, sondern es kann eine alternative Belegung mit anderen GM-Marken wie Chevrolet geben", sagte Forster. Betriebsbedingte Kündigungen seien ausgeschlossen, über Abfindungen werde in den nächsten Wochen verhandelt. Das Werk Antwerpen beschäftigt 4.500 Mitarbeiter und baut den Opel Astra als Drei- und Fünftürer, sowie die Caravan-Version und das Cabrio. Spontane Arbeitsniederlegungen in Antwerpen Der belgische Premierminister Guy Verhofstadt bedauerte den geplanten Wegfall von 1.400 Stellen. "Das ist eine sehr schlechte Nachricht für die Arbeiter, aber auch für die Zulieferer", sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga. Die Beschäftigten der Nachmittagsschicht legten spontan ihre Arbeit nieder und verließen die Fabrik, so die Agentur weiter. Wegen verbesserter Produktivität und einer globalen Modellplattform braucht GM für den Bau des neuen Astra weniger Kapazitäten als bisher. Geplant ist eine jährliche Produktion von 750.000 Astra. In die künftigen Astra-Fabriken will GM insgesamt 3,1 Mrd. Euro investieren. In Bochum müssen nach Angaben des Betriebsratschef Rainer Einenkel weitere 1.700 Arbeitsplätze abgebaut werden. Von den derzeit 4.900 Beschäftigten in der Montage würden in Zukunft nur noch 3.200 gebraucht. Schließlich dürften ab 2010 für die Produktion eines Autos nur noch 15 statt 24 Stunden benötigt werden. Der Stellenabbau in Bochum solle weitgehend über Vorruhestandsregelungen erfolgen. Über weitere Zugeständnisse der Arbeitnehmer wird in den kommenden Wochen verhandelt. "Riesengroße Erleichterung" Der Gesamtbetriebsrat begrüßte die Entscheidung. "Unsere Basisforderung ist erfüllt worden, wir haben Werksschließungen verhindert", sagte der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz. Er forderte eine Bestandsgarantie für alle europäischen Werke bis 2016. "Im Bochumer Werk herrscht riesengroße Erleichterung", sagte Einenkel. "Jetzt müssen wir schauen, dass wir den Rest noch hinkriegen, und zwar ohne Kündigungen." (dpa)

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Auto News für die Automobilbranche: AUTOHAUS ist eine unabhängige Abo-Fachzeitschrift für die Automobilbranche und ein tagesaktuelles B2B-Online-Portal. AUTOHAUS bietet Auto News, Wirtschaftsnachrichten, Kommentare, Bilder und Videos zu Automodellen, Automarken und Autoherstellern, Automobilhandel und Werkstätten sowie Branchendienstleistern für die gesamte Automobilbranche. Neben den Auto News gibt es auch Interviews, Hintergrundberichte, Marktdaten und Zulassungszahlen, Analysen, Management-Informationen sowie Beiträge aus den Themenbereichen Steuern, Finanzen und Recht. AUTOHAUS bietet Auto News für die Automobilbranche.