Donnerstag, 24.05.2012
08.02.2012
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Betriebsrat

GM plant keine Opel-Werksschließung

Der defizitäre Autobauer Opel ist in Aufruhr. Angesichts der schwachen Absatzzahlen und der verfehlten Ergebnisziele machen erneut Spekulationen um tiefe Einschnitte die Runde. Von möglichen Werksschließungen ist die Rede. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke und der Betriebsrat versuchten am Mittwoch, die Belegschaft zu beruhigen. "Ich habe überhaupt keinen Hinweis darauf, dass (die US-Mutter) GM plant, bestehende Verträge mit uns zu verletzen", sagte der Opel-Konzern- und Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug. Die Verträge schließen Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2014 aus.

Opel-Chef Stracke versicherte in einem Brief an die Mitarbeiter, "dass es bis jetzt keinerlei Entscheidungen im Opel/Vauxhall Management, bei GM oder im Opel Aufsichtsrat gibt, wonach Werke geschlossen, Stellen abgebaut oder Produktionsvolumen verlagert werden sollen." Weil der Automarkt in Europa angesichts der Schuldenkrise aber allgemein zurückgehe, "müssen wir zweifellos gewisse Probleme lösen".

Das "Wall Street Journal" hatte zuvor berichtet, dass dem Opel-Mutterkonzern General Motors allmählich der Geduldsfaden mit der defizitären Tochter reiße. Das Blatt zitierte einen namentlich nicht genannten GM-Offiziellen, wonach der Konzern die Schließung der Opel-Standorte Bochum und Ellesmere Port in England in Betracht ziehe: "Der Frust über Opel steigt und das Gefühl nimmt zu, dass die Einschnitte der letzten Jahre nicht tief genug gingen." Wenn man Opel retten wolle, müsse das jetzt geschehen: "Und die Einschnitte werden tief sein."

Der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel bezeichnete den Bericht als "Unsinn". Das Bochumer Werk mit derzeit 4.300 Stammbeschäftigten und knapp 700 Leiharbeitern sei derzeit mit der Produktion des Modells Zafira Tourer gut ausgelastet. Seit Jahresbeginn seien an fast allen Samstagen in Bochum Zusatzschichten gefahren worden. Hinzu kämen zusätzliche Nachtschichten an Sonntagen. "Wir haben signalisiert, dass man auf das Bochumer Werk nicht verzichten kann", sagte Einenkel. Die Belegschaft wolle in Ruhe Autos bauen. Derartige Meldungen sorgten jedoch immer wieder für Unruhe und Verunsicherung. "Wir werden denen keinen Grund geben, das Werk zu schließen. Das wird mit Bochum nicht gehen", sagte Einenkel.

Weiterhin Verluste

In den ersten neun Monaten 2011 verlor GM in Europa allerdings 580 Millionen US-Dollar (440 Millionen Euro). Das war zwar deutlich weniger als im Vorjahr, als sich der Verlust noch auf knapp 1,2 Milliarden Dollar belaufen hatte. Doch eigentlich hätte Opel den Verlust weiter eindämmen sollen. Das vierte Quartal ist dem Bericht zufolge ebenfalls schlecht ausgefallen. GM legt seine Bilanz für das vergangenen Jahr am 16. Februar vor.

Opel-Chef Stracke erklärte gegenüber den Beschäftigten: "In den vergangenen Wochen haben wir immer wieder darauf hingewiesen, dass wir verschiedene Maßnahmen prüfen, um Opel/Vauxhall langfristig profitabel zu machen. Dazu gehört insbesondere eine Verbesserung unserer Margen und die Optimierung unserer Kostenstruktur, indem wir die Skaleneffekte und die Technologien besser nutzen, die uns als Teil des weltweiten GM-Verbundes zur Verfügung stehen."

Opel hatte sich in der vergangenen Wirtschaftskrise bereits deutlich verschlankt und unter anderem das Werk in Antwerpen geschlossen. 8.000 der vormals 48.000 Stellen fielen weg. Seit längerem mahnen die GM-Manager in Detroit, Opel müsse endlich aus der Krise fahren. Zuletzt hatten GM-Strategiechef Stephen Girsky, der auch dem Opel-Aufsichtsrat vorsitzt, und Betriebsratschef Schäfer-Klug gemeinsam betont, dass Opel trotz schlechter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen profitabel arbeiten müsse.

Absatzziele verfehlen

Das Magazin "auto motor und sport" (Donnerstag) zitierte am Mittwoch vorab aus Unternehmenskreisen, dass die Absatzzahlen weiter unter Plan liegen und die Auslastung mit "nur 80 Prozent" zu niedrig sei. Das drücke auf die Margen.

Nach einem schwachen 2011 wird der Autobauer nach einer Prognose des Marktbeobachters IHS Automotive auch im laufenden Jahr seine Absatzziele verfehlen und erneut nur rund 1,2 Millionen Autos in Europa verkaufen, wie das Magazin berichtet. Erst 2014 und 2015 sehe IHS die Chance, dank der neuen Modelle wie mit dem 2014 erwarteten Corsa die Absatzmarke von 1,5 Millionen zu überspringen und damit Auslastung und Rendite zu verbessern.

 
 
 
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KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

10. Februar 2012 12:53
Karl Schuler meint:
So wird das Ganze ein Bild:

Wempe: "Hätte OPEL die gleichen Chancen auf den internationalen Märkten erhalten, würden wir uns hier und heute nicht unterhalten. Aber die Weichenstellungen, die dafür vorgenommen wurden und werden, sind skandalös. Das hat nichts mit Management zu tun. Übrigens: Auch Saab war in den USA eine Marke mit höchster Reputation. Ein Schelm, wer Böses denkt."

Kühlwetter: "Dass der langjährige Opel Vertriebs- und Marketingvortstand Alain
Visser nun zu Chevrolet wechselt, sagt mehr als alle Pressemitteilungen, die aktuell aus dem Hause Opel kommen."

Dass die südkoreanische Autoindustrie, speziell Daewoo, Kia und Hyundai mit Hilfe amerikanischer Gelder, auch von GM, heute zu Höhenflügen in den Produktionszahlen gepuscht werden, dann ist die Tendenz, wo für europäische Ableger amerikanischer Mutterkonzerne die Reise hingeht, schnell klar.

@Baldrian Butzke: Sie haben vollkommen recht! Wie lautet schon die Werbung der Bild Zeitung: "Wer etwas wichtiges zu sagen hat, macht keine langen Sätze."


09. Februar 2012 17:08
E.Kühlwetter(wallibelli) meint:
Opel hat folgende Probleme:

1. Image
3. Fehlende Investionsgelder in Modelle und technische Innovationen
4. Auslastungsgrad der Werke in EU liegt nur bei knapp 80%. Zur Zeit (2011/2012) max. 1,2 Mio. Produktionsvolumen. Für branchenübliche Rentabilität braucht man mindestens 1,5 Mio. Stück für die vorhandenen
Kapazitäten p.a. EU-Produktionswerke für Volumenautos bis zur Mittelklasse müssen mindestens 250 - 300.000 Autos per anno ausspucken, um rentabel zu sein.
5. Vertriebsbeschränkung auf EU und Russland. Erschwerend kommt hinzu, dass in den nächsten 3 - 5 Jahren die Schuldenkrise der südeuropäischen Länder inkl. FRA sich in EU dämpfend auf die Nachfrage auswirkt. EU bleibt mittelfrisitg ohne Kaufanreize ein stagnierender bis leicht rückläufiger Markt. Da GM nicht bereit ist, Opel für den Vertrieb in weitere Länder zu öffnen, kann die Marke auch nicht vom Waschstumspotential der Schwellenländer plus China/USA profitieren.

Dass der lanjährige Opel Vertriebs- und Marketingvortstand Alain
Visser nun zu Chevrolet wechselt, sagt mehr als alle Pressemitteilungen, die aktuell aus dem Hause Opel kommen.


09. Februar 2012 15:52
K. Wempe meint:
@ Balduin Butzke;
Herr Schuler kann bestimmt für sich selber sprechen, aber was Sie hier auf unterstem Niveau loslassen das gehört schon eher in die BILD. Herrn Schulers hoch qualifizierte Kommentare sind gern gelesen hier, nur argumentiert er hoch pragmatisch und arbeitgeberseitig, aber auch mit hohem Sachverstand. Erst diese Dialoge machen diese Plattform lebendig. Ihre drittklassigen Äußerungen kann ich nur als formlosen Rülpser werten.

Was auch ich nicht immer wusste: Springer Fachmedien gehören nicht zum Springer Konzern. Die Redaktion möchte doch bitte Kommentare à la Butzke gleich in die Rundablage weiterleiten (Netiquette).

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