Der US-Autoriese General Motors (GM) feiert sein 100-jähriges Bestehen in seiner wohl schwersten Krise mit Rekordverlusten in Milliardenhöhe. Der Konzern steht zum Jubiläum am Scheideweg. "Wir starten während eines fundamentalen Wandels der Autoindustrie in unser zweites Jahrhundert", sagt GM-Chef Rick Wagoner. Die deutsche Tochter Opel ist für den 55-Jährigen dabei einer der Hoffnungsträger. Doch wie lange Wagoner auf der Fahrt ins Ungewisse noch selbst am GM-Steuer sitzt, ist für immer mehr Branchenbeobachter offen. Und manche Experten halten selbst eine Insolvenz für nicht mehr völlig ausgeschlossen. Krisen begleiteten den Traditionskonzern fast von Beginn an. Am 16. September 1908 gründete Pferdekutschen-Millionär William Durant in Flint (Michigan) die General Motors Corporation. Die Marke Buick kontrollierte er schon, wenig später kam Oldsmobile dazu – der Start einer beispiellosen Automarken-Familie. Das spätere Motto: "Autos für jeden Zweck und jeden Geldbeutel." Ein schweres Erbe, denn heute leidet GM laut Experten an der für Kunden oft verwirrenden Vielfalt. "Die einzelnen GM-Marken wie Chevrolet und Cadillac wird es in 100 Jahren noch geben – aber ob es das Unternehmen GM in dieser Form noch geben wird, ist die Frage", sagt Experte Willi Dietz vom Institut für Automobilwirtschaft im schwäbischen Geislingen. Schon 1910 stand GM mit dem rasanten Wachstum erstmals vor dem Kollaps. Banken sprangen ein. Mit frischem Geld expandierte GM zu einem der Industriegiganten Amerikas und der Welt: Bald fanden sich 20 Autobauer (u.a. Cadillac, Chevrolet, Pontiac), Zulieferer und verwandte Firmen unter dem Konzerndach. 1923 schaffte GM den Sprung nach Europa und eröffnete im dänischen Kopenhagen sein erstes Werk auf dem alten Kontinent. Zwei Jahre darauf kaufte GM den britischen Hersteller Vauxhall. Und 1929 übernahmen die Amerikaner die Kontrolle bei Opel. 60 Jahre später stiegen sie auch bei Saab in Schweden ein.
Thema: GM zum 100. Geburtstag in schwerer Krise
Der US-Autoriese steht zum Jubiläum vor einer ungewissen Zukunft: Rettung, Ausverkauf oder gar Insolvenz – Experten schließen für den Konzern mittlerweile keine Option mehr aus.