15.02.2013
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HB ohne Filter vom 15. Februar 2013

Heute: Zum Automobilen Aschermittwoch.

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Automobilpolitischer Aschermittwoch zu Abensberg


750 Automobilisten sind am Mittwoch zur automobilpolitischen Gaudi im Kuchlbauer Weißbierstadl in der niederbayerischen Spargelstadt Abensberg zusammengekommen. Die Kfz-Innung Oberpfalz mit dem Geschäftsführer Stephan Brandl und seiner Sekretärin Maria Kellner hatten den Event glänzend vorbereitet und organisiert. Der Obermeister und Kfz-Weltmeister Rudolf Angerer hatte zusammen mit dem Präsidenten und Landesinnungsmeister von Bayern, Klaus-Dieter Breitschwert (MdL), hinsichtlich der Kfz-Meister HU deutliche Akzente gesetzt. Kabarettist Wolfgang Krebs vertrat die bayerischen Ministerpräsidenten.

Automobiler Aschermittwoch 2013

Viele Impressionen vom Automobilen Aschermittwoch gibt es unter: www.autohaus.de/bildergalerien/automobiler-aschermittwoch-2013-1221522.html

Mir fiel die Rolle zu, launige, hinter- und abgründige Perversitäten aus der automobilen Branchenszene aufzuzeigen. Pervers meint immer, wenn etwas verquer läuft, nicht normal oder gar unanständig ist. Nachstehend einige perverse Highlights:

EU-Politik - Wettbewerbsfähigkeitskrise

Die EU soll erstmals in ihrer Geschichte – seit 1957 – weniger ausgeben! Perverse Wandlung! Unfassbar, die EU-Politiker wollen sparen! Auch wenn die Engländer immer noch auf der falschen Seite Auto fahren: Eine EU-Vertragsreform wird durch Camerons EU-Wackelpolitik angeschoben. Trotz Friedensnobelpreis 2012 klafft zwischen der Gemeinschaft und ihren Bürgern eine erhebliche Lücke. Wenn beispielsweise im Mai 2010 das EU-Parlament geschlossen die GVO 2010 ablehnt und die Kommission sich einfach darüber hinwegsetzt, dann ist das pervers. Das Parlament ist die Stimme des Volkes! Sollte es sein! Das EU-Parlament in Straßburg muss gestärkt werden. Selbiges gilt für Berlin!

Die EU-Kommission hat 2010 aufgehoben, was Mario Monti als Kommissar 2002 eingeführt hat: den Mehrmarkenhandel, die zweijährige Kündigungsfrist, die schriftliche Begründung einer Händlervertragskündigung, den Verkauf eines Autohauses mit dem Markenvertrag ohne Zustimmung der Herstellers. Wo blieben da die CECRA-Vertreter, sprich der Europäische Händlerverband, sprich die Creutzige, die Koblitze? Monti kann nun gelassen auf die anstehenden Wahlen in Berlusconien schauen, nachdem im Vatikan Sedisvakanz angesagt ist und die Italiener "ihren Liebling" zum neuen Papst machen wollen.

Berlusconi als Papst 

Silvio Berlusconi, der neue Papst Sextus VI.

Hersteller-Importeur-Szenarien

Opel, die Drama-Queen der Automobilbranche, steht am Scheidewege. Jetzt kommt schon wieder ein neuer Mann als Vorstandsvorsitzender. Er heißt sogar Neumann. Er soll als Techniker richten, was bislang keinem Sanierer gelang. Es sei an Karl-Friedrich Stracke, seinen Vorgänger, erinnert. Der neue Adam wird zum Rettungsanker, weshalb sie ihn "Ädäm" nennen. Der Gründer von Opel, der 1862 die Basis in Rüsselsheim legte, hieß allerdings Adam! Weshalb man einem kurzatmigen Vertriebsvorstand wie Alfred Rieck einen Zehnjahresvertrag gibt und ihn nach acht Monaten zum Abfindungsmillionär hochhebt, bleibt verwunderlich. Pervers!

Die größer-weiter-höher-und-schneller-Rhetorik wird am Beispiel Daimler besonders sichtbar. Das Übel Schrempp setzte nicht nur 100 Milliarden Euro in den Sand, sondern band über die Welt-AG und die Ehe im Himmel mit Chrysler viel hochqualifiziertes Management. Und das über zehn Jahre hinweg. Für die Katz! Glaubt da wirklich einer daran, Herr Zetsche könnte – selbst bei verlängertem Vertrag bis 2018 – Audi und BMW bis 2018 überholen? Die schlafen doch nicht! Das Daimler-Motto "Das Beste oder nichts" – es war einmal! Der Rest ist Prinzip Hoffnung. MB-Markenbotschafter wie "Bobbele" Becker werden das nie und nimmer reißen. Auch ein verdienter Herr Schumacher nicht.

VW hat es ganz groß im Kopf. Nicht nur beim 17-Mllionen-Euro-Gehalt von Konzernchef Winterkorn. Bis 2018 will man ganz oben, als Größter auf der automobilen Herstellertreppe stehen. Österreichischer Größencharme. Es wäre gut, man würde dabei demütiger auf die Koreaner schauen. Das 1-Liter-Auto sollte 2013 eigentlich ein Volkswagen in der Preisklasse von 8.500 Euro sein. Angesagt ist da etwas ganz anderes. Pervers!

Verabschiedet sich Honda ganz leise vom europäischen Markt? Auf dem Buckel der Händlerschaft? Was hier den Markenpartnern geboten wird, ist untragbar, schlichtweg pervers. Renault redet mit der Händlerschaft nicht mehr. Auf welchem Stern sind die denn zu Hause? Die müssen doch froh sein, dass es überhaupt noch risikobereite Händler gibt, die ihre Autos auf die Straße schieben! Wer bei den Koreanern Hyundai und Kia hinter die Kulissen schaut, spürt an allen Ecken und Enden Mengendrückerei, von Re-Importen bis zu den unsäglichen "taktischen Zulassungen". Monat für Monat ab 27. wird der taktische Einheitendruck zentral von oben durchgepeitscht. Die Koreaner halten sich in alternativen Antriebstechniken bislang auffällig zurück. Sie sind aber da, sobald sich abzeichnet, in welche Richtung sich die Kiste bewegt. 2015! 

Zum 1. Juni 2013 wird man sehen, wie die einzelne Marke gedenkt, ihre Markenexklusivität nach der Vertriebs-GVO 2013 umzusetzen. EU-Parlamentarier haben angekündigt, da genau hinzuschauen.

ZDK – Risse im Fundament

Verbände haben wie die Politik die Aufgabe, Probleme zu lösen. Man wird beim Gedanken an den ZDK den Eindruck nicht los, dass hier seit Jahren in erster Linie verwaltet, aber viel zu wenig nach vorne gestaltet wird. Für den ZDK sollte an erster Stelle das Thema Rendite im Automobilhandel wie im Werkstattbereich stehen. Dem Handel werden Auflagen über Auflagen im Verkauf gemacht, zu eingehender persönlicher Beratung, zu Probefahrten, zu Präsentationen im Verkaufsraum, zum Styling, zur Atmosphäre, zu aufwendigen Prospektauslagen, Premiumauslieferungen und systematischer Nachbetreuung bis hin zum großen Vorführwagenpark, den es vorzuhalten gilt. Von Mystery-Shopping als Margensenkungsinstrument ganz zu schweigen. Das alles wird der Kundenzufriedenheit wegen initiiert. Der Handel setzt all dies Tag für Tag im Alltag um. Der Kunde verlässt mit großer Dankbarkeit aufgeklärt das Autohaus und schaut nach, über welche NW-Internetbörse er nun sein Wunschprodukt am günstigsten erhält. Das macht für den klassischen Automobilhandel so keinen Sinn mehr. Die Miesen der Niederlassungen werden dagegen vom Hersteller/Importeur fortlaufend getragen. Die autorisierten Händler werden quasi in ihrer Substanz systematisch unterlaufen. Das ist die eine Wahrheit, weshalb im Neufahrzeuggeschäft nichts mehr verdient wird. Hinzu kommen all die Vertriebswege, die die Hersteller/Importeure am Handel vorbei im Hintergrund füttern, angefangen bei den freien Leasinggesellschaften bis hin zum Re-Import über werkseigene Auslandsgesellschaften.

Natürlich geht der Ertragseinbruch auch massiv auf die Übermengen zurück, die seitens der Hersteller und Importeuren in einen gesättigten Markt gepumpt werden. Man sollte sich über die Auswirkungen von perversem Vertriebsverhalten nicht wundern. Eine Geldvernichtungsmaschinerie, von angestellten Managern initiiert, die selbst kein unternehmerisches Risiko tragen. Das schafft nur kurzfristig Erträge, und zwar für ein paar wenige und zu Lasten aller. Mit fairem Wettbewerb hat das nichts mehr zu tun. Es herrscht kapitalistischer Vernichtungskampf. Fiat-Konzernchef Marchionne, zugleich ACEA-Präsident, sprach nicht umsonst im August 2012 vom Blutbad, das hier beispielsweise von Volkswagen angerichtet werde.

Der ZDK will in Kürze sein Neuwagen-Börsenmodell vorstellen. Dennoch, wo bleibt die klare Forderung nach drei Prozent Umsatzrendite im Handel, und zwar mit Wirkung vertreten? Wann endlich deckt der ZDK Monat für Monat die Zulassungslügen auf? Eigentlich könnte das Kraftfahrt-Bundesamt die Zulassungen täglich veröffentlichen. Das aber verhindern die Hersteller/Importeure! Was unternimmt der ZDK in Sachen Garantievergütung und Abwicklungssystemen? Wo bleibt das Energiekostensenkungskonzept für die Mitgliedsbetriebe, statt Fliesenfetischismus? Die größten Energiefresser sind von der EEG-Umlage befreit. Das heißt, das Handwerk und der Handel subventionieren die ganz Großen! Was tut der ZDK dagegen? Blamabel, dass der ZDK die BFC in Calw 2012 schließen musste. 2013 sollte die BFC ihr 50-jähriges Jubiläum feiern.

Mehr und mehr Landesverbände pflegen ihr eigenständiges Profil. Da sind klare Risse im Fundament auszumachen. Pervers!

Dialektische Diskriminierung

Da durfte ich zum Abschied des Toyota-Bankenchefs Peter Pollhammer in Köln eine Laudatio halten. Dann forderte mich der Moderator auf, ich möge doch meinen exotischen, unverständlichen Sprachklang auf Hochdeutsch umstellen. Was wir Alemannen, Schwaben, Bayern, Sachsen, Unterfranken diesbezüglich durchmachen ist nicht mehr hinnehmbar. Da heißt es im Art 3 GG: Es darf niemand ob seines Geschlechts, seiner Religion, Sprache oder Heimat benachteiligt werden. Das heißt im Klartext, wir Dialektiker werden systematisch diskriminiert.

Wir im Süden haben die besten Wirtschaftdaten. Wir haben die wenigsten Schulden und besitzen Eliteuniversitäten. Aber Deutsch können angeblich nur die anderen. Nein: Schwäbisch und bayerisch sind nach allgemeiner Erkenntnis ein hochdeutscher Dialekt. Bislang meinten die Schwaben immer: "Wir können alles außer Hochdeutsch." Das muss umformuliert werden in: "Wir können alles, außer Norddeutsch!" Das Hochdeutsch ist gleichermaßen ein Dialekt. Im Klartext: Die Diskriminierung durch die Nordlichter ist nur pervers! Das ist alles Kulturverlust pur. Unser schwäbische Landsmann Friedrich Schiller sagte: Wie menschlich Menschen sind, zeigt ihr Umgang mit der Muttersprache. Die Sprache ist der Spiegel einer Nation. Aber doch nicht preußisch!

Anglizistische Verirrungen

Wir müssen uns mal all die Anglizismen vor Augen führen, mit denen wir permanent überschüttet werden. Da muss man sich von Banken "raten" lassen, damit der Cash-Flow stimmt. Der Werbeauftritt im Autohaus muss dringlich relaunched werden. Will ich einem eine Nachricht in einem "Onlineforum" schicken, dann prostet man sich nicht zu, sondern man "postet" das. Dann musst du immer darauf achten, dass deine Corporate Identity stimmt, sonst gelingt keine einheitliche CRM-Gestaltung.

Oder schauen wir Autobezeichnungen an. Da gibt es den TDI, den FSI, 4- und 6-Motion. Und erst bei den Autofarben: Candy-Weiß, Granite Green, Arctic Blue Silver, Wheat Beige, Shadow Blue, United Silver. Und dann werden Designpakete aus Sensitive-Leder, in Snow-Beige offeriert. Tür-Inserts in zeitlosem Design. Der Kundendienst heißt heute nicht mehr Service, sondern After Sales Service. Oder es kommen erste Studien für die deutsche Händlerschaft auf den Markt. Deren Titel lautet dann "Dealer Car Rental" oder noch besser "Customer Challenge", damit auch ja jeder weiß, was damit gemeint sein könnte. Sprachliche Bodenhaftung ist gefordert. Der Rest ist Unkultur! Pervers!

Berliner Perspektiven

Wenn das bis zur Bundestagswahl am 22. September mit dem evangelisch-lutherischen Pastor Ost, Joachim Gauck, der geschiedenen Pastorentochter Ost, Angela Merkel, und der bisherigen EKD-Vorsitzenden und Grünen-Ost, Katrin Göring-Eckardt, so weitergeht, haben wir ab Herbst dank einer möglichen Schwarz-Grün-Koalition den protestantischen Kirchenstaat Ost beieinander. Als Vizekanzler und Finanzminister wird dann der ehemalige Kommunistenführer Jürgen Trittin sein Unwesen treiben. Steuererhöhungen hat er bereits angekündigt, u.a. auch die Wiedereinführung der Vermögensteuer. Nachdem 90 Prozent davon Betriebsvermögen ist, kann man sich ja ausmalen, wer die monetäre Unersättlichkeit der Politiker auch künftig zu zahlen hat. Der Mittelstand! Nicht die Beckenbauers, Schumachers oder Beckers, die ihren Wohnsitz im steuerbegünstigten Ausland haben.

Schwarz-Gelb kann bis im Herbst auf eine ökonomisch überraschend erfolgreiche Legislaturperiode verweisen. Dass eine so zerstrittene, unseriöse, peinliche Koalition für eine so positive Entwicklung verantwortlich sein soll, klingt pervers. Wir haben in Deutschland kein Einnahmeproblem, sondern ein Ausgabenproblem. Wenn wie in 2012 ein Steuereinnahmerekord von 680 Milliarden Euro haben und sich der Bund trotzdem netto mit 14 Milliarden Euro verschulden muss, dann ist das pervers. Wo bleibt das Sparprogramm? Ein Sparprogramm der Zukunft? Die Abschaffung des Solidaritätsbeitrages? Man hat bei vielen Politikern wie Bürgern den Eindruck, da wachse Geld auf den Bäumen! Es sei daher die Grundsatzfrage erhoben: Können Demokratien mit Geld umgehen? Ein perverses Phänomen. Wenn wir also all die Perversitäten auflisten, bis hin zum Papst-Rücktritt, so macht das den Abschied aus der Normalität deutlich. Das ist die eigentliche Wandlung!

Drum rat ich euch, ihr Jungen und Alten,
immer wieder am Humor festzuhalten.
Lacht oft auch ihr in eurem Autohaus,
die Welt und ihre Perversitäten aus.
Packt´s an, bleibt optimistisch, froh und heiter,
bekämpft den Branchenernst auch im Dialekt und Klartext weiter.
Jeder muss an etwas glauben,
und ich glaub,
wir sollten jetzt noch einen kräftig heben,
drum hebt des automobilen Aschermittwochs volle Mass,
das wünscht euch "HB ohne Filter",
Prost, das war´s!

Mit humorigen Grüßen und Wünschen aus Abensberg

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS

Automobiler Aschermittwoch 2013

 
 
 
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