HB ohne Filter vom 21. Mai 2010

Heute zu den Themen: Marktrealitäten, Neuwagen-Internet-Handel, Abmahnverhalten Deutsche Umwelthilfe, Fair-Play-Konzepte = Verlustmaximierung?, Finanzierung & Leasing im Autohaus: So funktioniert´s!

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17. Mai – Montag

Marktrealitäten. Von diversen Automobilhändlern höre ich, dass die Monate März und April vor allem im Gebrauchtwagenbereich wieder Freude gemacht haben. Es fehlten sogar vielfach gängige Gebrauchtwagen. Auch in Sachen Restwerte greifen diverse Stabilisatoren. Für die ersten vier Monate stellen sich im Gesamtergebnis Verkauf unter dem Strich nach und nach brauchbare Wertigkeiten ein. Natürlich ist zu differenzieren. Die Chrysler-Händler, die kommende Woche allesamt ihre Kündigungen erhalten werden, stehen vor neuen Fragen. Grundsätzlich wird nur der weiter im “Chrysler-Boot” sitzen, der Mitglied von “New Lancia-Jeep” werden will. Die “Smarties” stellen ihre Händler derzeit in Berlin im Großformat auf das “Smart-Elektro-Fahrzeug” 2011 ein. Audi führt den A1, Porsche den neuen Cayenne ein. Stellt man sich beim Vorgängermodell Porsche Cayenne Turbo den Vollgasverbrauch von 59 Liter vor, so hören sich 400 PS mit 10,5 Liter beim neuen Cayenne S Hybrid mehr als manierlich an. Überhaupt sollten die Fortschritte der Verbrauchswerte bei den Verbrennungsmotoren werblich viel markanter ins Bewusstsein gerückt werden. Auch in der Händlerwerbung! Der neue BMW 5er schluckt in der Dieselausgabe auf 100 km beispielsweise zwischen fünf und 6,5 Liter. Da hat sich etwas getan!

Angeblich werden im Verkauf auch bessere Preise erzielt. Wer allerdings die Werbeanzeigen analysiert, der staunt, wie kräftig die Umweltprämie nach wie vor tobt. Im Audi Zentrum Lübeck gibt es beispielsweise die Umweltprämie mit Vorzugspreisen bis zu 6.730 Euro. Andere nennen sie Effizienzprämie. Diese gibt es bei Audi in begrenzter Stückzahl. Damit verbunden ist auch die Inzahlungnahme eines Gebrauchtwagens, der älter als sieben Jahre ist. Opel, derzeit abermals massiv im Gespräch wegen einer deutschen Steuerzahlerunterstützung, schafft für Interessenten Sparmöglichkeiten in der Bandbreite zwischen 3.000 und 6.000 Euro. Das nennt sich dann “SmartBuy”-Angebot und ist eiskalt kalkuliert! Grenzenlos günstig ist die Opel Edition Corsa Eisenach. Noch immer fehlt dabei eine CD mit Musik vom größten Musiker aller Zeiten: dem Sohn Eisenachs, Johann Sebastian Bach! Und es kommt eben wie im wahren Leben immer wieder auf eine gute Musik an. Auch in der Werbung!

18. Mai – Dienstag

Neuwagen-Internet-Handel. Was die Branche im Bereich GW-Internet-Börsen kennt, wird nun im Neuwagenbereich und Service (inkl. Teile) Zug um Zug eine Fortsetzung finden. Onlineanbieter können über diesen Weg spürbar höhere Nachlässe einräumen, als die “Glaspalasthändler”. Wer da genauer hinschaut, stellt fest, dass viele Onlinehändler auch in der Lage sind, das jeweilige Wunschauto zu ordern. Und das quer über nahezu alle Marken! Ferrari wird wohl nicht dabei sein. Schauen sie mal bei neueren Internethändlern rein: eine Tochter der Sixt AG im Verbund mit AutoBild, Autohaus24, Netcar.de, Priceoptimizer.de, Carneoo.de, Meinauto.de. Sicher gibt es noch weitere. Wir kommen darauf im Detail zurück!

19. Mai – Mittwoch

Abmahnverhalten Deutsche Umwelthilfe. Die Seuche des Radolfzeller Verbraucherverbandes scheint immer weiter um sich zu greifen. AUTOHAUS hat mit dem DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch gesprochen. Der zeigt sich uneinsichtig, sieht die Abmahnaktionen nur als einen kleinen Teil der täglichen Arbeit. Klar, wenn man Dritte auf Raubrittertour schickt, mag das so sein. Wir bleiben in der Sache dran!

Tatsache ist, dass das Fehlen der Verbrauchs- und CO2-Angaben an Neu- und Vorführwagen ein eindeutiger Verstoß gegen die Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (Pkw-EnVKV) darstellt. Auch in Werbeanzeigen sind das Pflichtangaben, die selbst bei flüchtigem Lesen gut lesbar sein müssen. Was das auch immer heißt.

Zum richtigen Verhalten im Falle einer Abmahnung: Die strafbewehrte Unterlassungserklärung sollte zu keinem Zeitpunkt unterschrieben werden. Notfalls sollte es der Händler auf eine Klage ankommen lassen. Dann muss der Händler vor Gericht “nur” sein Fehlverhalten einräumen und die Kosten des Verfahrens tragen. Der DUH-Verbraucherverband, der sich vorwiegend aus Spenden “ernährt”, geht aber leer aus!

20. Mai – Donnerstag

Fair-Play-Konzepte = Verlustmaximierung? Auf der ersten gemeinsamen Tagung des Landesverbands Rheinland-Pfalz in Mainz referierte heute Rechtsanwalt und Schaden-Management-Experte Elmar Fuchs. Die einschlägigen Fair-Play-Konzepte, die teilweise ohne Mitwirken der Händlerschaft bei den Markenhändlern – allen voran Volkswagen im Verbund mit der Allianz – Einzug halten, wurde in seinen Ausführungen einer sehr kritischen Würdigung unterzogen. Auch die gezielte Schadensteuerung, die beispielsweise über die HUK-Coburg arrangiert werden und bei einem Karosserie-Stundenverrechnungssatz von 53 Euro enden, ist höchst fragwürdig. In einem BGH-Urteil vom 20. Oktober 2009 wird dieses Preisdumping ad absurdum gestellt. Jeder Experte weiß, dass ein Karosseriestundenansatz unter 68 Euro keinerlei Gewinne abwirft. Fuchs hatte für die Branche fünf Empfehlungen im Köcher: Ein Unfallschaden ist ein Kundenbindungsinstrument; Schadensteuerung ist Aufgabe des Reparaturbetriebes und nicht der Kfz-Versicherung; Der unabhängige Sachverständige ist Garant einer vollständigen Schadenregulierung; Der Unfallschaden ist ertragsstark; Intensivieren sie die Kooperation mit geeigneten Verkehrsrechtsanwälten; Kämpfen sie auch bei scheinbar geringen Kürzungen!

21. Mai – Freitag

Finanzierung & Leasing im Autohaus: So funktioniert´s! Das klassische Autohaus steht auf den drei Säulen Neuwagen, Gebrauchtwagen und Service. Das vierte Bein, Finanzdienstleistungen, gleicht in der Branche immer noch mehr einem verlängerten Verkaufsbein, statt einem selbständigen Bein mit voll ausgebildeter Muskulatur. Ein Hocker mit vier Beinen steht in jeder Hinsicht stabiler als einer auf drei Beinen. Es ist AUTOHAUS gelungen, das vierte Bein auf ein solides Fundament zu stellen.

Kein Geringerer, als der große Branchenexperte Andreas Finkenberg legt nun sein 110 Seiten starkes Buch zum Thema Finanzierung und Leasing vor. Der Fachmann zeigt dort die Grundlagen in einmaliger Praxisnähe auf. Eines der wichtigsten Kapitel etwa schafft Klarheit über die Ertragsquellen und zeigt auf, wie man den strategischen Einbezug in das Autohausmanagement erreicht. Ein weiteres Kapitel ist dem ungenutzten Potenzial bei der Kundenbindung gewidmet. Auch die Thematik Restwerte bzw. Restwertrisiken wird umfassend dargestellt. Finkenberg zur Zukunft des Automobilhandels: “Es gilt, die Profitabilität des Handels weiter zu verbessern. Im Durchschnitt sind die Margen nicht zufriedenstellend. Auf dieser Ertragsbasis kann man das Eigenkapital nicht stärken. Mein wichtigster Wunsch an die Hersteller: Bitte begreifen Sie doch, dass der Automobilhandel ihr erster Kunde ist. Und behandeln sie ihn so. Sie brauchen ihn, ohne ihn geht es nicht.”

Andreas Finkenberg wird auch als Referent an der AUTOAHUS-Sommerakademie am 25. Und 26. August 2010 in Kitzbühel mitwirken. Das Buch kann zum Preis von 35 Euro (zzgl. MWSt. und Versand) im AUTOHAUS-Verlag unter www.auto-business-shop.de bezogen werden.

Spruch der Woche:
“Der Erfolg eines Handelsbetriebs hängt vom Engagement und Geschick des freien Unternehmers ab und nicht von BMW.” (BMW-Konzernsprecher zur Mega-Pleite der AML-Gruppe und damit einer weiteren BMW-Pleite-Blamage)

Mit frohen und spirituellen Pfingstgrüßen!

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS

5 Reaktionen zu “HB ohne Filter vom 21. Mai 2010”

  1. Dieter M. Hölzel

    Das vierte Standbein Finanzdienstleistung muss von a l l e n Beteiligten v e r i n n e r l i c h t
    werden, sonst bleibt es ein verlängertes Standbein. Bei dem Thema, Versicherung im Kfz.-Be-
    trieb, würde sich so manche Thematik zur Schadensteuerung erübrigen, wenn der Verkauf sich
    diesem wichtigen Vertriebsweg überzeugend zuwendet,Kunden,die es übrigens erwarten,diesen
    optimalen S E R V I C E auch entsprechend anbieten. Dazu genügt es allerdings nicht, nur nach
    dem Beitrag der Vorversicherung zu fragen und ob es sich bei dem Vers.-Vertreter um einen
    Bekannten oder Freund handelt. Die Abwicklung im Schadenfall direkt im Kfz.-Betrieb sollte zu-
    erst oberste Priorität haben, über die hauseigene Versicherungs-Abteilung die ja nur die Inter-
    essen des Kunden vertritt den Unfallschaden abzuwickeln. Mit dem Abschluss über die hausei-
    gene Vers.-Abtlg. wird verhindert, dass Kunden eine Kfz.-Vers. bei solchen Versicherern zeich-
    nen, welche im Schadenfall dann in fremde Werkstätten steuern. Kfz.-Betriebe die dies schon
    lange tun, haben kein Problem mit Werkstattauslastung und Ersatzkauf. Allerdings ist bereits
    beim Autokauf dieses Service- und Verkaufsgespräch erforderlich, dies ist auch der einzige und
    wesentliche Zeitpunkt zu verhindern, dass Unfallschäden von fremden Versicherern vom Hof
    geholt werden. Kein Vers.-Makler oder Vers.-Vertreter ist in der Lage einen Unfallschaden
    schneller und besser abzuwickeln, als ein Kfz.-Betrieb mit einer professionellen Vers.-Abtlg. !!!
    In der Regel verfügen Kfz.-Betriebe über qualifizierte Vers.-Mitarbeiter, den Anstoss zum Ab-
    schluss mit dem Kunden, m u s s allerdings der Verkauf geben. Herstellerprogramme dazu
    unterstützen das Vers.-Geschäft erheblich, sodas eine Penetration von wenigstens 60% das
    unterste Ziel sein sollte. Auch im GW – Geschäft muss das umgesetzt werden, es sind Kunden
    die später einen Neuwagen kaufen, auch hier sollte die Quote nicht unter 50% liegen, auch wenn
    die Vermittlungsprovision nicht gerade üppig ist. Mit Kundenbindung über die Kfz.-Vers. sichern
    wir uns den Kunden, denn im Schadenfall kommt er dorthin, wo der Kunde sein Auto versichert
    hat, im Autohaus. Alle die damit zu tun haben wissen das, es muss nur auch gemacht werden!
    Niemanden will ich hiermit belehren, nur erinnern wollte ich daran, was seit Jahrzehnten im Kfz.-Gewerbe häufig einfach ” vergessen ” wird. Vers. ist erklärungsbedürftig, deshalb sollten
    wir es – i m e i g e n e n I n t e r e s s e – tun. Finanzdienstleistung Versicherung, das vierte
    Standbein.

  2. Autohaus Hengge

    Oh wie Recht hat BMW mit der Aussage, dass Engagement und Geschick des freien Unternehmers allein entscheiden über den Erfolg. Beim BMW Händlertreffen finden sich überraschend viele kleine BMW Händler und Servicebetriebe, die das letzte Jahr sehr erfolgreich abgeschlossen haben. Die großen Händler verlassen sich zu sehr auf die Prognosen und Vorraussagungen der Hersteller ohne Ihr eingenes Geschick und Knowhow einzusetzen.
    Einfach einen Betrieb nach dem anderen kaufen und auf Größe setzen ist kein Heilmittel. Die Verantwortlichen bei BMW haben das inzwischen auch schon realisiert und denken inzwischen wieder über sales light und die Stärkung der Service Standorte nach. Das war sicherlich nicht die letzte BMW Händlergruppe die insolvent geht, aber es kommt das bessere System nach mit Unterstützung von BMW. Gott sei Dank.

  3. Hans von Ohain

    Marktrealitäten
    Gerade die Handelsorganisationen, die im Bereich der Leasingrücläufer mit freiwilligen und zeitlich begrenzten Unterstützungsleistungen der Hersteller oder ihrer Finanzinstitute beglückt wurden, kann es bald hart treffen. Es mehren sich die Zeichen bei einigen Herstellern, hier von wiederkehrender Normalität zu reden. Damit werden dann im Übrigen auch wieder steigende Zulassungszahlen im Bereich der Werksdienstwagen und Mietwagen gerechtfertigt. Es hat keiner was dazugelernt.

    FairPlay
    Herr Brachat, vielleicht können Sie Ihrem Kollegen Walter K. Pfauntsch auch mal erläutern, wo die Interessen des Kfz-Gewerbes in der Schadenbearbeitung eigentlich liegen. Darüber hinaus sollte man doch auch erwähnen, dass bei einem Großteil des Gewerbes diese soganennten “FairPlay”-Konzepte unter aktiver Mitwirkung der Interessenverräter, Entschuldigung, Interessenvertreter, zustande gekommen sind (ZKF, Ford usw.).

  4. Rick Marlowe

    Spruch der Woche des BMW Sprechers.
    Meine Version:
    Der Erfolg des Händlerbetriebes hängt von dem Geschick und der Weisheit des Unternehmers ab, sich künftig nicht mehr für BMW und andere Hersteller, die dieses Auffassung vetreten zu engagieren, sondern seine Freiheit zu Nutzen um sich lukrativen Aktivitäten zuzuwenden.

  5. Heinrich Palitsch

    Möchte mal erinnern an 1971, als ich Geschäftsführer eines Renault-Autohauses in Hessen wurde: Alles exclusiv, stetiges Wachstum und der legändäre R 4 kostete damals 4.880 DM!
    Was haben sich die Zeiten geändert!

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