HB ohne Filter vom 23. Juli 2010

Heute zu den Themen: Deutsche Bildungspolitik, Der Brief im Internet – “E-Postbrief”, Fiat Strukturanpassungen, Renault- Kundenzufriedenheit.

Steigen Sie ein in die Diskussion! Am Ende des Beitrags finden Sie den Button “Kommentare”. Klicken Sie darauf und kommentieren Sie Prof. Brachats Kommentar.

19. Juli – Montag

Deutsche Bildungspolitik. Die Volksabstimmung in Hamburg um die Ausweitung der Primarschule von vier auf sechs Jahre rückt die deutsche Bildungspolitik ein weiteres Mal in die Öffentlichkeit. Übrigens gibt es die sechsjährige Grundschule bereits in Berlin. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Bildungspolitik ist in Deutschland Sache der Länder. Und die 16 Bundesländer huldigen in nichts dem Föderalismus so stark wie in ihrer Zuständigkeit für Bildung. Was da für die neun Millionen Schüler an 44.000 Schulen unter der Regie von 800.000 Lehrern herauskommt, sind über 1.000 unterschiedliche Lehrpläne und im internationalen Vergleich mehr als überschaubare Ergebnisse. Die Hochschulen mit 2,1 Millionen Studenten seien hier ausgeklammert, obwohl die Wandlung zu den Bachelor-Abschlüssen zur Stunde gleichermaßen kritisch zu würdigen ist. Oder man schaue sich die 100 verschiedenen Ausbildungswege zum Lehrer an. Da besteht offensichtlich heute noch keine Einigkeit darüber, was Lehrer können müssen. Und dieser Berufsgruppe ist viel Zukunft anvertraut.

Das Lernen findet nach Lehrplänen statt. Diese werden abgearbeitet. Das ist der Erfolgsmaßstab. Entscheidend ist aber doch die Frage, welche Inhalte sind in welchem Fach zu bilden? Dazu gilt es ein Fundament zu legen und Neugierde zu wecken. Inhaltlich geht es um politisches, historisches, geografisches, aber auch um ökonomisches Wissen, nachdem immer mehr Lebensbereiche von ökonomischen Prinzipien geprägt werden. Die Ökonomie steht bei den Philologen immer noch unter dem Verdacht der direkten Einflussnahme der Wirtschaft.

Heute kommen die Kinder vielfach mit Arbeitsblättern nach Hause und die “Alten”, Oma oder Opa, müssen dann erklären, worum es eigentlich geht. Das gab es bei uns früher nicht. Da wurde der Großteil in der Schule gelernt und geübt. Heute wird behauptet, dass die Leistungen nicht abfallen. Kein Wunder, einige Eltern büffeln ja zu Hause mit den Kindern. Da sind all jene Kinder benachteiligt, deren Eltern auf Arbeit sind. Das Auseinandertriften von Arm und Reich, von Bildungsgewinnern und Bildungsverlierern muss dringend angegangen werden.

Die Primäranstrengung zur besseren Bildung liegt in der Verbesserung der Lehrerpotenziale. Da sollte die Fortbildungspflicht selbstredend sein. Bei 72 Tage Urlaub ließe sich das einrichten. Zur Stunde gilt das Wirk-Prinzip Verantwortungslosigkeit. Kein Lehrer ist schuld, wenn seine Schüler nichts lernen. Wenn am Schuljahresende in einer Klasse von 31 Schülern elf das Klassenziel nicht erreichen, dann sollte das seitens der betroffenen Lehrer, der Schulleitung wie Schüler sehr ernsthaft hinterfragt werden. Wer diese Woche am Mittwochabend die ARD-Dokumentation “Kampf im Klassenzimmer” gesehen hat, ist geschockt über das, was hier als Alltag an der Hauptschule Karnap in Essen aufgezeigt wurde. Deutsche Schüler werden von Ausländern verprügelt, beleidigt, bedroht und als “Nazis” beschimpft. Da gibt es gleichermaßen die umgedrehten Beispiele. Beides will uns etwas sagen. Wer sich die Tatsache vor Augen hält, dass 70 Prozent in Berlins Hauptschulen die Minimalanforderungen für Lesen und Rechnen nicht erfüllen, wundert sich nicht, weshalb mehr und mehr Hauptschulabgänger nicht ausbildungsfähig ist. Von ausbildungswillig ganz zu schweigen. Angesichts des gegebenen demografischen Faktors haben wir uns im Kfz-Gewerbe zu fragen, aus welchen Quellen wir zukünftig unseren Nachwuchs rekrutieren wollen.

Man trägt als Elternteil stets zwei Seelen in seiner Brust. Zum einen will man den Kindern und Jugendlichen viel Zeit geben, um miteinander und voneinander zu lernen, heranzureifen, Kind sein und jung sein bewusst zu erleben. Umgekehrt ist Leistung per se nichts Schlechtes. Es stellt sich die Frage, ob das einzelne Kind für sich, entsprechend seinen Fähigkeiten, genug lernt. Also muss geklärt werden, wozu Bildung dienen soll. Was ist unserer Gesellschaft wichtig? Man sollte also weniger darüber sprechen, wie lange Kinder oder Jugendliche eine Schule besuchen als viel mehr über die Bildungsinhalte. Leider muss festgestellt werden, dass die bildungspolitische Vielfalt der Länder wenig Nutzen abwirft. Wettbewerb belebt das Geschäft. Leider nicht in der Kultusbürokratie! Es sollten daher die national relevanten Bildungsfragen unter bundespolitische Federführung gestellt werden. Die Herausforderung bleibt: Die deutschen Schulen müssen sich verändern!

21. Juli – Mittwoch

Der Brief im Internet – “E-Postbrief”. Wer wird schon Steuerbescheide, Versicherungspolicen, Kontoauszüge, Verträge per E-Mail verschicken? Pro Jahr werden in Deutschland 17,5 Milliarden Briefe versandt. Gut drei Viertel können langfristig auf digitalem Weg zugestellt werden. Die Regierung will noch 2010 ein Gesetz verabschieden, wonach digitale Dokumente künftig rechtskräftig sind. Es wird dann beispielsweise die elektronische Post für Empfänger ohne Netzzugang in der Post vor Ort ausgedruckt, kuvertiert und traditionell zugestellt. Vom zukünftigen elektronischen Briefkasten können Mitteilungen abgeschickt und abgeholt werden. Die Post geht nun als erster Anbieter ins Rennen. Der Wettbewerber De-Mail (Telekom, GMX, Web.de) wird folgen. Die Post hat den ADAC, DFB oder die Allianz bereits unter Vertrag. Letztlich geht der neue digitale Weg auf Dauer zu Lasten der 80.000 Briefträger. Das sind Wandlungen!

22. Juli – Donnerstag

Fiat Strukturanpassungen. Im April 2010 kündigte Fiat-Konzernchef Sergio Marchionne die Expansionsstrategie im Verbund der 20-Prozent-Beteiligung an Chrysler an. Alfa Romeo wird neu positioniert. Lancia soll durch die Verschmelzung mit Chrysler zum Vollsortimenter werden. Die Marke Chrysler wird aus Europa – Ausnahme England – verschwinden. Jeep wird als eigenständige Marke fortgeführt. Hinzu kommt für den Konzern strategisch die internationale Expansion in die künftigen Wachstumsmärkte. Fiat nimmt inzwischen den dritten Anlauf in China.

Diese Woche kündigte der Konzernchef die getrennte Marschroute der Autosparte von seinen Töchtern an, also Abspaltung von Landmaschinen CNH (Case New Holland), Baumaschinen und Lkw mit der Marke Iveco. Damit wird im Fiat- Mischkonzern höhere Transparenz erreicht. Man kann das aber auch so sehen: Der Pkw-Sektor ist nach wie vor eine “grande” Baustelle. Wird Marchionnes Zielsetzung, 2014 mit Fiat-Chrysler unter den Top 10 der Autohersteller mit sechs Millionen Einheiten den Platz sechs einzunehmen, verfehlt, bekämen Fiats Töchter markante Probleme. Umgekehrt, müsste sich Fiat eines Tages von seiner Pkw-Sparte lösen, bliebe der Industriekonzernanteil erhalten.

Es sei an dieser Stelle aktuell erwähnt, dass in der neuesten “Auto Bild” die Marke Fiat von allen Marken in Deutschland die schlechteste Qualitätsnote erhielt. Da ist zu lesen: Musterknabe in Sachen Langzeitqualität wird Fiat wohl nicht mehr. Positive Ansätze (Dauertest, Kummerkasten) sind da. Fazit: Bei Fiat gilt es auch hausintern noch einige grundsätzliche Hausaufgaben zu erledigen.

23. Juli – Freitag

Renault- Kundenzufriedenheit. Eine hohe Kundenzufriedenheit ist gewichtiges Unternehmensziel. Kundenzufriedenheit ist aber nicht gleichzusetzen mit wirtschaftlichem Erfolg. Dieser stellt sich erst dann ein, wenn zufriedene Kunden zu loyalen Kunden werden und sich eine langfristige Beziehung zwischen Kunden und Unternehmen entwickelt. Wir halten fest, dass erhobene Zufriedenheitswerte die subjektive Sicht der Kunden wiedergibt, die objektiv sich häufig ganz anders darstellt. Jetzt werden die Subjektivitätsgrade abgefragt mit Qualifizierungen wie “vollkommen zufrieden”, “sehr zufrieden”, “zufrieden” etc. Renault hat nun auf Drängen der Händler die Befragungsmethodik geändert. Man hatte zwar nicht den Mut, die Loyalität zu messen, sondern trennt nun zwischen “Weiterempfehlung: ja, sicher” und “Weiterempfehlung: ja, wahrscheinlich”. Entweder oder! Spricht ein Kunde “ja, wahrscheinlich” als Empfehlung aus, fragt Renault nach den Gründen der subjektiven Zurückhaltung. Im monatlichen Händlerbericht kann man dann die Kundenaussagen lesen. Da ist dann zu lesen, dass einem Kunden nichts einfällt, weshalb er den Händler nicht weiterempfehlen kann. Ein anderer Kunde stellt sich die Grundsatzfrage, ob er überhaupt eine Weiterempfehlung geben könne, nachdem er doch gar nicht wisse, ob ein „Freund“ auch wirklich die Weiterempfehlung annehme. Und derartige Negativaussagen sind dann margenrelevant. Wer hat endlich den Mut und geht gegen derartigen Unsinn juristisch vor?

Spruch der Woche:
“Inspiration kommt meist während der Arbeit, nicht vorher.”  (Madeleine L´Engle)

Mit meinen besten Grüßen und Wünschen

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS

11 Reaktionen zu “HB ohne Filter vom 23. Juli 2010”

  1. E. Kühlwetter (wallibelli)

    Re: Renault Kundenzufriedenheit.
    Wenn die Empfehlerbereitschaft tatsächlich so hoch wäre, wie von vielen Herstellern in ihren Kundenzufriedenheitsbefragungen ausgewiesen, dürfte es keine Absatzprobleme für Handel und Hersteller in Deutschland geben.

    Methodisch ist die Frage nach der Empfehlungsbeitschaft schon in Zweifel zu ziehen. Man muß nämlich zwischen aktiver und passiver Empfehlung unterscheiden.

    Die beste Form der Empfehlung ist die aktive, die vorbehaltlos aus Überzeugung geäußerte Weiterempfehlung auch wenn man nicht danach gefragt wird. Also die klassische positive Mundpropaganda. Die stellt sich nur ein, wenn die Kundenerwartungen übertroffen bzw. weit übertroffen werden. Dahinter steht ein begeisterter, enthusiasitscher Kunde. Man kann auch sagen ein Promotor oder Fan. (klassisches Promotoren bzw. Fans sind die Teilnehmer des jährlichen GTI-Treffens am Wörther See. Nicht ohne Grund hofíeren seit einigen Jahren sogar Prof. Winterkorn, Entwicklungschef Hackenberg und F. Piech die Teilnehmer dort persönlich).

    Diese Kundengruppe hat in jüngerer Vergangenheit enorm an Bedeutung gewonnen. Weil Menschen ihnen inzwischen mehr vertrauen als jeder Absenderkomunikation und -werbung.

    Darunter steht der passive Empfehler, der auf Anfrage mehr oder weniger überzeugend eine Empfehlung ausspricht. Auf jeden Fall müssen die Kundenerwartungen des Empfehlers voll erfüllt sein, damit er sich überhaupt in dieser Hinsicht positiv äußert. Da der Empfehler die Erwartungen des Fragenden oft nicht einschätzen kann, sind Empfehlungen vielfach mit Einschränkungen verbunden oder nur auf die eigenen Erfahrungen beschränkt. “Ich für meinen Teil habe gute Erfahrungen gemacht.”

    Das Thema Kundenempfehlungen wird immer wichtiger, ist aber schwer greif- und messbar. Noch am besten hat sich die Abfrage des “Net promotor score” nach Fred Reichelt bewährt. Indem man dem Kunden nur mit einer einizigen Frage konfrontiert:

    “Empfehlen sie aktiv also selbsttätig die Leistungen /Produkte des Unterhemens XY uneingeschränkt ihren Verwandten, Bekannten, Freunden, Kollegen und Geschäftspartnern weiter ?”

    Die Zeitspanne bis zur Antwort, die Eindeutigkeit und Klarheit der Antwort haben sich in empirischen Untersuchungen auch im Langzeitvergleich als am stärksten korrelierend mit dem tatsächlichen Kundenverhalten herausgestellt.

  2. Lars Wassenaar

    Re: Kundenzufriedenheit
    …Wir halten fest, dass erhobene Zufriedenheitswerte die subjektive Sicht der Kunden wiedergibt, die objektiv sich häufig ganz anders darstellt. Jetzt werden die Subjektivitätsgrade abgefragt mit Qualifizierungen wie “vollkommen zufrieden”, “sehr zufrieden”, “zufrieden” …

    Aus 15jähriger “Fronterfahrung” bei Opel kann ich noch heute über diese Kundenfragebögen immer nur den Kopf schütteln.
    1. Nicht jeder Kunde füllt diesen Bogen aus
    2. zu 80% füllt diese Bögen der Händler aus, während der Kunde einen Ölwechsel kostenlos bekommt, damit auch ja alles richtig angekreuzt wird – den der Fragebogen ist margenrelevant (gewesen?)
    3. Dank der gewollten äußerst-super-duper-toll übertriebenen Bewertungskriterien, die eher an das Dieter-Bohlen Nievau bei DSDS erinnern, als an einen seriösen Autohersteller, kommt es vermehrt vor, daß der Kunde zufrieden oder sehr zufrieden ankreuzt … ganz einfach, weil er es ist ! Was will er denn mehr ?

    Ich schließe mich uneingeschränkt wallibelli in Bezug auf die Mundpropaganda an. Wenn meine Kunden in privaten, ungezwungenen Gesprächen andere Menschen darauf hinweisen, daß sie 15 Jahre bei Opel mit mir zufrieden waren und immer alles funktioniert hat und sie diesen Menschen nur raten können, sich jetzt an mich in der neuen Firma zu wenden, weil es eben immer noch funktioniert, dann habe ich gewonnen – nicht mit einer statistischen 93% “Äußerst Zufrieden” Quote. Davon kann ich mir kein Brot kaufen.
    Und die sich bauchtätschelnden Statistiker bei Opel schenken es mir deshalb auch nicht.
    Habe die Ehre.

  3. Peter Meier

    Fiat/ Chrysler- Lancia: Das nackte Grausen. Es ist unglaublich was hier geschieht. 23 Jahre Markenaufbau Chrysler in Europa und jetzt einfach gelöscht. Glaubt irgend jemand ernsthaft daran das ein Amerika Fan einen Lancia kaufen wird? Es geht nur darum die italienischen Marken so günstig wie möglich zum Vollsortimenter zu machen. Die meistverkauften Fahrzeuge eines Chrysler Händlers sind Dodge Modelle die komplett verschwinden oder zu Fiat wandern und auch dort vertrieben werden. Der Rest wird Lancia, furchtbar. Ob Jeep jemals wieder an vergangene Erfolge anknüpfen kann ist höchst fraglich. Im Grunde genmmen dürfte kein Chrysler Händler einen Lancia Vertrag unterschreiben und das Europaweit.

  4. Wilfried Lausecker

    Zur Bildungspolitik ist anzumerken:
    Nicht die Zahl derjenigen, die das Klassenziel nicht erreichten, oder die Anzahl der Abiturienten ist massgebend. Entscheidend ist, was der Schüler kann, wenn er die Schule verlässt. Und da gibt es nur eines: Zum gleichen Zeitpunkt in ganz Deutschland dieselben Arbeiten schreiben und anhand dieser Ergebnisse die Lehrer- nicht die Schüler bewerten- und dann die Konsequenzen ziehen!!
    Im Endeffekt bedeutet das, Lehrer aus der Schule zu entfernen, deren Schüler das geforderte Wissen nicht abrufen können. Und vielleicht hilft es auch, die Abiturientenschwemme einzudämmen.
    Zu meiner Zeit- Jahrgang 1953 – sind von 40 Grundschülern 2 auf das Gymnasium gegangen- ich war einer davon- aber trotzdem habe ich mich auch dort quälen müssen. Inflation bedeutet immer Qualitätsverschlechterung.
    Aber da der Bundestag mal voller oder leerer- aber immer voller Lehrer ist- kann nur eine Revolution helfen

  5. Dieter M. Hölzel

    Vom Studium zur Vorstellung – Bewerbung wird gefragt in welchem Bundesland studiert, sagen Bewerber Bayern werden sie genommen, aus anderen Bundesländern eher nicht, aus ganz
    anderen gleich gar nicht. Da gibt es nur eines, alle haben sich Bayern anzupassen und überall
    werden zur gleichen Zeit die gleichen Arbeiten geschrieben. Eliten braucht das Land und nicht
    sozialistische Gleichmacherei,die haben wir schon im Überfluss in der Politik und vielen Parteien.
    Bewerbungen deutscher Studienabgänger weltweit haben das gezeigt, Bayern ist Nr. 1 !!!
    Wo kostruktive Fantasie gefragt ist, fällt den heutigen Politleuten immer nur Erhöhung der Bei-
    träge ein, etwas primitiv für solch hochbezahlte Abgeordnete – Minister und Kanzler, oder halt
    Kürzung beim Volk, aber in der freien Wirtschaft braucht man halt dann doch gescheite Leute!

  6. A. Aslau

    Re: Kundenzufriedenheit

    Es sollte in diesem Zusammenhang auch noch darauf hingewiesen werden, wie viele der Kunden sich sowohl über die telefonischen Befragungsmethoden, als auch über die zugesandten Auskunfts-”BÜCHER” anschließend beim Händler/Verkäufer beschweren.

    Erst letzte Woche habe ich veranlasst, dass eine ältere Dame (Auslieferung Neufahrzueg Februar) KEINE weiteren Erinnerungen/”Mahnungen” bekommt, weil der unglaubliche aufwändige Fragebogen immer noch nicht ausgefüllt wurde. Das war schon die dritte Zusendung.
    Eine komplette Bearbeitung vorausgesetzt, hätte man für diesen Bogen mindestens 1 1/2 Stunden benötigt. Nettoeinkommen, Alter der Personen im Haushalt, genaue Tätigkeit – was glauben die Hersteller mitlerweile, wer sie sind ?

    Auch zu den telefonischen Anfragen gibt es viele, viele Rückläufe.
    Zum einen zu der unglaublichen Hartnäckigkeit (6-8 Versuche an aufeinander folgenden Werktagen sind wohl normal) und zweitens zu der von Herrn Brachat kritisierten Fragestellung.

    Wie oft schon hat ein Kunde verlauten lassen, dass es für Ihn nur die Definition “zufrieden” oder “unzufrieden” gibt.
    Bei Renault gibt es nach “sehr zufrieden” jedoch als zweite Option nur ein “eher (un-)zufrieden” in den alten Befragungen – nun gut, man hat mit der Frage nach einer Weiterempfehlung anscheinend ja nun das Ei des Kolumbus gefunden.

    Ansonsten müßte man ja auch die Notwendigkeit der eingeschalteten Werbeagenturen, Call-Center und Statistiken in Frage stellen – und das will doch niemand.

    Einen schönen Fall hatte ich jetzt auch:
    Kunden kaufen, Ehefrau wird telefonisch vom Hersteller nach Zufriedenheit befragt. Sie gibt kein “sehr zufrieden” ab, kann aber auf Nachfrage keine Verbesserungsvorschläge machen oder negative Erlebnisse schildern.
    Zufriedenheitsquote für den Monat im A….
    Zwei Wochen später treffe ich den Ehemann beim einkaufen und frage auch ihn nach seiner Zufriedenheit. “Alles super” lautet die Antwort. Ich hake nach: “Und Ihre Frau ?” Antwort: “Die hat das Auto krankheitsbedingt noch nicht einmal gefahren, aber die findet ihn auch toll”.

    Danke für diese tollen, margenrelevanten und realitätsnahen Umfrageergenisse.

  7. Karl Schuler

    Der Kunde möchte vernünftig bedient werden, wenn er beim Händler ein Auto kauft. Wer zwischendurch bei der Inspektion das neueste oder nächsthöhere Modell fahren darf, wird sich daran erinnern und den Händler weiterempfehlen.

    Die telefonischen und schriftlichen Nachfragen aller Hersteller stören den Kunden – und sind somit herausgeschmissenes Geld!

  8. H.v. Bödefeld

    Da fehlen einem die Worte. Kann man eigentlich heute noch irgendjemand glauben?
    Der Hersteller knallt mit Sektkorken und der Händler muss schauen wie er seine Gehälter zahlen kann. Ohne Worte…..

    Daimler setzt sich neues Milliardenziel
    Daimler fährt wieder Vollgas. Nach einem kräftigen Gewinnsprung im zweiten Quartal hat der Autobauer seine Ziele deutlich angehoben: Einen operativen Gewinn von sechs Milliarden Euro will Konzernlenker Dieter Zetsche in diesem Jahr einfahren. “Unsere Strategie zahlt sich aus”, sagte der Manager am Dienstag in Stuttgart. “Wir haben in allen Geschäftsfeldern beim Umsatz und Absatz eine sehr dynamische Entwicklung.”

  9. Eugen Thoma

    Fiat-Chrysler–Dodge-Lancia-Alfa Romeo-Maserati-Ferrari
    Dies alles ist dem Herrn Marchionne so wurscht wie einem Ostfriesen das letzte Gewitter in den
    Alpen. Der Herr ist ein Erbsenzähler, quartalszahlengeil und kann den Machiavelli auswendig!
    Kunden haben Wünsche und diese Wünsche stören seiner Meinung nach den Betriebsablauf.
    Jeder Händler der dabeibleiben (muss) ist schon jetzt zu bedauern. Tradition gilt nichts, siehe
    z.B. die komische 100-Jahrfeier von Alfa Romeo in Mailand. Lancia wird reines Badge-Engineering,
    Alfa wird zwischen Fiat und Lancia aufgerieben und verbluten. Maserati wird auf Teufel komm raus
    zum zivilen Ferrari gedrängt und Ferrari selbst steht für die inflationären Neureichen.
    Herr Marchionne will den Konzern teilen, um so mit der Umstrukturierung die einzelnen Geschäftsjahre weniger gut vergleichbar zu machen und zudem mit dem Cash aus dem Börsengang den Altaktionären die “bitteren Jahre” versüssen (damit Ruhe im Karton bleibt)

  10. Udet Knoll

    Ich galube das ich allen Händlerkollegen aus dem Herzen spreche wenn ich sage das
    diese Kundenbefragung doch nur dem einen Ziel dient und zwar die Händler zu beuteln
    und zu knebeln!
    Da an diese Befragungen immer eine ART Bonusprogramm gekoppelt ist,
    versucht man natürlich immer bestmöglich abzuschneiden.
    Da aber über die Art und Weise der Befragung, nicht wirklich das Vertrauen und
    die Zufriedenheit,des Kunden ermittelt werden kann, sollte man doch
    lieber den Wasserkopf der durch diese Callcenter entstanden ist abschlagen und
    die Werkstätten wieder das machen lassen wofür sie eigentlich gedacht sind,
    nämlich Autos zu reparieren!
    Wenn ich mir überlege wieviel Zeit für die Verwaltung und Pflege der gesammelten
    Daten drauf geht,so ist es doch nicht verwunderlich das die Stundenverrechnungssätze
    in den letzten Jahren explodiert sind.
    Statistisch gesehen kommen auf eine produktive Kraft nun mehr 1,5 unproduktive!
    Das ist doch Wahnsinn und dem Kunden gegenüber kaum noch zu vertretten.
    Da diese Standarts aber von den Herstellern gefordert werden,kann man sich
    als Vertragshändler kaum dagegen wehren.
    So wird der Verwaltungsapperat künstlich von den Herstellern verkompliziert
    damit man so oft und soviel wie möglich auf den Kosten sitzen bleibt.
    Garantien und Kulanzen werden solang verschleppt bis sie abgelehnt werden.
    So soll mann zufrieden Kunden Haben?!
    Ersatzteile werden nicht pünktlich geliefert!
    Wie soll man da Termiene vereinbaren????!!!
    Nun ja was solls,im Endeffekt bleibt ein nichts anderes über als den Vertrag zu
    kündigen und Freier Händler zu werden um aus dem Karussel zu kommen!

  11. T. Meier

    Die Kundenbefragungen sind imho unnötig wie ein Kropf, da sie den Kunden stören und sowieso nicht wirklich die Wahrheit gesprochen wird. wer möchte schon in der Freizeit gwerbliche Nachfragen erhalten? Ich kann darauf gerne verzichten und habe auch keine Bereitschaft, Info zu geben.
    Die Zufriedenheit wird anders erreicht, da helfen alle Statistiken nicht weiter.
    @Hr. Knoll: Richtig, warum noch die Knebelung vom HErsteller mitmachen. Sie werden es erst dann begreifen, wenn keiner mehr bereit ist, diesen Zirkus mitzumachen. Dies scheint im Moment aber noch oft genug der Fall zu sein.
    Beste Grüße

Einen Kommentar schreiben