HB ohne Filter vom 25. November 2011

Heute mit den Themen: Automobile Herbstbotschaften, Dieter Althaus in Geislingen, Alle Jahre wieder – Marktausschöpfung, Freier Werkstattzutritt für den Kunden.

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21. November – Montag

Automobile Herbstbotschaften. Zwei Dinge stehen derzeit im Anzeigenblätterwald im Fokus: 1. Die neuen Modelle. 2. Rabattdimensionen bei Dienst-, Vorführwagen und Kurzulassungen. Dudenhöffer kriegt dabei sicher leuchtende Augen. Neu: der Audi Q3. Die urbane Sportlichkeit dieser Gelände-SUVs läuft im Jugendjargon unter “Hausfrauen-Panzer”. Audi erweitert die Kampagnen vom A1 bis Q5 mit einer “Sofort-Start-Prämie”, die der einzelne Händler individuell eingeben kann. Das Audi Zentrum Hannover ist dann beim Audi A6 Avant mit 9.585 Euro “Sofort-Start-Prämie” dabei. Daimler feierte am Samstag, den 19. November: “Ein Großer Tag. Zwei große Modelle”. Die neue B- und M-Klasse. Die B-Klasse – der eigentliche Nachfolger der A-Klasse – ist das ideale Familienauto für den Alltag. Die Präsentation wurde mit einem großen Probefahrtevent kombiniert.

VW schickt nun den neuen Up ins Rennen. Offensichtlich spielt die “Fair Pay Versicherung” eine neue Rolle. All-Inklusive-Schutz für kleines Geld! Der neue Up kostet als Vollkaskovariante ab 9,90 Euro pro Monat. Der Hauspreis für den 60 PS-ler liegt bei 9.999 Euro, 48 Monatsraten à 77,20 Euro. “Up to date” bis 30. November 2011.

Toyota wartet mit dem neuen Yaris auf, Citroen mit dem C4, Kia mit dem Picanto und Suzuki mit dem Swift. Da heißt es dann bei Suzuki: “Mehr Wagen – ohne Mehrwertsteuer”. Skoda macht da gleich mit: “Auf alle Tageszulassungen erstatten wir Ihnen die 19 Prozent Mehrwertsteuer von der UPE und schenken Ihnen dazu einen Satz Winterräder!”

Die Feser-Gruppe bietet beim Golf Style (122 PS) bis zu 20 Prozent Nachlass auf die UPE. Renault-Händler König in Berlin – originell: “Renault Mégane oder Renault Kangoo, Barpreis 11.111 Euro. Nur bis 11.11.11.” Bei Opel gibt es derzeit Eco-Aktionswochen: Null Anzahlung, null Zinsen, Prämie on top! Bei einem anderen Opel-Händler gibt es noch als Geschenk 600 Euro Weihnachtsgeld! BMW: Ein-Prozent-Leasing für sofort verfügbare BMW 3er. Volvo macht Kunden glücklich! Es wird mit dem ersten Platz bei J. D. Power geworben. Das Skoda-Autoforum in Dortmund veranstaltet zum ersten Geburtstag nicht nur ein großes Feuerwerk, sondern offeriert zum Geburtstag Service-Nachlässe: Fünf Prozent plus Fahrzeugalter! Das wird der heisseste Winter, kündigt die Röllgruppe an. Heisse Preise bei Tageszulassungen. So rettet Dello Ihren Euro! Statt langer Debatten – kurzerhand Preise gesenkt! Die Renault-Niederlassung in Hamburg schlägt mit einem Dienstwagen-Abverkauf – Verkaufsoffener Sonntag am Nedderfeld – mit bis zu 42 Prozent Rabatt zu. KADEA vergoldet den Alten! Mit 5.000 Euro über DAT. Hammerharte Herbstangebote gibt es bei Ford Gerstmann mit Flat für Gebrauchtwagen. Diese wird mit einem Wartungspaket kombiniert: 3 x Jahresinspektion mit Ölwechsel, 1 x HU/AU, 1 x Bremsflüssigkeitswechsel, 1 x Klimawartung, 1 x Korrosionsschutzkontrolle. Fazit: Ein farbiger Schleuderherbst!

23. November – Mittwoch

Dieter Althaus, Ministerpräsident a.D., in Geislingen. Auch ein Hochschullehrer erlebt gelegentlich sein Paradies auf Erden. Der heutige Tag gehört dieser Erlebnistiefe. Ich hatte den früheren Ministerpräsidenten von Thüringen bei der IAA zu einem Vortrag an die Hochschule in Geislingen eingeladen. Er sagte spontan zu. Und er kam! Dieter Althaus steht die Stadt Eisenach sehr nahe. Hier die Geburtsstätte des größten Musikers aller Zeiten, J.S.Bach, die Wartburg, der BMW „Dixi“, der automobile “Wartburg” zu DDR-Zeiten, das klare Ja von Opel zu Eisenach und der weit gediehene Opel-Verkauf an Magna 2009. Althaus ist darüber hinaus selbst Pianist und Bach-Fan. So  haben wir ihn an der Hochschule mit dem John Lennon-Song “Imagine” empfangen. “Bach meets the Beatles” heißt die sensationelle CD, auf der John Bayless im Stile Bachs über Beatles-Songs improvisiert. Althaus hatte seine Freude daran.

“Freiheit und Mobilität sind zwei Seiten ein und derselben Medaille.”

Dieter Althaus war zum gestellten Thema “Sind Automobilwirtschaft und Politik feindliche Brüder?” mit beeindruckenden Charts bestens präpariert und mental sehr gut drauf. Althaus, seit 2009 als Vice President Governental Affairs bei Magna Europa tätig: “Wir hatten in der früheren DDR vor lauter Planung und Lenkung förmlich ausgelenkt. Es fehlte der Wettbewerb. Ideen lassen sich nicht planen. Ideen muss man fördern! Das erfordert Freiheit. Und der Tugend der Freiheit galt unsere größte Sehnsucht. Wer aber Freiheit wirklich leben möchte, braucht dazu Mobilität. Und nach Grenzöffnung gab es für den Normalbürger nur einen sichtbaren Ausdruck für Freiheit: ein Westauto! Das Auto als Ausdruck besonderer Individualität. Ich hatte zu dieser Zeit schon einen Wartburg geordert. Er sollte dann 1996 geliefert werden. Daraus wurde Gott sei Dank nichts mehr.”

Althaus angesprochen auf die offenen Fragen der Wiedervereinigung: „Ich wünschte mir gegenseitig größeren Respekt für die individuelle Lebensgeschichte des Einzelnen. Für die meisten war die politische Gegebenheit in der DDR eine Konstante, die nicht beeinflussbar war. Sehr viele Menschen hatten sich mit ihrem Schicksal dieser Tatsache zu beugen. Sie sind an vielen Fehlentwicklungen gar nicht schuld. Mangelnde Sensibilität für dieses Faktum führt beim Einzelnen zu einer persönlicher Kränkung.“

Althaus spann dann einen Bogen über Magna und die Welt der Zulieferer: “Die Automobilzulieferindustrie setzt auf Technologieentwicklung, Vernetzung, Schnelligkeit und Qualität.” Ein weiterer Themenkomplex galt der Globalisierung, den gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen in der Welt, und daraus leitete Althaus seinen ordoliberalen Politikansatz für die Wirtschaft ab (Siehe Ludwig Erhards Aussage, als Spruch der Woche unten). Der Gast wurde in der vollbesetzten Aula der Hochschule mit langanhaltendem Applaus bedacht und stellte sich anschließend im persönlichen Dialog den Fragen der Studenten und Studentinnen. Althaus, heute 53 Jahre alt, studierte theoretische Physik, unterrichtete Physik, wurde unmittelbar nach Grenzöffnung Schulrat, erhielt ein Landtagsmandat angeboten, war im Kabinett von  Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel acht Jahre lang Kultusminister und anschließend sechs Jahre lang erfolgreicher Ministerpräsident. Hört man ihn von seiner jetzigen Tätigkeit reden, staunt man, wie rasch er sich in die automobile Detailwelt und die sensiblen Verwobenheiten eingearbeitet hat. Mit großem Engagement baut er im Lande wie international Produktionsbrücken auf. VDA-Präsident Matthias Wissmann feierte im April seinen 60. Geburtstag. Man kann sich Dieter Althaus bereits als künftigen Nachfolger am Tage X vorstellen! Da sagte mir unlängst ein hochrangiger ehemaliger Daimler-Manager: “Herr Brachat, wenn ich gewusst hätte, wie schön der Ruhestand ist, wäre ich schon viel früher gegangen. Der Ruhestand ist die schönste Entdeckung in meinem Leben. Allerdings, unter einer Voraussetzung: Man muss sich nicht einschränken.” Ein hoch auf die Daimler-Betriebsrente! Wie lange die wohl noch so sozial bleiben kann?

24. November – Donnerstag

Alle Jahre wieder – Marktausschöpfung. Unser aller und größter Feind ist die Gewohnheit. Man nimmt verschiedene Dinge nicht mehr bewusst wahr. Bald fällt der erste Schnee. Wie winterfit macht der Kunde sein Auto – oder wir für ihn? Sind zur Stunde die Winterreifen alle montiert? Sowohl in den Tageszeitungen wie in den Auto-Zeitungen wird der Räderwechsel in Eigenregie erklärt, um nicht zu sagen empfohlen. Öffentliche Verbraucherpolitik! Man muss beim privaten Reifenwechsel darauf achten, dass das Auto auf einem ebenen, stabilen Untergrund steht und der Wagenheber an der richtigen Stelle angesetzt wird. Nach 100 Kilometer spätestens sollten die Schrauben nochmals nachgezogen werden. Wer tut´s? Ich habe mir diese Woche bei Berner in Künzelsau einmal die Qualitätsabteilung zeigen lassen. Dort sind sieben Mitarbeiter mit der Eingangskontrolle bzw. Qualitätskontrolle der Ware beschäftigt. Ich habe mir zeigen lassen, wie die Kalibrierung bei einem Drehmomentschlüssel auf mögliche Differenzen überprüft wird. Dazu gibt es eine separate Maschine, in der das mit unterschiedlichen Intensitätsgraden gecheckt wird. Wichtig bei der Reifenmontage ist doch, dass jede Radmutter mit der gleichen Intensität festgezogen wird. Nur das schafft absolute Sicherheit. Und das gelingt in der gewünschten Präzision nur mit einem Drehmomentschlüssel. Wer “verkauft” das seinem Reifenkunden? Für die Fachleute ist das klar. Dem Kunden aber nicht.

Qualitätskontrolle bei Berner (Bild zum Vergrößern anklicken)

Liegen praxisgerechte, stabile Eiskratzer zum Verkauf aus? Die 0815-Plastik-Parkscheiben haben ab einer gewissen Eisschicht wirklich ihre Grenzen. Wo bleibt der handliche Schneebesen, wo dicke Handschuhe zur Schneeentfernung? Wo steht das Enteiserspray um dick zugefrorene Scheiben zu “öffnen”? Wo bleibt die alubeschichtete Abdeckung für die Windschutzscheibe, damit das morgendliche Enteisen entfällt. Preis: 20 Euro. Wo stehen die Vorratskanister für Frostschutzmittel für die Scheibenwachanlage, damit das dringend nötige Spritzwasser nicht einfriert? Sollte etwas passieren, drohen Bußgelder zwischen 20 und 40 Euro plus ein Punkt in Flensburg! Wo bleibt die Offerte für die Gummimatte mit Wabenmuster, um Schmutz und Salzwasser aufzufangen? Außerdem ist diese Matte im Notfall eine wunderbare Anfahrhilfe. Es sollte kein Auto rausgehen, ohne dass das Kühlwasser überprüft wurde. Auch die Scheibenwischerblätter sind auf Schlieren oder eingerissene Lippen zu untersuchen. Wo bleibt der Pflegestift, um alle Türdichtungen mit Pflegebalsam zu balbieren, um ein Kleben oder gar Einreißen zu verhindern? Fazit: Professionelle Marktvolumenausschöpfung. Kleinvieh gibt auch Mist!

25. November – Freitag

Freier Werkstattzutritt für den Kunden! Bei ATU hat jeder Kunde freien Werkstattzutritt. Im Markenbetrieb trifft man immer noch die Mentalität von “Grubenkomplexen” an. Die sind aber doch längst vorbei. Wer außer Lkw-Betrieben hat wirklich noch die Grube, in die der Kunde fallen könnte? Was haben wir zu verbergen? Weshalb ist die Werkstatt immer noch “Intensivstation”? Öffnet die Tore! Nicht nur zum Advent! GTÜ zeigt einen gefälligeren Vorschlag!

Werkstatt geschlossen? Oder bei der Untersuchung dabei sein? (Zum Vergrößern anklicken)

Spruch der Woche:
“Erst auf dem Boden einer gesunden Wirtschaft kann die Gesellschaft ihre eigentlichen und letzten Ziele erreichen.” (Ludwig Erhard)

Mit meinen besten Grüßen und Wünschen zum Advent

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS

3 Reaktionen zu “HB ohne Filter vom 25. November 2011”

  1. Dieter M. Hölzel

    Zum Spruch der Woche:

    Wenn sich jetzt die Kanzlerin auch noch zu dem EURO BOND weichklopfen läßt,
    dreht sich der gute Ludwig Erhard im Grabe um. Mit unserer Wirtschaft liegt
    schon länger einiges im Argen, der EURO BOND bringt uns auf das Niveau von
    Griechenland – Italien – Portugal, der totalen Staatsverschuldung. Dies kann
    doch nicht im Sinn von Europa sein, dass d.o.g. weit über 120% Schulden
    machen, die Deutschen sich mit ihren 80% dann bei weit über 100% wieder-
    finden werden. Der Herr Barroso sollte schnell seinen Hut nehmen und ver-
    schwinden wo der Pfeffer wächst ! Die Kanzlerin m u s s hart bleiben !!!

  2. Karl Schuler

    Der “Drehmomentschlüssel” muss in die Händlerwerbung vor Ort: damit sind die Themen Sicherheit, Präzision, Fachmännische Arbeit und Komfort abgedeckt. Und das Schönste daran ist: Der Preis spielt für die Kunden die Nebenrolle!

    Wenn ein Autohaus jetzt das Ganze mit dem jahreszeitbedingten Zubehörverkauf koppelt, kann der Betrieb das ganze Jahr über, nämlich im Winter, Frühjahr, Sommer und Herbst, einfach an allen Öffnungstagen profitieren.

    Bei den automobilen Herbstbotschaften fehlt noch die “Aktion der Extreme”, in welcher sich Toyota-Händler Gerd Heisel auf einer Viertelseite der Zeitung, aus dem deutschen Südwesten, Saarlands Nr. 1, ölverschmiert vor einem brennenden Ölfass mit dem Spruch “Wenn ich noch 712 Jahre auf Heizöl verzichte dann hab ich die Kohle wieder drin!” die “bis zu garantierten ** 7.777 Euro und mehr” – für Ihren Gebrauchten höchstselbst präsentiert. Wobei ** z.B. ein Landcruiser 60th Anniversary bedeutet!

    Gleichzeitig wird der Yaris in Wunschausstattung damit beworben, dass “ein Jahr lang keine Spritkosten, keine KFZ-Steuern und erst recht keine Leasing- oder Finanzierungsrate – das komplette erste Jahr” fällig werden. Unter Facebook.de/kostenlosfahren wird die entsprechende Seite verlinkt. Auch hier “spielt” der Preis für die Interessenten eine Nebenrolle!

    Fazit: Der Händler ist aus der “Rabatt-Diskussion” raus und kann letztendlich “sein” Angebot durchsetzen. Nachahmenswert!

  3. Autohaus Brandenburg

    schönes Wortspiel ;-)

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