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Elektroantrieb: "Lieblingskind der Politik" in eine sinnvolle Entwicklung überführen.
Wiener Motorensymposium
Hersteller bremsen Elektroauto-Euphorie
Von Peter Kudlicza/mid
Die Erwartungen an Elektroautos von Politik und Verbrauchern sind nach Expertenmeinung deutlich zu hoch. Sie befürchten, dass andere Antriebstechnologien vernachlässigt werden. Erhebliche Verbrauchsverbesserungen von Diesel- und Ottomotoren werden in den nächsten 20 Jahren "sicherlich den größten Beitrag zur CO2-Reduzierung" leisten, erklärte Wolfgang Steiger, Leiter Zukunftstechnologien bei VW, beim diesjährigen Internationalen Wiener Motorensymposium. Eine Diskriminierung solcher Antriebe in Erwartung der E-Mobilität hätte verheerende Folgen. Es bestehe zwar weitgehend Einigkeit innerhalb der Politik und der Automobilindustrie, dass die Elektrifizierung komme, doch sei eine echte Serienmarktfähigkeit reiner Elektrofahrzeuge erst ab 2020 zu erwarten.
Volkswagen werde ab 2010/2011 Elektrofahrzeuge in verschiedenen Bauweisen und Modellen in Flotten erproben, kündigte Steiger an. Ab 2013 sei mit Stückzahlen von mehr als 1.000 Fahrzeugen je Modell und Jahr zu rechnen. Die Mehrkosten würden jedoch noch deutlich über den von den Kunden erwarteten Beträgen liegen. Ab 2020 sollten zusammen mit der nächsten Generation von Motoren, Batterien und der Leistungselektronik Fahrzeuge zu einem marktfähigen Preis möglich sein. Dabei müsse die Markteinführung von politischen Rahmenbedingungen begleitet werden, die sich nicht nur in staatlichen Zuschüssen zum Kauf eines Elektrofahrzeugs erschöpfen dürften. Die Politik müsse auch den technischen Nachwuchs bei der Aus- und Weiterbildung zur E-Mobilität fördern.
Man dürfe aber die Technologie nicht überfordern und nicht in eine riskante Subventionsmaschinerie einsteigen. Es bestehe die Gefahr, dass die Politik dem Verhaltensmuster der vergangenen Jahrzehnte folge, jeweils eine Technologie besonders hervorzuheben, warnte Steiger. Keiner der Hypes habe je zum Erfolg geführt, sondern nur durchaus sinnvolle Alternativen in ihrer Entwicklung massiv behindert. So habe etwa der Brennstoffzellen-Hype zur Einstellung der Batterieforschung und zur erheblichen Reduzierung der Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren geführt. Auch die nachfolgende Erklärung von Biokraftstoffen zum alleinigen Ziel sei letztendlich gescheitert. Aus diesen Fehlern sollte man lernen und den Batterie-elektrischen Antrieb als "Lieblingskind der Politik" in eine sinnvolle Entwicklung überführen.
Der gesellschaftliche Wandel mit einer neuen Definition des Wohlstandes, der nicht mehr von einem Mehr an Gütern, sondern von einem Zuwachs der Lebensqualität geprägt ist, werde sich auch auf das Nutzer- und Kaufverhalten auswirken, betonte Steiger. In Zukunft würden mehr auf das Mobilitätsbedürfnis zugeschnittene Fahrzeuge nachgefragt werden – zum Beispiel voll elektrisch fahrende Stadtfahrzeuge – während man einen darüber hinaus gehenden Bedarf möglicherweise auf der Basis von Leasing-, Pooling- oder Sharing-Konzepten decken werde.
// Lesen Sie weiter auf Seite 2: Alleskönner vs. Spezialsten
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