IAA-Bilanz: Was kommt nach der "grünen Messe"?

24.09.2007 09:40 Uhr
Die IAA im Rückspiegel: Weichenstellungen für die Zukunft?

Trotz 88 Weltpremieren und vieler Neuheiten bleibt eine gewisse Ratlosigkeit bei Besuchern und Experten zurück

Die deutsche Autoindustrie hat sich ein grünes Image verpasst. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA, die am Sonntag in Frankfurt zu Ende gegangen ist, haben sich die Hersteller zehn Tage lang mit umweltfreundlichen Modellen übertroffen. Manche spötteln bereits, es handle sich um eine "grüne Woche". Spät haben die deutschen Hersteller den Umweltschutz als Verkaufsargument entdeckt – nun aber mit Nachdruck. Doch 88 Weltpremieren und viele Neuheiten täuschen nicht über eine gewisse Ratlosigkeit bei Besuchern und Experten hinweg. Viele Zukunftsantriebe und Sparmodelle werden erst in einigen Jahren serienreif sein. Wer heute ins Autohaus geht, kann noch kein einziges Hybrid-Auto aus deutscher Produktion kaufen – im Gegensatz zu japanischen Hybrid-Wagen von Toyota und Honda. Die Umweltorganisation Greenpeace spricht daher zum Ende der IAA von "Augenwischerei" und kritisiert, dass die ausgestellten Umweltautos nur für die Messe produziert worden seien. Völlig offen ist auch, wie die neue europäische Regelung zur Senkung des Schadstoffausstoßes aussehen wird. Bis 2012 will die EU die Emissionen im Flottendurchschnitt von derzeit 160 auf 120 Gramm CO2 pro Kilometer reduzieren – aus der Autoindustrie kommt aber Druck, den Grenzwert um drei Jahre zu verschieben und nach Fahrzeugklassen zu unterscheiden. Auch die Einführung einer nach Kohlendioxid-Emissionen gestaffelten Kfz-Steuer wird wohl frühestens Anfang 2009 kommen. "Das Verdienst der IAA ist es, die Debatte über den Klimaschutz beim Auto angestoßen zu haben", sagt Autoexperte Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight. "Die IAA hat aber auch gezeigt, dass es noch keine Einigkeit über die Zukunft des Autos gibt." Vom Hybrid-Antrieb mit Elektro- und Verbrennungsmotor über Elektro-, Wasserstoff bis hin zu Erdgasautos reichte die Palette der Neuheiten. Die meisten Hersteller setzen weiterhin auf den klassischen Verbrennungsmotor, dessen Verbrauch zum Beispiel dank Filter, Leichtbauweise oder Bremsenergierückgewinnung auf bis zu drei Liter sinken soll. Auch das Ein-Liter-Auto scheint greifbar nahe. Lesen Sie weiter: Gelingt der Spagat zwischen Ökologie und PS-starken Premiumwagen?

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