Freitag, 25.05.2012
04.02.2010
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Leser fragen – Herke antwortet

Ihr Zugang zur Finanzwelt

Unternehmensberater Martin-Dieter Herke, Autor des monatlichen AUTOHAUS-Zinsspiegels, ist wieder mit wertvollen Tipps rund um Banken, Kredite und Finanzierungen am Start. Die Themen der aktuellen Ausgabe von "Leser fragen – Herke antwortet": Liquiditätsverbesserung, Fortführungsprognose sowie Zinsaufschlag bei schlechterer Ratingeinstufung sowie Ratingskalen der Banken. Meine Hausbank hat mich aufgefordert den Fahrzeugbestand abzubauen, um die Liquidität zu verbessern. Da die Fahrzeuge jedoch überwiegend finanziert sind, sehe ich keine Liquiditätsverbesserung. Wie soll ich mich verhalten? Oftmals kennen die Hausbanken (Volksbanken, Sparkassen usw.) die Strukturen des Automobilgeschäfts nicht im Detail. Dies führt dazu, dass das, was im Allgemeinen richtig ist, dass Bestandsabbau zu Liquiditätsverbesserungen führt, im Kfz-Geschäft nicht unbedingt zutreffend sein muss. Belegen Sie Ihrer Bank – wie in Ihrem Fall –, dass die Fahrzeuge finanziert sind. Wenn Ihr Hersteller grundsätzlich alle Neu- und Vorführwagen über die herstellereigene Bank finanziert und Sie dort auch noch Gebrauchtwagen finanzieren, dann ist es in der Tat so, dass Sie die Gelder, die Ihnen durch Abverkäufe zufließen zur Rückzahlung der Fahrzeugfinanzierungen benötigen. Es können sogar Sondereffekte auftreten. Wenn die Herstellerbank die Fahrzeuge einschließlich Mehrwertsteuer finanziert hat, dann haben Sie beim Abbau von Bestand, da Sie keine Ersatzanschaffungen vornehmen und Vorsteuer geltend machen können, die Mehrwertsteuer an das Finanzamt abzuführen und in dieser Höhe sogar eine Liquiditätsbelastung. Oder, ein möglicher Effekt im GW-Geschäft: Die Fahrzeuge lassen sich nur zu herabgesetzten Preisen vermarkten, so dass die abzulösenden Finanzierungsbeträge höher sind und ebenfalls Liquiditätsbedarf durch so genannte Mindererlöse entsteht. Sprechen Sie diese Punkte bei Ihrer Hausbank offen an. Legen Sie der Bank einen Liquiditätsplan vor, der Ihren tatsächlichen Finanzbedarf abbildet. Auf dieser Basis können Sie dann mit der Bank über Ihren Finanzbedarf reden. Mein Rat: Gehen Sie erst dann zur Bank, wenn Sie eine exakte Vorstellung von Ihrem Finanzbedarf haben und belegen Sie, dass Ihr Autohaus den Kapitaldienst leisten kann. Mein Bankberater hat angedeutet, dass er wahrscheinlich eine Fortführungsprognose benötigt, falls ich noch zusätzliche Kredite brauche. Wie habe ich diese Forderung zu bewerten? Aus Sicht der Bank befindet sich Ihr Autohaus in einer kritischen Situation. Die Gründe dafür können beispielsweise in zu geringem Eigenkapital, Mangel an Liquidität oder einer unzureichenden Kapitaldienstfähigkeit liegen. Anhand einer positiven Fortführungsprognose lässt sich die Bank von einem externen Fachmann (Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater usw.) bestätigen, dass Ihr Autohaus zukunftsfähig ist. Nur wenn die Fortführungsprognose zu einem positiven Ergebnis kommt, ist die Bank zur weiteren Finanzierung bereit. Fällt die Fortführungsprognose negativ aus, wird sie die Kredite höchstwahrscheinlich kündigen, jedoch in keinem Fall zusätzliche Kredite zur Verfügung stellen. Die Anfertigung einer Fortführungsprognose ist äußerst umfänglich und muss eine Vielzahl von Punkten beachten, die vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) definiert sind.

// Lesen Sie weiter auf Seite 2: Zinsaufschlag bei schlechterer Ratingeinstufung

 
 
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KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

05. Februar 2010 11:18
Karl Schuler meint:
Herr Banach hat vollkommen Recht! Würden viele Händler fleißig Ihre Region bearbeiten, statt vermeintliche "Großgeschäfte" mit Vermittlern zu tätigen, wäre für den gesamten Neuwagenhandel schon viel gewonnen!
Den Kunden würden plötzlich die Augen aufgehen, und sie würden feststellen, dass nicht der Kaufpreis, sondern ein Autohaus vor Ort mit seinem Leistungsumfang immer noch das beste Angebot ist!


05. Februar 2010 10:09
Jörg-Uwe Banach meint:
Thema Liquiditätsverbesserung: Vielleicht sollte Herr Herke seinen Kunden/Klienten/Mandanten einmal verständlich näherbringen, was der Unterschied zwischen Umsatz und Ertrag ist... daran hakt es in meinen Augen vielfach.

Wie sonst wäre es zu erklären, dass einige Händler über dubiose Vermittler Autos liefern, die der Vermittler schon zum Einkaufspreis anbietet und selbst daran noch Geld verdient?


04. Februar 2010 18:31
Christian Gilch meint:
Thema Fahrzeugbestand:

Es sollte bereits im Interesse eines ordentlichen Kaufmanns selbst liegen, sich über seine Liquidität im Klaren zu sein. Allzu oft merkt man, wenn der Bank entsprechende Unterlagen vorgelegt werden sollen, große Unprofessionalität und Unsicherheit. Das muß aber nicht sein. Liquiditätsplanung ist kein Hexenwerk.

Thema Fortführungsprognose:

Ergänzend sei noch angemerkt, daß selbst bei positiver Fortführungsprognose (und wer legt der Bank schon eine negative vor ?) es keinerlei Anspruch darauf gibt, daß die Bank weiter kreditiert. Man sollte sich also in so einer Situation nicht allzu sehr auf bunt bedrucktes Papier verlassen....

Thema Zinsaufschlag:

Natürlich schwanken die Aufschläge von Bank zu Bank und werden sich auch im Zeitablauf ändern. Neben dieser Problematik sollte allerdings ergänzend auch noch darauf hingewiesen werden, daß derzeit die Refinanzierung für die Banken historisch günstig ist (Euribor). Wenn der Euribor einmal wieder anzieht (die Frage ist überhaupt nicht ob, sondern nur noch wann und in welcher Höhe) werden die Autohäuser auch damit konfrontiert, daß die Refinanzierung für die Banken teurer wird. Und die wird natürlich auch weitergegeben. Ab einer bestimmten Größenordnung kann man sich deshalb ruhig mal Angebote von mehreren Banken zum Thema Zins-Swap machen lassen. Mein Tipp: Nicht unbedingt gleich die Konditionen der Hausbank akzeptieren und nachdem man die Höhe der Prämie weis, die Sache betriebswirtschaftlich durchrechnen.
Ein Zinsswap ist nichts anderes als eine zeitlich befristete Versicherung gegen steigende Zinsen.

Thema Sanierungsabteilung:

Mag sein, daß die eine oder andere Bank aufgrund eines schlechten Ratings in die Sanierungsabteilung abgibt. Praxis ist das aber nicht.
Alleine aufgrund der zeitlichen Verzögerung zwischen Bilanzstichtag/Bilanzfertigstellung/Bilanzeinreichung/Bilanzanalyse wird keine Bank so lange warten, bis die Ratingergebnisse vorliegen.
Sanierungsbedarf entsteht i.d.R. immer aus der Kulmination aktueller Ereignisse, z. b. Liquiditätsengpass, Lieferschwierigkeiten, Zahlungsstörungen, negative BWA-Zahlen. Da wartet heutzutage keine Bank mehr, bis das Rating fertig ist.

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