Donnerstag, 24.05.2012
16.10.2009
Share |
Schadenmanagement

Keine Qualität zur Dumpingpreisen

"Hinterhof oder Highend? Servicequalität im Werkstattnetz der Versicherer" – in der Gesprächsrunde des "Goslar Institutes" mit diesem Titel flammte kürzlich die Diskussion um Stundenverrechnungssätze und Auslastung der Karosserie- und Lackierbetriebe erneut auf. In der von Carola Ferstl moderierten Runde diskutierten Michael Legrand (Leiter Bereich Vertrieb und Service, Transport und Logistik Dekra Consulting GmbH), Klaus-Jürgen Heitmann (für die Kfz-Versicherung zuständiges Vorstandsmitglied der HUK-Coburg), Dr. Klaus Weichtmann (Hauptgeschäftsführer des ZKF) und RA Elmar Fuchs (Geschäftsführer BVSK e.V.).

Gleich zu Beginn stellte Klaus-Jürgen Heitmann heraus, dass die HUK-Coburg günstige Preise und besonders hohe Qualität bei der Unfallreparatur wolle – die "Quadratur des Kreises", wie er es selbst nannte. Dr. Klaus Weichtmann konterte umgehend: "Das kann nicht funktionieren, Qualität hat immer ihren Preis, Qualität zu Dumpingpreisen kann es nicht geben!" Dem hielt Heitmann entgegen, dass man Volumen in die Betriebe liefere und dies zunehmend sogar garantiere. Zudem sei die HUK-Coburg bestrebt, den Betrieben eine ausreichende Marge darzustellen.

K&L-Geschäft aktuell erstragreichster Bereich in Kfz-Werkstätten

BVSK-Geschäftsführer Elmar Fuchs kommentierte das Vorgehen der fränkischen Assekuranz als "unmoralisches Regulierungsverhalten", weil der durchschnittlich gezahlte Stundenverrechnungssatz von rund 60 Euro zwangsläufig zu Quersubventionierungen durch andere Kundengruppen führe. Dr. Weichtmann nannte diesen Betrag "ruinös" und sprach sich gleichfalls für den mittleren DEKRA-Stundenverrechnungssatz als Maßstab aus. Michael Legrand hielt hingegen 59 Euro für die reine Arbeitsleistung ohne Nebenkosten für erzielbar. Das K&L-Geschäft sei aktuell der ertragsreichste Bereich in den Kfz-Werkstätten. Mit "industriellen Prozessen und einem systematischen Personalcontrolling" sei dies möglich. Dr. Weichtmann: "Natürlich kann man Prozesse weiter optimieren, jedes Fahrzeug muss dennoch individuell instandgesetzt werden." Zu differenziert seien die Unfallbeschädigungen und somit die Reparaturtechniken. Eine industrielle Reparatur werde es nicht geben, sagte der ZKF-Hauptgeschäftsführer.

Qualität und Sicherheit müssen gewährleistet sein

Ebenso konträr wurden die Positionen zur Auslastung der Werkstätten bezogen. Durch die Volumensteuerung hebe die HUK-Coburg die Auslastung ihrer Partnerbetriebe auf 90 bis 95 Prozent an, woraus sich entsprechende günstige Preise ableiten ließen, so Klaus-Jürgen Heitmann. Dr. Weichtmann entgegnete, dass die Zahl der Unfallschäden stark von nicht vorhersehbaren Ereignissen wie dem Wetter abhänge. Durchschnittlich 80 bis 85 Prozent sei eine gute Auslastung, mit der sich solche Effekte abfangen lassen. Gleichbleibend über das gesamte Jahr 100 Prozent zu steuern, ist nach Ansicht von Dr. Weichtmann nicht möglich. Zudem führe eine Auslastung von 100 Prozent und mehr zwangsläufig zu Einbußen bei der Qualität. Gerade diese müsse allerdings bei einer Unfallschadenreparatur immer gewährleistet sein.

Qualität und Sicherheit – damit schließt sich der Kreis. Man müsse sicherstellen, dass dies ein Betrieb wirklich leisten könne, so Dr. Weichtmann. Moderne Kraftfahrzeuge machen nach seinen Worten ein beachtliches Investment in Ausbildung, herstellerspezifische Qualifizierung und Werkstattausrüstung notwendig. "Mit 60 Euro funktioniert das nicht – auch nicht bei 100 Prozent Auslastung." (am)

 
 
 
Zurück Artikel bookmarken Kommentar abgeben Artikel drucken Heft-Abo
 

KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

22. Oktober 2009 08:51
sönke Frischmuth meint:
Dem Artikel ist aus meiner fachlichen Sicht als Anwalt mit Spezialisierung Verkehrsrecht nicht viel hinzuzufügen. Die Art und Weise, wie die HuK Versicherer Unfallschäden steuern und die sog. Partnerbetriebe "begünstigen" wollen, führt sicher nicht zu mehr Qualität, wohl aber zu geringeren Gewinnen auf Seiten der Werkstätten und höheren Margen bei den Versicherern.

Wie soll denn z.B. eine MB Werkstatt oder eine nicht markengebundene aber doch auf wenige Fabrikate spezialisierte Fachwerkstatt sämtliche Spezialwerkzeuge für alle vom Versicherer zugesteuerten Unfall-Kfz bereit halten? Und wie sollen die Mitarbeiter in Reparaturbetrieben auf sämtliche Fabrikate gleichermaßen geschult werden, Reparaturrichtlinien kennen und einhalten? Es wäre schön, wenn der ZkF und der BVSK im Interesse von Qualität und Sicherheit bei den Reparaturen aber auch im Interesse, eine profitable Ertragssituation in den Kfz-Betrieben zu erhalten mehr Öffentlichkeitsarbeit leisten. Nur so können aufgeklärte Kunden, die es letztlich trifft, sich entscheiden, ob sie eine risikoreiche Billigreparatur oder doch lieber Qualität und Sicherheit wünschen.

1 Leserbriefe (Anzeige 1 bis 1)
1

"HB ohne Filter" vom 18. Mai

Kommentar von AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat

Heute mit den Themen: BMW-Rekorde, Fiat-Kontraste und Die Autohaus-Zukunft: Personal! MEHR

Frage der Woche

Download

AUTOHAUS-Bildschirmschoner

Ob Autopremiere, Politdebatte oder Promi-Schnappschuss – mit dem "I Saver" sind Sie immer auf dem Laufenden. mehr

Bildergalerien

Branchenrecht


Händlerbefragung

Die aktuelle Ausgabe des AUTOHAUS pulsSchlag

Topthema im Mai: Automobile Zukunft mehr

EXTRA

Jetzt neu: Fachbücher als eBook!

Einige unserer Praxishandbücher und Ratgeber können Sie jetzt auch als eBook bestellen! mehr

Marktplatz

Frische Ware

Auf dem neuen AUTOHAUS Marktplatz finden Sie alle Spezialisten und Dienstleister für ein erfolgreiches Kfz-Geschäft. mehr

Akademie aktuell

Professionelles Teile- und Zubehörmanagement im Autohaus

Erfahren Sie, wie Sie Ihr Teile- und Zubehörlager ertragreich managen! Anmeldung und Termine

Social Media

Besuchen Sie AUTOHAUS auf Facebook!

"Gefällt mir" – jetzt am virtuellen Stammtisch über bunte Branchenthemen diskutieren! mehr