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IFA-Leiter Willi Diez rechnet mit einer zusätzlichen Pkw-Nachfragen von 80.000 bis 90.000 Autos durch die geplante Einführung von Wechselkennzeichen.
Experte
Kfz-Gewerbe profitiert von Wechselkennzeichen
Nach Einschätzung des Autoexperten Willi Diez könnte das geplante Wechselkennzeichen dem deutschen Kfz-Gewerbe einen kräftigen Schub geben. "Uneingeschränkt profitieren werden von der Einführung von Wechselkennzeichen der Automobilhandel und das Kraftfahrzeughandwerk", schreibt der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) in einer am Mittwoch veröffentlichten Potenzialanalyse. Schwächer würde der Effekt dagegen auf die Beschäftigung in der heimischen Autoindustrie ausfallen, da eine solche Maßnahme – ähnlich wie die Umweltprämie – auch ausländischen Marken zugute käme.
Diez rechnet in seiner aktuellen Untersuchung mit einer zusätzlichen effektiven Pkw-Nachfrage von 80.000 bis 90.000 Autos durch das Wechselkennzeichen. Mitte Mai war der Experte noch von Extra-Verkäufen von über einer Million Einheiten in den nächsten Jahren ausgegangen, sollte ein für mehrere Fahrzeuge nutzbares Nummernschild in Deutschland eingeführt werden.
Der durch Wechselkennzeichen ausgelöste zusätzliche Absatz sei nur schwer abzuschätzen, räumt Diez ein. So sei etwa zu berücksichtigen, dass angesichts des geringen Anteils der Kfz-Steuer an den Total Cost of Ownership (rund fünf Prozent) der Kostenvorteil durch das Sonderkennzeichen gering ist. Andererseits könne sich die Einführung "psychologisch stimulierend" auf die Anschaffung zusätzlicher Fahrzeuge auswirken.
Auf Basis der Erfahrungswerte in der Schweiz und Österreich sowie unterschiedlicher Marktstrukturen schätzt Diez das Potenzial auf gut zwei Millionen Wechselkennzeichen in Deutschland. Bei einem erwarteten Kannibalisierungseffekt von Saison- und Historienkennzeichen bleiben demnach netto 1,3 Millionen zusätzliche Wechselkennzeichen. Diese dürften verstärkt für die Anschaffung kleinerer, stadtverkehrstauglicher Fahrzeuge genutzt werden, vermutet der Fachmann. Weiterer Aspekt: Die Nummernschilder könnten einen Anreiz schaffen, ein Elektroauto als Zweit- oder Drittfahrzeug anzuschaffen.
Zwei Kernzielgruppen
Diez glaubt, dass vorrangig die Halter von Premiumautos von Wechselkennzeichen Gebrauch machen werden. Da ein weiterer Wagen angeschafft werden müsse, setze die Zulassung von zwei Fahrzeugen mit einem Kennzeichen – trotz der Ersparnis bei Versicherung und Steuer – eine gewisse finanzielle Leistungsfähigkeit voraus. Zudem seien diese Kunden am ehesten bereit, einen weiteren Pkw für eine "situativ angepasste Motorisierung", etwa ein kleines Stadtauto für die Fahrt in die City, zu kaufen. Als weitere Zielgruppe kämen die Besitzer von Fahrzeugen mit Saison- und Historienkennzeichen in Frage.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will bis Ende des Jahres Wechselkennzeichen einführen. Dieses Nummernschild ist für mehrere Fahrzeuge nutzbar und kann nach Bedarf angebracht werden. Die Kfz-Branche argumentiert seit langem, dass mit einer solchen Regelung der Absatz umweltfreundlicherer Fahrzeuge angekurbelt werden könnte. (rp)
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(Foto: AXA/AHO-Montage)
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