Dienstag, 07.09.2010
23.11.2009
Sanierung
Kittner-Arkaden in Lübeck
Kittner-Prestigeobjekt: Die "Autoarcaden Lübeck" wurden erst Anfang 2008 fertiggestellt.

Kittner sucht Heil in Insolvenz

Die mehrmonatigen Sanierungsbemühungen der Kittner Gruppe drohen zu scheitern. Wie die Geschäftsführung am Freitagabend in Lübeck mitteilte, wird das seit Jahren finanziell angeschlagene Handelshaus voraussichtlich am Dienstag in die Insolvenz gehen. Demnach sollen für die Untenehmensteile Edgar Kittner GmbH, Kittner Beteiligungsgesellschaft mbH, "Travag" Trave Automobil GmbH, Sportwagenzentrum Rostock GmbH, Edgar Kittner Sportwagenzentrum GmbH, Autohaus Hansa GmbH, Autohaus Hansa Nord GmbH, Hanseatic Kraftfahrzeuge GmbH, Hanseatischer Kraftfahrzeughandel GmbH, Gebrauchtwagenzentrum Nord GmbH, Edgar Kittner Tankstellen GmbH sowie Miera Kraftfahrzeuge GmbH separate Insolvenzanträge bei den zuständigen Amtsgerichten gestellt werden. "Wir würden in enorme Liquiditätsschwierigkeiten geraten, wenn wir das nicht tun", sagte Kittner-Geschäftsführer der Gruppe Wolfgang Mehte den "Lübecker Nachrichten". In einer geordneten Insolvenz sieht die Unternehmensführung nach eigenen Angaben die "beste Möglichkeit, um das Unternehmen auf gesunder Basis neu aufzustellen und am Markt zu positionieren". In der seit Monaten laufenden Restrukturierung (wir berichteten) seien bereits neue Organisationsstrukturen sowie operative Vorgaben für die Autohäuser definiert worden. Trotz der noch anhaltend angespannten Lage auf dem Automobilmarkt zeigten sich positive Zukunftsperspektiven für die Handelsgruppe, hieß es. Kittner räumte in der Mitteilung ein, dass die finanziellen Probleme zum Teil hausgemacht sind. So sei die Konzernstruktur mit mehr als 20 wirtschaftlich und gesellschaftsrechtlich miteinander verflochtenen Unternehmen über die Jahre immer komplizierter geworden. Zudem hätten sich die finanzierenden Banken nicht über eine "unumgänglich erforderliche Lastenverteilung für die Restrukturierungsmaßen" einigen können. Ziel sei es nun, neue Strukturen für die Gruppe zu entwickeln, hieß es. Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" (Online-Ausgabe) will die Geschäftsführung die Landesregierung in Kiel um Hilfe bitten. Dabei gehe es nicht um Staatsgeld, erklärte ein Firmensprecher gegenüber der Zeitung. Vielmehr sollen die Politiker ihren Einfluss auf die insgesamt zwölf Gläubigerbanken, zu deren Eignern auch die Öffentliche Hand zähle, geltend machen. Kath-Gruppe zeigt sich interessiert Hilfe könnte auch von einer anderen Seite kommen. "Wir sind an Kittner interessiert", sagte Hauke Drengenberg, Geschäftsführer der Rendsburger Kath-Gruppe, dem "Hamburger Abendblatt" (Dienstagsausgabe). Die Kath-Gruppe verkauft ebenso wie Kittner Fahrzeuge der Marken VW und Audi. "Zwar ist das Autogeschäft rückläufig, aber diese Marken haben Zukunft", sagte Drengenberg der Zeitung. Ein gut gemanagter Händler könne auch unter den derzeit schwierigen Umständen gut zurechtkommen.

 

// Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Jobs nicht durch Einzelinteressen gefährden"

 
 
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KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

24. November 2009 12:25
Kurt Wendt meint:
Die ersten Sargnägel wurden bereits mit dem Bau der Arkaden eingeschlagen. Ein Management das bereits zur Bau-Planungszeit den Markt falsch berechnet hat, ein konfuses Firmengeflecht, Herstelleransprüche die marktwirtschaftlich und kaufmännisch nicht zu realisieren sind und ein Wertverfall in buy back Geschäften sowie Leasingrückläufern sind meines erachtens die Gründe.
Die Zündschnur brennt bereits bei vielen weiteren Betrieben. Das erstaunliche und bittere ist für mich nur, mit wieviel Gleichmut und Arroganz die Hersteller/Importeure Teile Ihres Netzes in die Luft fliegen sehen.

Kurt Wendt


23. November 2009 16:38
Katja Grieb meint:
Es sollte schon ein Wunder geschehen, wenn die Kittner-Gruppe mit Umstrukturierungen wieder die Kurve bekommt. Vielmehr glaube ich, dass wohl eher Herr Schuler mit seiner düsteren Prognose recht hat. Wahrscheinlich werden wieder ensprechende Sparten von der VW AG als Niederlassung oder Retail-Betrieb à la MAHAG geschluckt und alles ist gut. Die armen Kollegen, die dann in diesen Gebieten einzeln am Markt sind und die Kampfpreise der AG ausbügeln müssen.


23. November 2009 16:36
Andre Aslau meint:
Zitat: "Kittner räumte in der Mitteilung ein, dass die finanziellen Probleme zum Teil hausgemacht sind".
Unglaublich, wofür wurde in dieser Gruppe ein Management bezahlt, dass keine Ahnung von dem Konstrukt hatte/hat, dass es selbst erschuf ?
Davon hängen mal eben 1.250 Arbeitsplätze ab - aber es gibt immer wieder diese Rohrkrepierer, die viel Geld für null Leistung kassieren.

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