06.07.2012
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Leser fragen – Herke antwortet
 

AUTOHAUS-Finanzexperte Martin-Dieter Herke

Ihr Zugang zur Finanzwelt

Unternehmensberater Martin-Dieter Herke, Autor des monatlichen AUTOHAUS-Zinsspiegels, ist wieder mit wertvollen Tipps rund um Banken, Kredite und Finanzierungen am Start. Das Thema der aktuellen Ausgabe von "Leser fragen – Herke antwortet": Restriktive Kreditvergabe durch Basel III.

Frage: Bei meinem letzten Bankgespräch hat mir mein Firmenkundenberater erklärt, dass die Banken wegen der Vorschriften in Basel III demnächst noch restriktiver bei Krediten werden müssten. Er hat dann auf einzelne Vorschriften verwiesen, die ich mir aber nicht gemerkt habe. Ist das wirklich so, oder sind das bloß "vorbeugende Argumente", um in Zukunft die Zinsen zu erhöhen? 

Antwort: In der Tat haben die Bank in naher Zukunft Liquiditätsvorschriften einzuhalten, die noch stärker auf das Kreditgeschäft einwirken als die höhere Eigenkapitalunterlegungspflicht. Sie müssen künftig zwei Überwachungskennziffern erfüllen. Die "Liquidity Coverage Ratio" und die "Net Stable Funding Ratio". Beide Vorgaben führen dazu, dass Banken mehr liquide Mittel vorhalten müssen, was in erster Linie zu höheren Refinanzierungskosten führt. 

Ein zweiter Aspekt: die Möglichkeit zur Fristentransformation (= die Umwandlung kurzfristiger Einlagen in langfristige Kredite) wird spürbar eingeschränkt. Diese Einschränkung führt dazu, dass Banken künftig den langfristigen Firmenkredit stärker als bisher fristenkongruent refinanzieren müssen. Dies wiederum wirkt sich nachteilig auf die Konditionen aus und führt dazu, dass Autohäuser künftig schwerer an langfristige Darlehen herankommen als bisher. Halten wir fest: Es wird künftig teurer und schwerer, langfristige Darlehen mit einem Festzinssatz zu erhalten. 

Kreditgeschäft im Zangengriff 

Hinzu kommt, dass auch für Versicherungsunternehmen neue Vorschriften in Kraft treten: "Solvency II". Die Geldanlagen von Versicherungen gehörten in Deutschland bisher zu den wichtigsten Refinanzierungsquellen der Banken. Die neuen Vorgaben für Versicherungen begünstigen Anleihen mit kurzen Laufzeiten für deren Geldanlagen, so dass Versicherungsgelder, die bisher bei Banken angelegt wurden, künftig fehlen werden, was sich negativ auf die Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken auswirkt. Das Kreditgeschäft der Banken wird also von mehreren Seiten in die Zange genommen. 

Es ist so, dass das Zusammenspiel zwischen Banken und Kreditnehmer durch Basel III eine weitere Zäsur erfährt. Basel III zwingt die Banken, einen klaren Trennungsstrich zwischen "guten" und "riskanten" Kreditnehmern zu ziehen. Die Ratingnote wird dabei zum Maß aller Dinge. Nur eine gute Ratingnote ist der Schlüssel zum Erfolg für die Kreditgewährung. 

Das diese Entwicklung auch zu höheren Kreditzinsen führen wird, ist zu befürchten. Je besser Ihre Ratingnote ist, umso günstiger kann auch Ihr Zinssatz werden. (AH) 

Brennen Ihnen auch Finanzfragen auf den Nägeln? Dann schicken Sie Martin-Dieter Herke einfach eine E-Mail: info@unternehmensberatung-herke.de

 
 
 
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