General Motors (GM) sieht trotz der Probleme im Nordamerikageschäft und tiefroter Zahlen Licht am Horizont: Auf operativer Basis und unter Ausklammerung von Sonderfaktoren schaffte der weltgrößte Autohersteller im zweiten Quartal erstmals seit langem einen Milliardengewinn. Unter dem Strich verbuchte GM allerdings einen Verlust von 3,2 Mrd. US-Dollar. Die Wall Street zeigte sich von den Ergebnissen beeindruckt. Die GM-Aktien legten deshalb im frühen Handel deutlich um 5,67 Prozent auf 32,40 US-Dollar zu. In dem GM-Verlust waren Sonderbelastungen von insgesamt 4,3 Mrd. US-Dollar enthalten. Der Hersteller hatte allein Sonderkosten von 3,7 Mrd. US-Dollar für Frühruhestandsprogramme verbucht, von denen 34.400 amerikanische Beschäftigte Gebrauch gemacht hatten. GM hatte im entsprechenden Vorjahresabschnitt rote Zahlen von 987 Mio. US-Dollar ausgewiesen. Unter Ausklammerung der Sonderfaktoren erzielte der Branchen-Primus im zweiten Quartal einen Gewinn von 1,2 Mrd. US-Dollar. Der Konzern hatte auf dieser Basis im vergangenen Jahr einen Verlust von 231 Mio. US-Dollar verbucht. Der Quartalsumsatz stieg kräftig um 12,2 Prozent auf 54,4 Mrd. US-Dollar. Dagegen fielen die Autoverkäufe weltweit auf 2,4 (2,6) Mio. Stück. GM lieferte in Nordamerika nur noch 1,3 (1,5) Mio. Autos aus. In Europa verkaufte GM 547.000 (554.000) Fahrzeuge. Der Halbjahresumsatz erhöhte sich auf 106,6 (94,2) Mrd. US-Dollar. GM verbuchte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Verlust von 2,7 (2,2) Mrd. US-Dollar. Die Finanztochter GMAC hat im zweiten Quartal einen Rekordgewinn von 898 Mio. US-Dollar erzielt. Wagoner hofft, dass der Verkauf einer 51-prozentigen Beteiligung an GMAC bis Jahresende vollzogen wird. Operatives Geschäft läuft besser GM verzeichnete ohne Sonderfaktoren im zweiten Quartal dieses Jahres im Autogeschäft einen operativen Gewinn von 362 Mio. US-Dollar, was einer Verbesserung gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 1,3 Mrd. US-Dollar entspricht. GM Nordamerika schrieb auf dieser Basis nur noch einen Verlust von 85 Mio. US-Dollar – ein Plus von 1,1 Mrd. US-Dollar gegenüber dem zweiten Quartal 2005. Wagoner hob das Kostenersparnis-Ziel für Nordamerika auf Jahresbasis von acht auf neun Mrd. US-Dollar an. "Wir haben in der ersten Jahreshälfte solide Fortschritte bei der Umsetzung unseres Restrukturierungsplans für Nordamerika gemacht", erklärte er. Dies werde sich in der zweiten Jahreshälfte noch beschleunigen. GM Europe vervierfachte den operativen Quartalsgewinn unter Ausklammerung von Sonderfaktoren von 30 auf 124 Mio. US-Dollar. Dies sei auf niedrigere Rohstoffkosten und bessere Preise zurückzuführen. Der Umsatz der Marken Opel/Vauxhall sowie Saab stieg zwischen April und Juni binnen Jahresfrist von knapp 8,6 auf 8,74 Mrd. US-Dollar. "Unser europäisches Geschäft gewinnt an Fahrt", betonte Wagoner. Er verspreche sich viel von dem neuen Opel Corsa, der im Herbst auf den Markt kommt. (dpa/rp)
Trotz Milliardenverlust: Lichtblicke bei GM
Vor Sonderposten hat der US-Autokonzern im zweiten Quartal 1,2 Milliarden US-Dollar verdient / "Europa-Geschäft gewinnt an Fahrt"