Redaktionsblog
Redaktionsblog
Kommentare (1) 05.04.2019

AUTOHAUS Editorial

Zwischen Musk und Murks

Ralph M. Meunzel

Von AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel

Wenn Tesla so konsequent wäre wie Infiniti, dann müsste sich die Marke eigentlich vom deutschen Markt zurückziehen. Tesla verkaufte in 2018 in Deutschland mit 1.900 Neuzulassungen (0,1 Prozent Marktanteil) zwar mehr als das Doppelte der Nissan-Premiummarke, aber nur noch die Hälfte wie im Jahr davor. Der E-Mobil-Hersteller kommt nicht auf Stückzahlen, macht allerdings Schlagzeilen. Was den Niederschlag in der Presse betrifft, so sind die Autobauer aus Kalifornien auf alle Fälle Spitze.

Wer Tesla googelt, bekommt rund 340 Millionen Einträge beim Weltmarktführer Volkswagen sind es "nur" 1,16 Milliarden. Ein Tesla produziert im Fahrbetrieb bestenfalls heiße Luft, dafür wird aber insgesamt viel Staub aufgewirbelt. Wenn Boss Elon Musk zum Beispiel ankündigt, dass man sich künftig ausschließlich auf den Vertrieb per Internet konzentriert. Dann wird das von der Publikumspresse als "Tesla fährt der Konkurrenz online davon" gewertet. Dabei hat man nur endlich erkannt, dass sich die eigenen Läden bei diesen homöopathischen Stückzahlen in teuren Lagen nicht rechnen. Wenn Musk alle Buden jetzt zunageln lässt oder doch nicht, dann ist das eine drastische Sparmaßnahme auf Kosten der dort beschäftigten Tesla-Mitarbeiter. Bisher hatte der Hersteller in Deutschland nach eigenen Angaben zwölf Stores und sieben Servicecenter. Wie viele davon jetzt in Betrieb bleiben, kann man auf der Homepage leider nicht erkennen, die ist nämlich so langsam wie ein Duracell-Hase mit leeren Batterien. Trotz der vollmundigen Ankündigung darf man gespannt sein, wie sich der Onlinekauf auf die Stückzahlen auswirkt.

Der Neuwagenverkauf per Internet stößt derzeit insgesamt weder bei Kunden noch Händlern auf große Resonanz. Das belegen nicht nur aktuelle Umfragen. Es ist aber keine Frage, ob künftig Autos im Netz zusätzlich zu den bestehenden Vertriebswegen gekauft werden können, sondern eher wann. Die Tesla-Servicecenter dürften auf alle Fälle geschlossen bleiben bzw. sind nach dem jüngsten Coup obsolet. Denn Tesla will bei seinen E-Mobilen künftig auf Serviceintervalle verzichten, ein Wechsel der Bremsflüssigkeit alle zwei Jahre genüge, heißt es. Die gesetzlich vorgeschriebene Hauptuntersuchung wird vermutlich allerdings bleiben (müssen). Beim Kunden macht sich die Abschaffung von Wartungsauflagen in Form niedriger Betriebskosten sicher bemerkbar.

Für monetäre Freude bei Neukunden dürfte auch die Verkündung von deutlichen Preissenkungen bei den Modellen S und X sorgen. Damit kommt der Kunde jetzt beim Basis S-Modell aufgrund der niedrigeren UPE wieder in den Genuss der Umweltprämie für E-Mobile. Die Käufer, die bisher die Autos zum höheren Preis geleast oder gekauft haben, können sich ja jetzt online über den Wertverfall ihrer Stromer beschweren. Die Kapriolen dieser Marke grenzen damit fast an Slapstick. Es war aber eine weise Entscheidung, dass man sich bei Tesla von Anfang an für den Direktvertrieb und damit für den Verzicht auf Händler entschieden hat. Damit verbrennen die Vertriebsmanager mit ihren spontanen Entscheidungen jetzt ausschließlich das Geld der eigenen Company und nicht das der Investoren.

Dass man E-Mobile mit weniger Brimborium, dafür aber über das eigene Händlernetz erfolgreich verkaufen kann, beweist Porsche mit dem neuen Taycan eindrucksvoll. Die ersten 20.000 Vorbestellungen liegen bereits vor.

Newsletter
Newsletter
Artikel jetzt ...

mit anderen teilen per

© Copyright 2019 AUTOHAUS online

Artikel jetzt ...

© Copyright 2019 AUTOHAUS online

Mehr zu Tesla
Mehr zu Tesla
1 Kommentar
1
MV
06.04.2019

Dennoch sollte man Tesla nicht unterschätzen. Elon Musk ist bekannt dafür Dinge durch zuziehen. Als nicht Automobilhersteller darf man Ihn schon einen gewissen Respekt zollen. Was den Vertrieb , Personal und alles weitere nach der Fertigung angeht würde ich mal sagen gewöhnungsbedürftig oder schlicht Amerikanisch.Das ein Entwickler und Hersteller wie Porsche das besser kann steht außer Frage. Und hätte die Deutsche Automobilindustrie den E Trend nicht verschlafen wären wir wahrscheinlich schon ein großes Stück weiter.Wobei ich immer noch eine gesunde Mischmobilität inklusive Brennstoffzelle für die bessere Alternative halte als rein Elektro.

Ihr Kommentar zum Artikel
Ihr Kommentar zum Artikel

AUTOHAUS ist ein Fachmedium für die Automobilwirtschaft. Die qualifizierte Meinung unserer Online-Nutzer zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen.
Vielen Dank!

Schon gelesen?
Die Top-Nachrichten