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Kommentare (1) 14. Dezember 2012

HB ohne Filter vom 14. Dezember 2012

Prof. Hannes Brachat

Heute mit den Themen: Friedensland Europa, Opel schließt Bochum, Abi + Auto, Automobiler Diebstahl, Zum Tode von Thomas Urbach.

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10. Dezember – Montag

Friedensland Europa


Heute wurde in Oslo die Europäische Union mit Friedensnobelpreis 2012 geehrt. Wir sollten diese Erfolgsgeschichte für die 500 Millionen Menschen in Europa dankbar würdigen. Dieses politische Werk brachte uns die längste Friedenszeit – 67 Jahre – seit 1.000 Jahren auf deutschem Boden. Wir, die Bürger von Europa, leben objektiv gesehen in der reichsten Periode der Geschichte unseres Planeten – trotz Eurokrise oder Berlusconis (76) neuerlicher Drohung, wieder in die Politik einzusteigen. Der Ferrari-Aufsichtsratsvorsitzende Luca di Montezemolo (65) wird das zu verhindern wissen und Mario Monti hochhalten, der als EU-Kommissar mit der GVO 2002 gegen viele Widerstände den Mehrmarkenhandel durchsetzte.

Hinter dieser hohen Auszeichnung steht die europäische Aussöhnung, der Einsatz für Menschenrechte und Demokratie. Die Folge: Der Wandel vom Kontinent der Kriege zum Kontinent des Friedens. Er ist gelungen! Bitte, Willy Brandt kniend im Warschauer Ghetto, Helmut Kohl und Francois Mitterrand Hand in Hand, die Hafenarbeiter in Danzig, der polnische Papst, die friedliche Grenzöffnung. Das alles waren wirkungsvolle Bausteine auf dem großen Einigungsweg. Mit dem Friedensnobelpreis ist nach Langem mal wieder ein EU-Baustein mit Wirkung vorzeigbar! Hunderte von Milliarden Euro wurden 2008 ff. aufgeboten, um das Bankensystem vor dem Zusammenbruch zu bewahren, und die Bürgschafts-Schutzschirme für Griechenland und andere werden in Frage gestellt. Ein hoch all den Politikern, die dieses europäische Einigungswerk zustande brachten! Seit dem Wiener Kongress 1814/15, auch "Tanzender Kongresse" genannt, basteln wir an der Karte "Europa" – und waren im Einigungsbemühen noch nie soweit fortgeschritten wie heute. Die wirtschaftlichen Verflechtungen gehören mit in diesen "Dampfer".

 

11. Dezember – Dienstag

Opel schließt Bochum


Die Malaise um die Opel AG kann man nur noch vornehm als "circulus vitiosus", als Teufelskreis umschreiben. Eine Rettungsaktion schlägt die andere. Und das seit nunmehr sechs Jahren. Und die Spirale von einst 20 Prozent Marktanteil dreht immer weiter abwärts, bald unter sieben Prozent. 2012 sind bei Opel die "taktischen Zulassungen" bis Ende Oktober mit 55.232 größer als die privaten Zulassungen mit 53.060 Einheiten. Jetzt ist Bochum getroffen.  

Es wird zukünftig noch zwei Opel-Werke in Deutschland geben, Rüsselsheim und Eisenach. Und selbst dort hält man noch weitere Überkapazitäten vor. Opel hat zentral das Problem der Menge und inzwischen ein gigantisches Marken-Image-Problem. Menschen mögen Sieger. Wenn aber eine Marke die "gelbe" Farbe trägt und seit über zehn Jahren "rot" aussieht, dann hat das Wirkung. Opel verfügt heute über attraktive Produkte. Der neue Adam wird seine "Eva" finden, er hat einen besonderen Charme. Und dennoch fehlt Opel das Kapital für den Faktor Marketing, um das Image nachhaltig zu drehen! Den Markteinbruch in Europa hat ja nicht Opel zu vertreten, er geht von der Überschuldungssituation einiger EU-Länder aus. Wenn aber die Mutter GM die außereuropäischen Expansionskräfte für Opel einengt, so sollte man sich bei GM über daraus entstehende Subventionszwänge nicht wundern. Opel ist produktionstechnisch und wirtschaftlich zu einer Mindestverkaufsmenge verdammt, um überhaupt das Ganze noch stemmen zu können.

Es gehört dann zum Ritual, dass man Schuldige finden muss. Wer heute als Hoffnungsträger gefeiert wird, ist morgen selbstredend Bauernopfer. Da hat man endlich nach Jahren einen vorzeigbaren Vorstandsvorsitzenden, Karl-Friedrich Stracke, und siehe da, er wird mangels radikaler Sanierungsfortschritte "enthauptet". Gewiss, Herr Stracke – einst Werksleiter in Bochum – hatte wohl als Techniker nicht die Statur, die man als Sanierer braucht. Das weiß man aber doch im Voraus. Dann startet zum 1. Juli Alfred E. Rieck als neuer Vertriebsvorstand. Nachfolger von Alain Visser. Rieck heuert – wie das in der Branche so gang und gäbe ist – für den deutschen Vertrieb und den Marketingbereich zwei neue Herren, Matthias Seidl und Carsten Saile, von außen an. Wer das heute macht, wird mit einem noblen Arbeitsvertrag mit entsprechenden Abfindungsperspektiven ausgestattet. Opfer der zigten Neuausrichtung ist u.a. die bisherige Vertriebschefin Imelda Labbé, die ihre Aufgabe bei gegebenen kapitalen und personellen Mitteln nicht nur artig, sondern großartig gestaltete. Mit ihr saß eine Managerin auf dem Stuhl, die die Marke verkörperte und lebte. Und das mit viel Herzblut. Man denke an ihr Meisterstück, die neuen Händlerverträge. Die Werbefigur Jürgen Klopp ist ein Wurf. Die lebenslange Garantie im Verbund mit der CarGarantie oder die in Folge aufgelegte Rücknahme-Garantie dokumentieren Fahrzeugqualität. Das wirkt leider alles wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Keiner findet bislang die Loslösung aus dem "circulus vitiosus". Wirklich, ein Teufelskreis!

Vergangene Woche habe ich an dieser Stelle die Neuwagenperspektiven für das neue Jahr vorgestellt. Diese sieht für manche Marken recht mau aus. Der europäische Markt wird 2013 kein Wachstumsmarkt werden. Also gilt es, bei diversen Euro-Marken weiter Überkapazitäten abzubauen. Wer über den Handel der Zukunft spricht, hört dabei immer wieder die Vornehm-Vokabel Konsolidierung. Weshalb soll es diese in der Automobilindustrie nicht gleichermaßen geben. Oldsmobile und Saturn wurden vom Markt genommen. Die Anpassung schreitet 2013 fort. Wer wird nächstes Opfer sein? Umgekehrt, Nissan will die Marke Datsun aufleben lassen. Ergo: Es wird ein Kommen und Gehen sein! Möglicherweise mit noch mehr chinesischen Eigentümern.

Opel-GM-Karrikatur aus dem Handelsblatt

 

11. Dezember – Dienstag

Abi + Auto


Das Handwerk setzte nicht nur mit seiner Imagekampagne wirkungsvolle Akzente. Wie Phoenix aus der Asche legt jetzt die Handwerkskammer Unterfranken "Das Abiturientenprogramm im Kfz-Handwerk" auf. Das Handwerk und Abiturienten, welche Gegensätze! Jetzt werden dazu sichtbare Brücken gebaut. Hier die Theorie, dort die Praxis. Wer als "junger Mensch" über mehr praktische Fähigkeiten verfügt, sucht und braucht eine andere Art von Förderung. Über den Weg "Abi + Auto" wird genau diese Lücke geschlossen. Die "praktischen Studenten" werden auf dem neuen Weg systematisch auf eine Führungsposition oder die Selbständigkeit vorbereitet. In der praktischen Umsetzung dafür wurden in Landsberg und zukünftig in Haßfurt-Schweinfurt eigens für Abiturienten Berufsschulklassen eingerichtet. Mindestzahl 16.

Die Ausbildung zum Mechatroniker dauert 2,5 Jahre. Nach weiteren sechs Monaten kommt der Abschluss Technischer Fachwirt (HWK) hinzu. Dann geprüfter Kfz-Servicetechniker und die Ausbildereignungsprüfung. Das sind schon drei der vier Teile der Meisterprüfung. Im Anschluss daran besteht die Möglichkeit, in zehn Monaten den Kfz-Techniker-Meister und den Betriebswirt (HWK) (sechs Monate) zu erlangen. Für die praktische Umsetzung braucht man allerdings Autohäuser, die diese jungen Menschen fördern. Weitere Details siehe unter www.fahrzeugakademie.de/abi-plus-auto. Viele Wege führen nach Rom. Es soll unter jungen Menschen auch "Spätzünder" geben. Schön, wenn sie aufwachen und ihre Chance entdecken und nutzen. Das beste Rüstzeug für einen jungen Menschen ist eine gute Ausbildung. Das Handwerk hat die Abiturienten entdeckt. Gut so!

 

12.12.12 – Mittwoch

Automobiler Diebstahl


Heute, der 12.12.12., ein wunderbares, ja einmaliges Datum. Es wird es so nie wieder geben. Den 13.13.13. gibt es – noch – nicht! Übertragen wir dieses Zeitrechnungs-Phänomen auf eine ganz andere Ebene. Sie ist Realität und dennoch unfassbar. Ein Autohaus hat bis 22 Uhr geöffnet. Der Lkw-Services wegen. Der Betrieb ruht nun. Zwischen 22 Uhr und 24 Uhr brechen Diebe über die Werkstatt in den Verkaufsraum ein, enthebeln einen massiven Tresor und transportieren diesen in einen Nebenraum, schleifen ihn auf, entnehmen Schlüssel und Kfz-Briefe und machen sich mit sechs hochwertigen Fahrzeuge davon. Schaden hoch- und abgerechnet eine Million Euro. Um 24 Uhr kam der regelmäßige Wachdienst. Er entdeckte die Malaise. Da steckt – so die Aussage des Firmenchefs – systematische Beobachtung dahinter. Die Ausführenden sind vermutlich Handlanger von internationalen Profi-Banden. Die Konsequenz: wertvolle Fahrzeuge – auch im Ausstellraum – abschließen. Schlüssel und Kfz-Briefe in Sicherheitsverwahrung bringen. Nur das ist die Basis für den Ernstfall der Versicherung gegenüber.

 

13. Dezember – Freitag

Zum Tode von Thomas Urbach

Thomas Urbach
Thomas Urbach (†)
© Foto: Daimler


Du findest in deiner Tagespost einen schwarzgerandeten Briefumschlag. Du öffnest ihn als erstes. Jetzt bleibt dir der Atem stehen. Plötzlich trifft dich unvermittelt, unvorbereitet eine Todesnachricht mit ganz tragischem Hintergrund. So ging es mir, als mich die traurige Botschaft vom Tode Thomas Urbachs erreichte. Eine sehr ergreifende Briefkarte seiner Frau Beate und seiner Tochter Louisa. Thomas Urbach kannte ich persönlich aus seiner Zeit als Transporter-Chef bei der Mercedes-Benz-Vertriebs-Organisation Deutschland (MBVD) von 2005 an, bis er Anfang dieses Jahres Präsident von Mercedes-Benz in Korea wurde. Er war zuvor schon einmal für MB einige Jahre in Singapur tätig und hatte zu Asien eine besondere Affinität. In Sachen Transporter führten wir in Berlin das eine und andere Gespräch und Interview. Er lud mich zum Vortrag bei seinen Mitarbeitern in seinem Ressort ein, was alles andere als selbstverständlich war. Immer wieder verblüffte er mich mit seiner Offenheit und seinen mutigen Äußerungen. Auch bei unseren Transporterforen in AUTOHAUS. Bei seinen MB-Vertretern genoss er ein sehr hohes Ansehen. Man konnte mit ihm sehr gut die Klinge wetzen. Er war ein Mann der Realitäten, hatte Augenmaß und konnte gute Verbindungen herstellen. Thomas Urbach hatte Rückgrat! Diese Tugend fällt automobilistisch immer seltener auf.

Und worin liegt nun die ganz besondere Tragik? Am 5. Oktober wurde Thomas Urbach 50 Jahre alt. Eigentlich hatte er damit die zehn schönsten und besten Lebensjahre eines Mannes vor sich. Nun erfahre ich in der Trauernachricht etwas, wovon ich in allen Begegnungen mit ihm nicht auch nur einen Ansatz gespürt oder gar empfunden hätte, nämlich, dass er über viele Jahre psychisch zu leiden hatte. Er hat offensichtlich mit den "Seinen" viele seelische Höhen und Tiefen gemeistert. Er muss immer wieder hart mit sich und in sich gekämpft haben. Er hatte dank seiner Familie in diesen inneren Zerreißproben nie aufgegeben! Nun das Schreckliche. Das letzte dunkle Tal hat er jetzt alleine durchschritten und seinem jungen Leben selbst ein Ende bereitet. Welch unfassbarer Verlust! Welches Leid! Wir nehmen fassungslos von ihm Abschied. Thomas, wir sind Dir für Dein engagiertes und menschliches automobiles Wirken sehr, sehr verbunden. Unser tiefes Mitgefühl gilt ganz deiner Familie!

 

Spruch der Woche – zu Europa:

"Die schlimmsten religionslosen Verbrecher des 20. Jahrhunderts waren: Stalin, Hitler, Mao Zedong, Pol Pot." (Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Deutschen Bundestages)

Mit meinen besten Grüßen und Wünschen

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS

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1 Kommentar
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Michael Kühn
19.12.2012

Zum Tode von Thomas Urbach, - ich kann es ansatzweise sehr gut verstehen. Idealismus ist heute leider nicht mehr gefragt. Und wenn man erkennt, dass man wie ein "Don Quixote" gegen Windmühlen kämpft, kommt einem das eigene Engagement, von deren Richtigkeit man zu 100 % überzeugt ist, wie ein Fluch vor, dem man nicht entrinnen kann. Ich kannte ihn leider nicht persönlich, habe aber von seinen Überzeugungen gelesen/gehört. Diese besonderen Eigenschaften sind zur Zeit nicht "in" und es enden zwangsläufig in einer inneren Zerreißprobe: "Gute Mine zum bösen Spiel + um welchen Einsatz geht es hier? - Den Einsatz der Selbstverleugnung? - Entschuldigung, aber wenn ich meine Seele verkaufen muß, habe auch ich auf dieser Welt nichts mehr verloren. - Ich habe z. B. keine Familie, also warum sollte ich mein Rentenalter erreichen wollen? - Liebe Welt, ich habe mittlerweile auch keine Lust mehr auf den Kampf gegen Windmühlen! - Ich habe eine ganze Menge schöne Dinge im Automobilbereich erlebt und denke, - das war´s erst einmal...Ob meine derzeitige Umorientierung zielführend ist, bleibt abzuwarten...(Aber irgendwie hänge ich seelisch noch am Auto...)

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