Freitag, 25.05.2012
28.06.2010
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Elektro-Sportwagen

Mercedes SLS E-Cell "fliegt" ab 2013
Von Stefan Grundhoff/mid

Es ist früher Nachmittag in Kristiansund, einem kleinen Nest in West-Norwegen. In dem idyllischen Örtchen interessieren sich die Leute kaum für Autos – schon gar nicht für Sportwagen. Einen Mercedes SLS hat hier noch nie jemand in Natura gesehen, erst recht nicht in neongelb. Zwar gewöhnen sich die Anwohner schnell an den Anblick des grellen Papageien, doch das Aufsehen bleibt groß. Norwegen sieht sich als Ökostaat, versorgt sich selbst gerne mit Ökostrom aus Wasserkraft, ist jedoch einer der größten Erdölexporteure. Für die langen Distanzen und die großen Temperaturschwankungen eignet sich ein Elektroauto hier kaum, argwöhnt einer der neugierigen Zuschauer. Er hat nicht unrecht. Der grell-gelbe Mercedes SLS passt hier ungefähr genauso gut hin wie eine Elefantenherde in einen norwegischen Fjord.

Beim ersten Vollgasstoß gibt der Elektro-SLS kaum mehr als ein Surren von sich. Dennoch springt er gleich nach dem Start los und presst den Fahrer in den wenig stimmig kolorierten Sportsitz. Tempo 50, 100, 150 und schließlich 200 – die Tachonadel fliegt vorbei und kurz fällt bei der elektrischen Vollgasorgie auf, dass im Armaturenbrett gar kein Tourenzähler arbeitet. Wo sonst rechts die Drehzahl glänzt, zeigt ein Digitalinstrument Kraftfluss und Restkapazität des Akkupakets.

Das elegant sportliche Cockpit des Mercedes SLS ist bei der E-Cell-Version nicht wiederzuerkennen. So gibt es keine Tachonadel, sondern eine Tachoscheibe, die sich dreht und gewaltigen Vortrieb des Boliden visuell unterstreicht. Noch eindrucksvoller ist die Mittelkonsole, die von einem iPad-förmigen Großdisplay mit Touchscreen dominiert wird. Klimatisierung, Radio, Festplattenspieler oder Navigation, alles sieht perfekt aus und unterstreicht, dass der Mercedes SLS E-Cell an sich bereit für den Serienanlauf scheint. Auch außen sieht der Schwabensportler abgesehen von der polarisierenden Lackierung kaum anders als die Serienversion aus. Lediglich an den fehlenden Endrohren ist ein Unterschied zu erkennen.

Doch Kai Marten aus dem AMG-Vorstand dämpft die Erwartungen, die nach den ersten Kilometern noch gewaltiger werden. "Dadurch, dass bei der Gesamtkonzeption des Fahrzeugs bereits eine Elektroversion bedacht wurde, hatten wir einen Vorsprung. Doch es gibt in der nächsten Zeit für uns noch genug zu tun, ehe der SLS E-Cell serienreif ist." Während Audi seinen Elektroflitzer e-tron für 2012 angekündigt hat, will Mercedes seine Powerflunder 2013 in einer Kleinserie auf den Markt bringt. Mit dem Preis von 180 000 Euro für den gewöhnlichen SLS wird es dabei nicht getan sein. Der Preis dürfte sich für die ersten Modelle mindestens verdoppeln.

Zweitonner mit vier Elektromotoren

Vier Elektromotoren, die nahe den einzelnen Rädern untergebracht sind, verleihen dem SLS E-Cell wahre Flügel. Dabei kann der Prototyp aus Stuttgart sein mächtiges Eigengewicht von über zwei Tonnen nicht überspielen. In schnellen Kurven oder auch beim Spurt aus dem Stand auf 100 km/h in unter fünf Sekunden macht sich das Leergewicht allemal bemerkbar. Schließlich bringt der E-Cell gut 300 Kilogramm mehr als der Benziner auf die Waage. Die Lithium-Ionen-Akkus wiegen dabei allein 450 Kilogramm und sind im Mitteltunnel, im Vorderwagen und hinter den Sitzen untergebracht. Sie werden von Kokam, einem Batteriespezialisten aus Korea, zugeliefert. Der elektrische Allradantrieb und der niedrige Schwerpunkt steigern die Fahrfreude immens. "Im Vergleich zum normalen SLS ist der Schwerpunkt des E-Cell nochmals 23 Millimeter tiefer", erklärt Jan Feustel, bei AMG für den elektrischen SLS zuständig.

 

// Lesen Sie weiter auf Seite 2: Lange Ladezeit – Künstlicher Motorsound verpönt

 

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