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Nimmt auch betriebsöffentlich kein Blatt vor den Mund: Liqui Moly-Chef Ernst Prost.
Mitarbeiter-Mobbing
Liqui Moly-Chef in der Kritik
Dass Liqui Moly-Chef Ernst Prost in der Werbung und im Fernsehen ein offenes Wort pflegt, ist in der Republik bekannt. Auch betriebsintern nimmt der wortgewaltige Firmenpatriarch kein Blatt vor dem Mund. Seine Geradlinigkeit hat ihm nun scharfe Kritik eingebracht. Der "Stern" veröffentlichte in seiner aktuellen Ausgabe unter anderem eine E-Mail von Prost aus dem Jahr 2009, in der er einen entlassenen Manager wüst beschimpft. Pikant: Die Nachricht mit dem Betreff "Pfui Teufel" ging an alle rund 500 Beschäftigten der Ulmer Firmengruppe.
In der von dem Hamburger Magazin zitierten E-Mail nennt Prost den Ex-Mitarbeiter einen "jämmerlichen Spesenbetrüger", der "hinterfotzig auf Firmenkosten mit seinem angetrauten Mann mehr auf Lustreisen als auf Dienstreisen" gehe. Und weiter: "Nichts gearbeitet, der Firma geschadet, gelogen und betrogen. Ich sage Ihnen, ich könnte brechen."
Ein Arbeitsrechtler bezeichnete die Formulierungen gegenüber dem "Stern" als "eklatante Verletzung der Persönlichkeitsrechte" der Betroffenen. Sie seien "beleidigend und diskriminierend" und würden die sexuelle Identität des Ex-Mitarbeiters herabwürdigen.
Ein Liqui Moly-Sprecher erklärte auf Nachfrage von AUTOHAUS Online, es sei durchaus üblich, dass Mails an alle Mitarbeiter verschickt werden. Bei dem Betroffenen habe es sich um einen Manager der zweiten Führungsebene, einen Leiter einer Teilfirma gehandelt. Eine Demission von dieser Tragweite tangiere alle im Unternehmen. "Wir pflegen eine offene Kommunikation und daran wollen wir auch festhalten", betonte der Sprecher. Gleichwohl lasse sich über den Stil diskutieren. Ernst Prost stehe zu der Entscheidung, werde aber an seinem Sprachgebrauch arbeiten und weniger Kraftausdrücke verwenden.
Prost inszeniert sich in der Öffentlichkeit als sozial eingestellter Mittelständler, der deutsche Qualitätsprodukte in die ganze Welt liefert, hierzulande Arbeitsplätze sichert und den mächtigen Konzernen tapfer die Stirn bietet. Ähnlich wie Trigema-Eigner Wolfgang Grupp ist der 55-Jährige Selfmade-Millionär gern gesehener Gast in Fernsehtalkshows, wo er für Respekt und Anstand wirbt. Den Erfolg seines Schmierstoffunternehmens führt er dabei immer auf engagierte Mitarbeiter und Teamwork zurück.
Rückzug als Testimonial
Als Konsequenz der Enthüllungen will Prost nun als Werbefigur in TV-Spots und Anzeigen kürzer treten. "Ich will nicht mehr als Liqui Moly-Vorturner meinen Schädel mit meinen Gedanken und Überzeugungen zum Fenster hinaushängen", zitiert ihn der "Stern". Ein weiterer Grund für den Rückzug sei, dass Prost seine Omnipräsenz in den Medien überschätzt und darunter sein Privatleben gelitten habe, erklärte der Sprecher. "Ernst Prost will sich künftig voll und ganz auf seine Tätigkeit als Geschäftsführender Gesellschafter von Liqui Moly konzentrieren." (rp)
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(Foto: Liqui Moly)
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