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22.11.2012

Libanon

Autoproduktion im elterlichen Garten

Libanon
Autoproduktion im elterlichen Garten
Der Libanese David Frem stellt im Garten seiner Eltern Macho-Träume auf die Räder.
© Foto: http://www.facebook.com/pages/Frem-beirut-editon-car

"Geht nicht gibt's nicht" lautet das Motto von David Frem. Im Garten seiner Eltern baut der 30-jährige Libanese Sportwagen, die jedes Macho-Herz höherschlagen lassen.

Wenn David Frem durch die beschaulichen Hügel von Nakasch brettert, drehen sich alle Köpfe um. Der Gemüsehändler staunt. Die Soldaten an der Straßensperre glotzen. Ein Lieferwagen-Fahrer bremst mitten auf der Kreuzung. Mit offenem Mund und Neid im Blick starrt er dem großen weißen Sportwagen hinterher, der mit lautem Dröhnen durch die Landschaft braust.

Das Fahrzeug ist ein Macho-Traum mit dickem Auspuff, roten Renngurten, einem starken Motor und einem Design wie aus einem Action-Film. Die Innenausstattung des Sportwagens wirkt zwar etwas zurechtgebastelt, aber die handgefertigte Karosserie aus Fiberglas sieht cool aus und elegant. "Ist das ein Ferrari, ein Lamborghini?", rätseln die staunenden Passanten. Nein, der Libanese David Frem hat seinen heißen Schlitten selbst gebaut, so wie ein Junge, der zu Hause in der Garage eine Seifenkiste baut.

Nur ist Frem schon 30 Jahre alt und benutzt keine Holzlatten, sondern Metall und Fiberglas. Der weiße Sportwagen ist das zweite Auto, das er entworfen und produziert hat. Es fährt 280 Kilometer pro Stunde und beschleunigt rasant. Zurzeit ist der ehemalige Design-Student gerade ziemlich frustriert. "Mein Ziel ist es, hier im Libanon eine Autofabrik aufzubauen, aber staatliche Hilfen für junge Unternehmer gibt es in diesem Land leider nicht", klagt er. David Frem wohnt mit seinen Eltern in einer Souterrain-Wohnung in Nakasch, einem christlichen Vorort von Beirut. Zu der Wohnung gehört ein kleiner Garten. Hier schweißt, montiert und schmirgelt der Autodidakt an seinen Fahrzeugen.

Im Moment stehen dort Teile der Karosserie für sein drittes Auto: ein massiger, militärisch anmutender Geländewagen, den er "Frem Immortal" genannt hat. Dieses neue Modell will Frem verkaufen. 66.000 US-Dollar (52.000 Euro) will er für das Fahrzeug haben, das dicke Reifen und eine aggressive Vorderfront bekommen soll. Die Zulassung für den Wagen zu bekommen, sei kein Problem, meint Frem: "Es wird unseren Sicherheitsstandards hier im Libanon entsprechen, so wie auch meine zwei ersten Autos."

Investor gesucht

Doch bevor es soweit ist, muss Frem erst einmal das Geld zusammenkratzen, das er für den Motor und die anderen Teile braucht, die er über das Internet in den USA bestellt. In die Vereinigten Staaten, genauer gesagt in die Auto-Stadt Detroit, will er auch auswandern, wenn er mittelfristig keinen Investor für seine Fabrik findet. Denn so wie jetzt will Frem nicht mehr lange weitermachen. "Das ist doch kein Leben, ich muss auch an meine Zukunft denken", sagt er. Der unten am Hang gelegene Garten seiner Eltern, die in relativ bescheidenen Verhältnissen leben, hat keine Auffahrt. Deshalb muss Frem jedes Mal, wenn er ein Auto fertiggestellt hat, einen Kran bestellen, der den Wagen auf die Straße hievt.

Vor einigen Jahren sah die Zukunft für Frem noch rosig aus. 2009 durfte er in Detroit ein Modell vorstellen und gewann einen Design-Preis. Die Journalisten rissen sich um ihn. Den sunnitischen Milliardär und Politiker Saad al-Hariri konnte er von seiner Idee eines "libanesischen Autos" begeistern. Mit Hariris finanzieller Unterstützung baute er den weißen "Frem Beirut Edition". Doch dann wurde Hariri Ministerpräsident, seine Regierung wurde gestürzt, der Geschäftsmann verließ den Libanon.

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