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Kommentare () Kommentare (0) 14.09.2015

Schadensteuerung

Innovation Group vor Verkauf

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Innovation Group vor Verkauf
Die Carlyle Group will Innovation Group kaufen. Die Entscheidung fällt am 25. September.
© Foto: Innovation Group

Der US-Assetmanager Carlyle will anscheinend den britischen Schadensteuerer Innovation Group übernehmen. Die unter "Motorcare" in Stuttgart gegründete Firma durchlebte hierzulande eine wechselvolle Geschichte.

Die amerikanische The Carlyle Group (NASDAQ: CG), die vor drei Jahren bereits die Lacksparte des DuPont Konzerns gekauft hatte, steht anscheinend auch vor der Übernahme des britischen Schadensteuerers Innovation Group (IG). Die unter "Motorcare" 1996 in Stuttgart gegründete Gesellschaft durchlebte hierzulande eine wechselvolle Geschichte.

Der alternative Assetmanager Carlyle versteht sich selbst als "global agierende Beteiligungsgesellschaft". Das Interesse an der Übernahme der in London notierten Innovation Group ist offensichtlich, schließlich wurde auch bereits ein Preis offiziell benannt: Einer Pflichtmitteilung der Zielgesellschaft zufolge sollen es 40 Pence pro Aktie sein. Ende August stieg der Kurs kurzerhand um acht Prozent auf 38 Pence. Auf Basis der Offerte wird das Eigenkapital der Innovation Group, die sich von Investec beraten lässt, mit umgerechnet 770 Millionen US-Dollar bewertet. Das entspricht umgerechnet rund 679 Millionen Euro.

Kaufentscheidung fällt am 25. September

Innovation Group ist ein in 13 Ländern tätiger Dienstleister für Versicherungsunternehmen und für Flottenmanagement in Kfz-Schadenservice, IT-Lösungen und Software. Der Hauptsitz ist im südenglischen Whiteley. Die Aktie ist entsprechend einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters binnen zwölf Monaten um knapp 20 Prozent gestiegen. Nach den britischen Übernahmerichtlinien hat Carlyle noch bis zum 25. September Zeit, ein Angebot vorzulegen oder mitzuteilen, dass sie dies nicht vorhat. Innovation Group setzte 2014 (Stand: 30. September) 210 Millionen Pfund (rund 286 Millionen Euro) um und verdiente netto 11 Millionen Pfund (ca. 15 Millionen Euro).

"First Mover" für Schadenmanagement schlechthin

Vor nunmehr 19 Jahren begann mit der damals noch unter "Motorcare Service GmbH" in Stuttgart gegründeten Tochter des britischen Schadenslenkers die wechselvolle Geschichte der heutigen Innovation Group Germany, die noch immer in Stuttgart ihren Hauptsitz hat. Schadenmanagement hatte ihren Ursprung bei Motorcare genommen, schnell setzten die großen Versicherer (und später auch Flotten und Leasinggesellschaften) auf eigene, ähnliche Systeme oder ließen Unfallreparaturaufträge über die Motorcare direkt abwickeln. Der Markt war anfangs nachhaltig gespalten, bis Schadenmanagement vor allem bei Kfz-Schäden ein quasi weltumspannendes System wurde, das heute nicht nur Erst-, sondern auch Rückversicherer einsetzen und sich längst auch Automobilhersteller über ihre Finanzdienstleister zu eigen gemacht haben.

Motorcare änderte Namen und kaufte zu

Im Jahr 2000 erwarb die englische Innovation Group plc die Motorcare Service GmbH, 2006 folgte die Übernahme von REGU24 und die Gründung der Sparten Leasing und Part, 2008 kaufte Innovation Group auch die Flottensteuerer Nobilas Claims und Fleet Solutions. 2011 schließlich wurde die Wintec AG als Autoglas Franchise System in die "IG" mit integriert und damit das Autoglasgeschäft ebenfalls in eigene Hände genommen. 2013 folgte abschließend auch die Übernahme von Provalutas.

Zweimal direkt vor dem Abgrund

Zuweilen hat sich insbesondere die deutsche Innovation Group – respektive deren Vorläufer Motorcare – auch überhoben: Die öffentliche Kündigung seines Motorcare-Vertrages durch den früheren Offenbacher Vorzeige-Unternehmer und ehemaligen ZKF-Präsidenten Fritz Nagel waren ähnlich schwere Zeiten für das Unternehmen wie beispielsweise die Knebelverträge vor rund fünf Jahren, mit denen man an den eigenen Schadensteuerungs-Partnerbetrieben über Gebühr stark verdienen wollte. Erst nach Wochen lenkte die "IG" aufgrund branchenweiten Drucks ein; das war gleichzeitig auch die Geburtsstunde des Bundesverbandes der Partnerwerkstätten (BVdP e.V.), der bis heute eine wichtige regulative Funktion im Spiel der K&L-Kräfte inne hat. Das waren zwei markante Beispiele in der Geschichte von Motorcare/Innovation Group, bei denen das Unternehmen durchaus um seine weitere Existenz kämpfen musste.

Investor will Einfluss im Schadenmarkt zugewinnen

Carlyle, designierter Käufer der Innovation Group, hat im August 2012 bereits den Lacksektor der DuPont-Gruppe für 4,9 Milliarden Dollar gekauft. Damit bekamen auch die in Deutschland aktiven Lackmarken DuPont, Spies Hecker und Standox einen neuen Eigner. Die Lackmarke DuPont musste seinerzeit sogar in Cromax umbenannt werden. Die Lacksparte insgesamt firmiert seither unter dem Namen Axalta. Der Deal wurde seinerzeit im ersten Quartal 2013 abgeschlossen und rund 11.000 Mitarbeiter von Carlyle in den neuen Axalta-Konzern übergeführt.

Fakten zur Carlyle Group

Carlyle investierte bisher über vier Segmente – Corporate Private Equity, Real Assets, Global Market Strategies and Fund of Funds Solutions – in Afrika, Asien, Australien, Europa, dem Mittleren Osten, Nordamerika und Südamerika. Als Assetmanager verfügt das Unternehmen über Expertisen in verschiedenen Industrien. Dazu zählen: Luftfahrt, Verteidigung, Konsum & Einzelhandel, Energie, Finanzdienstleistungen, Pharma, Technologie & Dienstleistungen, Telekommunikation & Medien sowie Automobil & Transport. The Carlyle Group beschäftigt mehr als 1.300 Mitarbeiter in Büros auf sechs Kontinenten. (wkp)

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