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Kommentare () Kommentare (0) 23.11.2015

Weihnachtsansprache

Signale von 2015 für 2016

Weihnachtsansprache
Signale von 2015 für 2016
Hahn Edition: bag mobil Thitz 2014
© Foto: Hahn Edition: bag mobil Thitz 2014

Gute Traditionen soll man wahren. Prof. Hannes Brachat hat auch in diesem Jahr einen Vorschlag für eine Ansprache zur Weihnachtsfeier in Ihrem Autohaus.

Von Prof. Hannes Brachat

Erst markige VW-Schlagzeilen, dann Beckenbauers Sommermärchen. Und jetzt sollen wir auf dem Weihnachtsmarkt keine Bratwurst mehr essen. Dabei ist Fleisch ein wertvoller Bestandteil menschlicher Nahrung, da es viele lebenswichtige Inhaltsstoffe wie praktisch alle B-Vitamine, Eisen und Zink enthält. Der Geruch der Imbissbuden muss bleiben. Ebenfalls der Geruch der Fußballplätze. Und was machen wir mit Volkswagen? Ohne Frage kostet dieses "Diesel-Gate" international ein Stück deutsches Industrieimage. Offensichtlich musste es erst einen richtigen Schlag tun, um die Ära nach Piëch-Winterkorn einzuläuten, nachdem die beiden Herren nicht nur ihr eigenes Strategieteam waren, sondern Angst zum Führungsprinzip gehörte. Jetzt endlich rührt sich auch die Politik. 2017 sollen dann die Verbrauchswerte eines Fahrzeugs unter Straßenbedingungen getestet werden. Es wird höchste Zeit!

Zukunftsentwicklungen

Wir durften im September die 66. IAA erleben. 85 Weltneuheiten wurden in Frankfurt aufgelegt. Bis da jeder Verkäufer die Namen eines jeden Modells weiß? Drei große Herausforderungen für die Zukunft gilt es von der IAA zu vermelden. Erstens: Alternative Antriebe. Zweitens: Fahrzeug-Assistenzsysteme. Drittens: Das selbstfahrende Automobil. Hybrid- und Elektroantriebe sind wichtige Technologien unter Nachhaltigkeitaspekten. Es geht in Zukunft nicht mehr um Abgase, sondern vor allem um die Automobiltechnik. Die Zelltechnologie, der Schlüssel für das Elektroauto, ist in der Hand koreanischer, japanischer und chinesischer Hersteller. Und soll das E-Mobil in Deutschland endlich einen Durchbruch schaffen, bedarf es einer Infrastruktur mit mindestens 11.000 Ladestationen. Selbiges gilt für das Wasserstoffauto. Solange da kein Versorgungsnetz steht, läuft im Verkauf nichts. Assistenzsysteme, ob Einparkhilfen, Abstandswarner, Head-up-Display oder eCall, sie werden das Autofahren sicherer und komfortabler, aber technisch noch anspruchsvoller machen. Und das selbstfahrende Auto wird eines Tages das Auto zum mobilen Wohnzimmer bzw. zur rollenden Disco machen. Wir dürfen aus diesen Entwicklungen den Schluss ziehen, dass wir alle mit dem Produkt Auto eine sehr gute Zukunft haben werden.

Konjunkturelle Entwicklungen

Im Rückblick für 2015 dürfen wir trotz Griechenland und trotz der Flüchtlingsströme auf eine befriedigende Konjunkturlage schauen. Im Neuwagenbereich werden wir abermals bei drei Millionen Einheiten landen, im Gebrauchtwagensektor bei sieben Millionen. Wo aber zwickt die Kiste? Die Fahrzeuge werden qualitativ besser. Damit ist ein Rückgang in der Serviceauslastung verbunden. Die Kosten im Service steigen, sprich der unproduktive Anteil steigt. Die Preislandschaft im Service ist an der Oberkante angekommen. Die Konsequenz: Wo können wir Kosten reduzieren? Wo effizienter werden? 2016 werden wir das Thema Werkstattauslastung, sprich die Marktpotenzialausschöpfung und damit das Thema Service-Marketing auf die Handlungsagenda setzen müssen.

Mehr Freude macht das Gebrauchtwagengeschäft. Da konnten wir in 2015 sowohl im Umsatz als auch im Ertrag zulegen. Das Standzeitenmanagement haben wir ganz gut gestaltet. Auch in Sachen Einkaufsquellen kamen wir weiter. Was uns strukturell am meisten zu schaffen macht, ist die Entwicklung auf der Neuwagenverkaufsachse. Es ist nicht die Verkaufsmenge, sondern der unbefriedigende Ertrag pro Einheit. Das vorhandene Überangebot an Fahrzeugen aufgrund zu hoher Zielvorgaben führt zu einem brutalen Preiskampf. Wir stehen da in einem Verdrängungswettbewerb. Wir sind ja redlich bemüht alles zu tun, was uns Vorteile bringt.

Virtueller Vertrieb

Wir betreiben heute in Wahrheit zwei Autohäuser. Ein stationäres und ein virtuelles. Es geht darum, auf beiden Beinen zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Informationen und das richtige Angebot für den Kunden anbieten zu können. Und da spielen sich im Internetverkauf Dinge ab, die abseits von fairem Wettbewerb liegen. Sie müssen sich vorstellen, unter www.sixtneuwagen.de werden Neuwagen aller Marken angeboten, obwohl Sixt nicht einen einzigen Händlervertrag hat. Wie geht das? Oder freie Börsen ködern mit Schnäppchenangeboten, sprich hohen Rabatten, die es in Wahrheit allenfalls einmal als Ausnahme gibt. Die Sitten sind hier alles andere als aus weihnachtlichem Lichterglanz. Hier sind politisch dringend Impulse für faire Spielregeln notwendig.

Die eigene Szenerie

Was hat sich in unserem Hause 2015 zugetragen?

(Nennen Sie hier Informationen zu Geschäftsverlauf, Mitarbeiterzahl, Mitarbeiterjubiläen, Todesfälle, Produktneueinführungen, Eventveranstaltungen, Ausbildungsplätze, Neu- oder Anbauten, Innovationen, Internetauftritt, Schulungen usw.)

Sie wissen, jedes Spiel wird von der Qualität des Teams wie durch einen guten Trainer entschieden. Wir alle haben dieses Jahr viele gemeinsame Spiele gespielt. Dabei ragten auch einige Torjäger heraus. Wir haben auch das eine und andere Spiel verloren. Das ist Business. Ich bin in der Rückblende stolz auf das, was wir gemeinsam "produziert" haben. Wir wissen um unsere Verbesserungspotenziale. Daran werden wir 2016 weiter feilen. Die Ziele für 2016 stehen. Im Neuwagenbereich wollen wir (...) Einheiten, im GW-Bereich (...) vermarkten. Im Service wollen wir (...) Durchgänge kundennah gestalten. Das sind ehrgeizige, aber gestaltbare Größenordnungen.

Das Beispiel Volkswagen zeigt uns, dass man nur mit Werten Werte schaffen kann. Diese heißen für uns: Wertschätzung, Kompetenz, Vertrauen, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Innovationsfähigkeit, Freude. Diese werden wir 2016 in unserem Alltag für unsere Kunden leben. Die Konjunkturdaten 2016 dürfen uns dabei zuversichtlich stimmen. Unsere Aufgabe ist es, stets unsere Kernkompetenz zu modernisieren. Jedes Geschäft ist eine Vereinbarung mit der Zukunft! Jeder Kundenkontakt ist eine Chance!

Politische Dimensionen

Lassen Sie mich zum Schluss noch zwei für mich sehr wichtige Gedanken aus diesem Jahr anführen. Wir dürfen zum Fest der Feste, zu Weihnachten, dem Friedensfest, auf 70 Jahre Frieden auf deutschem Boden zurückblicken. Das ist seit 1.000 Jahren die längste Friedenszeit. Wir haben ebenso 25 Jahre Grenzöffnung gefeiert. Bitte, eine friedliche Revolution, die wir 1989 erleben durften. Wenn Sie in Eisenach auf der Wartburg im Festsaal stehen, begrüßen Sie dort unsere Nationalfarben. Schwarz, Rot und Gold stehen heute für Einigkeit und Recht und Freiheit. Was in den 25 Jahren Wiedervereinigung gelungen ist, darf uns stolz machen und mit Freude erfüllen. Nun wird die Flüchtlingsfrage zur weiteren großen Herausforderung.

Ein zweites Erlebnis, das uns alle dieses Jahr unter die Haut ging, war das "Charlie Hebdo"-Attentat in Paris. Der Terroranschlag auf die Satirezeitung kostete zwölf Menschen das Leben. Am 11. Januar 2015 kamen in unmittelbarer Folge Angela Merkel, François Hollande, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und weitere 45 Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt mit 1,5 Millionen Demonstranten in Paris zusammen. Dabei wurde jedem bewusst, dass eine bessere Welt möglich ist, mit "liberté, égalité, fraternité": Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Für das Überleben der Menschheit ist das Bewusstsein des Gemeinsamen wichtiger als das ständige Hervorheben des Trennenden. Man möchte zum Weihnachtsfest die Aussage treffen, dass Ethik wichtiger ist als Religionskriege. Und diese kulturellen Unterschiede bleiben weiterhin Herausforderung in der Integration mit den Flüchtlingen.

Ich wünsche Ihnen und all den Menschen, die Ihnen nahestehen, besinnliche und frohe Feiertage, echte, innere Glücksmomente und Erfolg im Neuen Jahr und verbinde das mit einem herzlichen Dank für das erfolgreiche gemeinsame Wirken in 2015.

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