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Dudenhöffer
"Offene Briefe wenig präzise und faktendünn"
Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat die Kritik des deutschen Autohandels an seinen Rabattstudien zurückgewiesen. Im Interview mit AUTOHAUS Online geht der Leiter des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen zum Angriff über und wirft seinen Gegnern vor, sie seien uninformiert: "Die so genannten 'offenen Briefe' sind wenig präzise und in erstaunlichem Maße faktendünn. Auch deshalb können wir das nicht sonderlich ernst nehmen." Der Autohändler Burkhard Weller hatte unlängst einen offenen Brief an Dudenhöffer geschrieben und darin die von dem Fachmann in regelmäßigen Abständen initiierte "Treibjagd der Neuwagen-Rabatte" angeprangert. Im Gespräch mit der Redaktion erläutert der Professor, wie seine Rabattstudien zustande kommen und vor welchen zentralen Herausforderungen die Händler stehen. AUTOHAUS Online: Aus dem Kfz-Handel werden immer wieder Vorwürfe laut – zuletzt in einem offenen Brief von Burkhard Weller –, Ihre Veröffentlichungen über Rabatte schadeten dem Automobilgewerbe. Was erwidern Sie? Ferdinand Dudenhöffer: Der Autohändler Weller und seine Bewunderer kennen offensichtlich unsere Analyse nicht. Wir recherchieren jeden Monat die aktuellen Herstelleraktionen, die im übrigen auf unserer Homepage im Detail abgerufen werden können. Derzeit werten wir monatlich über 300 Herstelleraktionen aus. Selbstverständlich sind da offizielle Angebote für individuell spezifizierbare Neuwagen von über 40 Prozent Preisvorteil vorhanden. Dazu müssen lediglich die Leasingraten, Anzahlungen, üblichen Restwerte sowie Garantie- und Wartungspreise zur Berechnung berücksichtigt werden. Können Sie uns ein aktuelles Beispiel nennen? Da wäre etwa der "Easy Drive Tarif" beim Peugeot 308 mit Null Euro Anzahlung, vier Jahre Garantie, vier Jahre Wartung und Verschleißteile sowie vier Jahre Mobilitätsgarantie, Monatsrate 129 Euro, Laufzeit 48 Monate, Laufleistung 10.000 km/Jahr. Möglicherweise fehlt dem Autohändler Weller die Information, wie man diese Dinge kalkuliert – oder er ignoriert sie einfach. Wie erheben Sie die Rabatt-Analysen? Selbstverständlich erfolgt dies bei uns nachprüfbar und unter Anwendung wissenschaftlicher – sprich intersubjektiv nachprüfbarer – Methoden. Dabei werden die von uns kalkulierten Restwerte mit anderen Restwertkalkulationen im Markt permanent gegengecheckt und überprüft. Insgesamt bilden unsere Daten also zu 100 Prozent den Markt ab – und zwar von der offiziellen Herstellerseite. Die so genannten "offenen Briefe" sind daher wenig präzise und in erstaunlichem Maße faktendünn. Auch deshalb können wir das nicht sonderlich ernst nehmen. Der Autohandel wird von einer Rabattspirale erdrückt. Wo liegen Ihrer Meinung nach die Ursachen? Die Händlernetze und die Autohausstrukturen sind nach meiner Einschätzung wenig innovativ. Ob es Sinn macht, im Internetzeitalter mit dem traditionellen Konzept – das ja in seiner Struktur gut 60 Jahre alt ist – unter einem Dach Neuwagen, Gebrauchtwagen, Services und Teile zu vermarkten, wage ich zu bezweifeln. Es gibt zusätzlich eine GVO, die explizit das Verkaufsgebiet eines Händlers auf die EU festlegt. Auch das ist seit 2002 bekannt. Wer trägt an dieser Entwicklung Schuld? Dass die Branche wenig innovativ ist, liegt sicher auch an den Autobauern. Dort ist bis heute kein Konzept vorhanden, wie man mit dem jetzt stärker kommenden Internet-Vermittlern umgeht. Das das ist ein offenes Geheimnis. Auf diesen Portalen sind derzeit beim neuen Golf in individueller Spezifikation Preisvorteile bis 20 Prozent möglich. Es spricht nach meiner Einschätzung nicht unbedingt für Professionalität im Handel, wenn ein Autohändler wie Weller darüber keine Information hat. Ein "Einfach-so-weiter" wird wenig erfolgreich sein. Da helfen auch keine offen Briefe, sondern eher Nachdenken. (se)
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(Foto: FH Gelsenkirchen)
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