Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will seine Macht bei VW weiter ausbauen. Der Sportwagenbauer plant nach einem "Focus"-Bericht die Erhöhung seiner Anteile an dem Wolfsburger Autokonzern auf 75 Prozent. Wiedeking könnte dann einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Volkswagen durchsetzen und hätte somit auch operativen Zugriff auf die Geschäfte von VW. Porsche wies den Bericht am Montag in einer Mitteilung zurück: "Die Spekulation, auf 75 Prozent zu gehen, übersehe die Realitäten in der Aktionärsstruktur von VW. Vor dem Hintergrund, dass das Land Niedersachsen als zweiter Großaktionär über 20 Prozent der Anteile an Volkswagen hält, ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, die dafür notwendigen Aktien aus dem Streubesitz zu erwerben." Sollte es zu dem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag kommen, würden die wichtigsten Entscheidungen nicht wie bisher im VW- Aufsichtsrat, sondern in der europäischen Porsche-Holding gefällt, so der "Focus" weiter. Die Stuttgarter könnten dann über Vorstandsposten, neue Fahrzeugmodelle oder Standorte bestimmen. Zudem würden sämtliche Gewinne auf ihr Konto fließen. Den übrigen Aktionären, vor allem dem Land Niedersachsen, stünden nur jährliche Ausgleichszahlungen zu. Rückenwind aus Brüssel Bei den Plänen zur Machtübernahme von VW erhält Porsche offenbar Rückenwind aus Brüssel. Im Kampf um das VW-Gesetz lehnt die EU-Kommission laut "Focus" die Pläne der Bundesregierung ab, Teile der gekippten Sonderregelung zu retten. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes habe bei einem Treffen mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erhebliche Bedenken gegen eine Gesetzesnovelle geäußert und eine Klage als mögliche Reaktion ins Spiel gebracht. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte kürzlich den Entwurf für ein neues VW-Gesetz präsentiert. Darin sind besondere Mitsprache- und Vetorechte für die Arbeitnehmer sowie das Land Niedersachsen enthalten. Der Europäische Gerichtshof hatte im Oktober 2007 im Kern das VW-Gesetz gekippt und damit für Porsche den Weg zur Übernahme von VW freigemacht. Das VW-Gesetz schrieb vor, dass jeder Aktionär in der Hauptversammlung höchstens 20 Prozent der Stimmrechte ausüben darf. Harter Gegenwind kam derweil erneut von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Zum erbitterten Streit um die Mitbestimmung in der geplanten Porsche-Holding sagte er in der Onlineausgabe des "Handelsblatts": "Wir machen weiter. Was soll ich denn meinen Kollegen sagen? War alles Quatsch?" Sollte es keine Einigung über die Besetzung in dem Gremiums geben, treffen sich die beiden Parteien im April vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht. Er kündigte an: "Wir werden das aber rechtlich voll durchziehen, durch alle Instanzen. Das kann dann allerdings ein paar Jahre dauern."
VW: Porsche hat noch Appetit
Der Sportwagenbauer plant laut Medienberichten die Erhöhung seiner Anteile an dem Wolfsburger Konzern auf 75 Prozent und könnte damit einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag durchsetzen. "Unrealistische Spekulationen", heißt es dazu aus Stuttgart.