Dienstag, 07.02.2012
08.02.2010
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Interview

Rademacher glaubt nicht an Pleitewelle

Die von Branchenexperten prognostizierte Pleitewelle im Kfz-Gewerbe wird es nach Einschätzung von ZDK-Präsident Robert Rademacher nicht geben. Der Autohändler rechnet aber mit einem weiteren Anstieg der Insolvenzen. "2009 gab es rund 1.250 Verfahren, ein Viertel mehr als im Vorjahr. Dieses Niveau könnte 2010 noch einmal überschritten werden", sagte Rademacher dem "Tagesspiegel" (Online-Ausgabe). Im Jahr eins nach der Abwrackprämie erwartet Rademacher 2,8 Millionen Pkw-Neuzulassungen in Deutschland. Das wäre ein Rückgang um eine Million Einheiten im Vergleich zum vergangenen Jahr. "Wir fallen 2010 dorthin zurück, wo wir ohne Abwrackprämie 2009 gewesen wären. So gesehen erleben wir keinen Sturz ins Bodenlose." Die Durchschnittsrendite 2009 bezifferte der oberste Händlervertreter mit unter einem Prozent vor Steuern. "Wir haben noch keine genauen Zahlen, aber wir gehen davon aus, dass 2009 aus der roten Null eine schwarze Null geworden ist." Dieses Niveau dürfte im laufenden Jahr gehalten werden. 2008 lag die Rendite im Schnitt noch bei minus 0,6 Prozent. Angesichts der grassierenden "Rabattitis" erklärte Rademacher gegenüber der Zeitung: "Es wird schwer, die Preise wieder auf ein betriebswirtschaftlich vernünftiges Niveau zu bringen." Er appellierte an die "Intelligenz der Autokäufer": "Sie werden verstehen, dass 2009 mit Nachlässen von 20 und mehr Prozent kein normales Jahr war, welches auch ohne Abwrackprämie einfach fortgeschrieben werden kann." Eine Kreditklemme im Kfz-Handel will Rademacher nach eigenen Angaben noch nicht ausgemacht haben, wenngleich die Geldbeschaffung für die mittelständischen Betriebe immer schwieriger wird. Alle Banken seien vorsichtiger geworden, auch die Autobanken. Er empfahl den Händlern, das offene Gespräch mit den Instituten zu suchen. "Das mag in vielen Fällen nicht einfach sein, aber es bildet Vertrauen." Gut die Hälfte der Autohäuser vegetiere mit einer Eigenkapitalquote zwischen fünf und zehn Prozent dahin. "20, besser 25 Prozent wären gesund", sagte er. "Es muss dringend mehr passieren" An die Adresse der Hersteller richtete Rademacher den Wunsch, sich dem Handel gegenüber verantwortlicher verhalten: "Der deutsche Autohandel braucht ein neues Geschäftsmodell." Am drängendsten sei das Problem mit den Leasing-Rückläufern. Er lobte das Vorpreschen von Daimler mit dem neuen Restwertabsicherungsmodell (wir berichteten) und entsprechende Pläne bei Volkswagen und BMW. "Einen echten Kompromiss mit ihren Händlern haben sie aber noch nicht gefunden. Es muss dringend mehr passieren", forderte der ZDK-Präsident. (rp)

 
 
 

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KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

09. Februar 2010 22:40
Eugen Thoma meint:
Eine Umsatzrendite von rund einem Prozent ist für einen Mittelständler der Tod, dieser Satz mag für Aldi / Lidl mit ihren Milliardenumsätzen
ja einige Zeit funktionieren.
Wenn ich jedoch sehe und höre, was sich die Autohäuser von den Herstellern alles aufs Auge drücken lassen, dann bin ich mir ganz sicher, dass die Pleitewelle weiter geht. Ein Anstieg um 25% im 2009 ist leider noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, 2010 wird eher noch härter, weil viele Betriebe sich noch ins neue Jahr gerettet haben.


09. Februar 2010 09:47
Thomas Meier meint:
Eigentlich regelt sich so ein Problem durch den Markt. Wenn die Rendite zu neidrig ist und der Betrieb nicht mehr attraktiv ist, bleibt immern och der Verkauf und die Aufgabe des Unternehmertums. Wir sind ja schließlich alles freie Menschen. Wenn das Autohaus insgesamt nicht mehr rentabel ist, wird sich auch kein freier Unternehmer mehr finden, der es freiwillig macht.
Damit müssen die Hersteller reagieren und den Vertrieb für den Unternehmer wieder attraktiver gestalten.
Aktuell kennt jeder die Problematik, aber die Authäuser krebsen ja so weiter und bei den Herstellern ist keine Gefahr im Haus. Wenn dann gehen ja die unabhängigen Unternehmer hops...


09. Februar 2010 08:49
Peter Handel meint:
Wann gehen wir endlich offen mit dem Thema der ungenügenden Rendite in unseren Autohäusern um. Wenn wir dies nicht offensiv auch in der Öffentlichkeit besprechen, werden wir nichts ändern können. Gerade die Verbandsspitzen dürfen nicht aus falschverstandener "Positvdarstellung" dieses Problem kleinreden.

Es ist nicht Schwäche, zuzugeben, dass das derzeitige Geschäftsmodell keine Rendite mehr ermöglicht. Es wäre Stärke offen und offensiv über Wege nachzudenken, wie wir dies ändern könnten.

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