21.10.2008
Dudenhöffer
Dudenhöffer: Kritik am Berliner Konjunkturprogramm.

Regierungsprogramm als Krisenverstärker

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hat das von der Bundesregierung angekündigte Konjunkturprogramm mit Anreizen zum Kauf umweltfreundlicher Neuwagen scharf kritisiert. Die angedachten Steuererleichterungen seien "eindeutig der falsche Weg", heißt es in einer am Dienstag vorgelegten Stellungnahme Dudenhöffers, der als Professor an der Universität Duisburg-Essen arbeitet. Von 100 in Deutschland möglicherweise künftig subventionierten Neuwagen stammten höchsten 45 aus heimischen Fabriken, so der Experte. Ein Großteil des Programms gehe damit an den deutschen Werken vorbei.

Noch nicht berücksichtigt sei dabei, dass in Deutschland eher größere Fahrzeuge gebaut werden. Daher könne es nicht ausgeschlossen werden, dass die Nachfrage sogar verstärkt zu im Ausland gebauten kleineren Modellen umgeleitet werde. "Es könnte sogar ein Programm werden, das die Autofabriken in Deutschland in der Krise zusätzlich schädigt", so Dudenhöffer.

Gleichzeitig gingen rund drei Viertel der in Deutschland produzierten Wagen in den Export, so dass mögliche Steuervorteile in Deutschland beim Verkauf dieser Neuwagen keine Rolle spielten. Auch in Deutschland sei damit zu rechnen, dass Steuervorteile aus einem Konjunkturprogramm eher zu so genannten Mitnahmeeffekten führen würden. "Ein Käufer mit Zukunftsangst ist ein schlechter Käufer. Den bewegt man auch mit drei Prozent mehr Rabatt nicht zum Kauf", erklärte Dudenhöffer.

"Merkel hat bereits Schaden angerichtet"

Einen Schaden habe das Programm derzeit jedoch voraussichtlich bereits durch die Ankündigung der Kanzlerin verursacht. Damit hätten jetzt eine Kaufzurückhaltung und das Abwarten auf die Geldgeschenke der Bundesregierung eingesetzt. Als besseren Weg zur langfristigen Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie nannte Dudenhöffer etwa eine Stärkung von Forschung und Entwicklung.

 

// Lesen Sie weiter auf Seite 2: Verkehrsclub verlangt höhere Kfz-Steuer für "Stinker"-Neuwagen

 
 
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KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

22. Oktober 2008 10:52
Neppi meint:
Da, laut Herrn Dudenhöfer, von 100 subventionierten Fahrzeugen nur 45 aus deutscher Produktion kommen werden ist doch ein deutliches Zeichen dafür, dass die deutsche Automobilindustrie den Trend zu sparsameren, umweltfreundlichen Autos verschlafen hat, oder? Die Subventionierung kann nur ein zusätzlicher Anreiz sein in diese Richtung weiter zu entwickeln. Vielleicht wird sich dann sogar der Anteil verschieben.

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