Samstag, 26.05.2012
13.10.2009
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Thema

Renault auf Schleuderkurs
von Hans-Hermann Nikolei, dpa

Den ertragsstärksten Autokonzern Europas wollte er bauen und einen der drei größten Hersteller weltweit – der Managerstar Carlos Ghosn hatte für Renault große Pläne. Doch dann kam es Schlag auf Schlag: Die Oberklasse-Strategie floppte, Bündnispläne mit Ford und General Motors scheiterten, die Finanzkrise verhagelte die Erträge und das Engagement beim russischen Branchenprimus Avtovaz wird zum teuren Abenteuer: Renault ist ins Schleudern gekommen. Alle Hoffnungen ruhen nun auf dem Elektroauto. Der Flitzer soll den Konzern zurück auf die Überholspur bringen. 2006 war "Super-Ghosn" noch voller Angriffslust. Mit 26 neuen Modellen wollte er die Fertigung bis 2009 um 800.000 auf 3,33 Millionen Autos hochtreiben wollen. 2010 sollte (mit den Töchtern Dacia und Samsung, aber ohne die Konzernschwester Nissan) die Marke von vier Millionen geknackt werden. Zudem wollte Ghosn GM oder Ford in den Konzernverbund Renault-Nissan einbinden und damit Konkurrenten wie Volkswagen oder Toyota die Rücklichter zeigen. Im Rückblick wirkt das Szenario wie ein Traum. Die Welt sieht nach der Finanzkrise anders aus. Im ersten Halbjahr 2009 setzte Renault nur 1,1 Millionen Autos ab, und auch das nur dank großzügiger Verschrottungsprämien. Zwar verteidigte die Marke ihre Marktstellung. Doch statt sechs Prozent Rendite fuhr der Konzern 2,7 Milliarden Euro Verlust ein. Der Staat musste Renault mit drei Milliarden Euro unter die Arme greifen. Den "american dream" verwirklicht jetzt Fiat, und der Aufbruch in die Oberklasse ist gestoppt. Oberklasse-Modelle ohne Nachfolger Der Absatz der einst revolutionären Großraumlimousine Espace brach seit Jahresbeginn um mehr als die Hälfte ein. Das Modell läuft aus und ein Nachfolger wird vorerst nicht entwickelt. Der Luxuswagen Velsatis, am Markt ähnlich erfolglos wie der Phaeton von Volkswagen, verschwindet ohne Nachfolger. Renault konzentriere die Entwicklung auf das E-Auto und die Motorenleistung, heißt es.

 

// Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auch Dacia stößt an Grenzen – Fokus auf Elektroautos

 
 
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KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

30. Oktober 2009 10:37
Thomas Kohler meint:
Es geht doch in erster Linie auch um die Frage, "wie schaffe ich es meine Kunden an mich zu binden?" -- und das geht eben nur durch guten Service und Kulanz.
Wenn ich daran denke, wie lange die Hitze-Probleme mit dem 2.2 DCI und den 3 Liter Motoren bekannt waren und wie die Kunden damit im Regen stehen gelassen wurden. Spät, viel zu spät kam die Einsicht, dass man hier mehr Kulanz dem Kunden gegenüber zeigen muß. Abgesehen von der Tatsache, dass diese Motoren im Espace und VelSatis also den "Oberklassemodellen" verbaut wurden...

Und dann den Scénic als Hausinternen Konkurrenten zum Espace weiterzuentwickeln. Wer denkt sich soetwas aus?

Weiter, der Durchschnittsverbrauch: Während mein 2.0 DCI Grand Espace in der Stadt nicht unter 10 Liter Verbrauch zu bekommen ist, hatte ich nun zwei Wochen einen neuen Galaxy zur Verfügung, der locker mit 8 Liter und darunter auskommt.

Weiter, zum Design: Mutig, Mutig, der alte Megane aber kein Schwein hat ihn gekauft. Dasselbe gilt für den Avantime und den VelSatis. BMW hat es ja auch erkannt: Chris Bangles Design-spielereien durch konservativere Linien ersetzt. Warum nur meint Renault, das man durch extravagantes Styling in diesem Segment Kunden gewinnen kann?

Und abschließend der horrende Wertverlust. Wer einmal miterlebt hat wie wenig ein gebrauchter Scénic, Espace, etc. bei Inzahlungnahme/Verkauf noch bringt, der drückt den Händler beim Neukauf bis aufs Blut, womit ein unheilvoller Kreislauf in Gang gesetzt wird: Die Autos werden verramscht und keiner will sie als Gebrauchte in Zahlung nehmen.


27. Oktober 2009 14:50
andre aslau meint:
Geplatze Träume oder ein ignoranter Spinner ?!

Herr Goshn hat wirklich voll daneben gepackt. Mittlerweile versucht man, durch die Zurechnung der Marke Dacia (welche sicherlich ausschließlich durch die Abwrackprämie ein Zwischenhoch erlangte) die Marktanteil zu retten - Renault selbst liegt aktuell so tief wie nie !

Und dann konnte man als einziger Hersteller die Abwrackprämie kaum nutzen, vergraulte Kunden durch gar keine oder ausserirdische Liefertermine, nahm den Händlern die Eigendisposition ab, untersagte Bestellungen von Lagerfahrzeugen und und und.

Ergebnis: erst mit dem Monat August konnte man endlich wenigstens die Zahlen des Vorjahres kumuliert erreichen - wohlgemerkt OHNE Abwrackschub in einem schlechten Absatzjahr 2008.

Der Espace ist bisher nicht neu entwickelt - ein Wahnsinn. Man sollte sich wieder zu den Grundlagen begeben und nicht unbedingt die Einstiegspreis immer höher setzen.

Vel Satis und Avantime waren schon aufgrund der Optik absolute Rohrkrepierer - die Qualität hatte mit dem nicht vorhandenen Absatz gar nichts zu tun. Die war erst danach wieder ein Thema.

Ein Renault Modus hinkt stark, der neue Kangoo ist zwar gut, kostet aber auch min. 2.000,- bis 3.000,- mehr als der Vorgänger und die aktuell hervorragenden Qualitäten des neuen Laguna (Top-Qualität, unerreichte Garantieleistung, gute Tests, Top J.D.Power usw.) kann niemand transportiern.

Das Megane CC kommt 2 Jahre nach dem französischen Wettbewerb, ein 206/207CC - Konkurrent wird seit gefühlten 10 Jahren vermisst.

Renault hat eine Menge zu tun - der Marktanteil sinkt, vom größten Importeur ist man zwischendurch immer wieder weit weg und die Modellpalette weist Lücken auf - ob die vollmundige "Elektro-offensive" so kommt, wagen viel Insider zu bezweifeln.

Der Hersteller verdient nichts, die Händler umso weniger. Horrende Restwerte drücken die Erlöse und trotzdem unternimmt man nichts.

Es ist nun Zeit zum anpacken und nicht für die Träumereien eines selbstherrlichen Herrschers.


15. Oktober 2009 18:59
Sepp meint:
Eigenartige Preispolitik, schlechte Qualität, hoher Druck auf den Schultern der Händler, und eindeutig zu viele Modelle mussten Renault ja in verderben führen.
Die "alten" traditionellen Händler hohlen sich immer mehr eine Zweit- bzw. Drittmarke ins Haus um den Kunden nicht kompl. zu verlieren.

Restwertstabilität erreicht man nicht unbedingt über Preistreibereien.
Gute Qualität nicht durch "ich bring diese Erfindung als erster auf den Markt" Erst ausgiebig testen, dann rausbringen.
Zufriedene Händler nicht durch übertriebene Abnahmeverträge und gute Verkäufer nicht mit einem Twingo/Clio als Dienstwagen.

Idee an Renault. Subventioniert doch einfach mal euren Verkäufern ein Laguna Coupe, oder Koleos oder Megane Coupe als Dienstwagen und ich denke es wird sich lohnen.

Weiter so Renault, denn VW ist noch weeeeeeeiiiiiiiit weg !!

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