Freitag, 25.05.2012
14.08.2009
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Kommentar

"Rette sich, wer kann"
von Doris Plate (Redakteurin AUTOHAUS, Leitung Fabrikate)

Die Nolte-Gruppe vertreibt künftig auch Volkswagen, die AVAG macht in München Ford, Ebbinghaus wird Kroymans-Nachfolger bei Ford in Dortmund. Immer mehr Opel-Händler übernehmen andere Marken, um ihr Überleben zu sichern. Schon länger haben die einst exklusiven Partner des Blitz andere Marken im Portfolio, denn der Marktanteil der Volumenmarke hat in den vergangenen Jahren schon stark abgenommen. Jetzt wird es aber noch härter, schließlich geht das Gezerre um die Opel-Übernahme schon Monate. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Gleichzeitig benützt der Hersteller aus Rüsselsheim seine Händler als Bank: Die Partner sind es, die den kränkelnden Produzenten seit Monaten am Leben erhalten. Während die Marke großflächig mit Vergünstigungen wirbt (2.500 bis 3.500 Euro beim Astra, 4.000 beim Zafira, 1.500 bei Meriva und Corsa) müssen die Händler diese Summen, die automatisch jedes Geschäft für sie zuerst einmal zum Minus-Geschäft machen, vorstrecken. Anschließend warten sie bis zu fünf Wochen bis zum nächsten Zahlungslauf und hoffen, dass die Adam Opel GmbH bis dahin nicht Insolvenz angemeldet hat und sie die von ihnen vorgestreckte Verkaufsförderung nicht mehr erstattet bekommen. Kein Wunder, dass da so mancher Opel-Händler nicht mehr ruhig schläft angesichts sechs- und siebenstelliger Beträge, die er da als Außenstände verzeichnen muss. Schon wenn einer 30 Astra verkauft hat, hat er 100.000 Euro an Verkaufsförderung von Opel zu bekommen! Darauf basiert vor allem die Angst vor der Insolvenz des Herstellers. "Wenn Opel morgen Pleite macht und unsere Forderungen nur noch zur Insolvenztabelle angemeldet werden können, können wir auch zumachen", heißt es landauf landab in den Betrieben. Da hilft dann auch die zweite, dritte oder vierte Marke nicht mehr. Dafür müsste die Bundesregierung mit ihren "Hilfsmitteln" sorgen, dass die Händler nicht auf ihren Forderungen sitzen bleiben. Und die Arbeiter in den veralteten Werken in Bochum und Kaiserslautern brauchen neue Jobs. Auch dafür sollte sich Berlin einsetzen. Ob Opel dann noch gebraucht wird, ist eine andere Frage. Wenn die Folgen für die Betroffenen abgemildert werden, kann über eine Planinsolvenz nachgedacht werden. Denn, wenn man sich anschaut, dass der Hersteller derzeit seinen "Partnern" zur geplanten Einführung des neuen Astra am 6. Dezember Pakete mit luxuriös ausgestatteten Christbäumen, die zu Verkaufspreisen über 30.000 Euro führen, aufs Auge drückt, muss man feststellen, dass die Marke offenbar immer noch nichts gelernt hat.

 
 
 
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KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

15. August 2009 09:05
Manfred Mann meint:
Da sind wir wieder beim Thema....wer braucht schon Opel? Bevor unsere Regierung das Geld als Sicherheit anbietet, und hinterher ja doch zahlen muss, sollte sie lieber sauber abwickeln um Folgeschäden zu verhindern und dann dicht machen. Wie gesagt...Niemand braucht Opel!


15. August 2009 08:24
M.Miethke meint:
Warum soll die Regierung dafür Sorgen, dass Opel nicht in Insolvenz geht. Nur damit die Opel Händler nicht Schwierigkeiten mit Ihrer Verkaufsförderung bekommen?
Wieder ist es der Handel, der die Verkaufsfördeung gerne nimmt an den Kunden weitergibt und letztlich "unruhig" schläft. Da Frage ich mich ob die Händler nichts aus der Vergangenheit gelernt haben. Wenn ich als Händler dieses Risiko (mein persönliches Existenzrisiko) in die Hände eines Herstellers lege oder legen muss, ist es besser gleich den Verkauf des entsprechenden Fabrikates einzustellen bzw das Risiko an andere "den Kunden" weiterzureichen. Der Hersteller hat die Verkaufsprämie an den Kunden zu zahlen und nicht an den Händler. In diesem Moment wird der Kunde entscheiden ob er persönlich das Risiko die Prämie zu bekommen oder nicht tragen will. Daran Glaube ich nicht. Aber der Händler soll Glauben? Als Händler sollte man sich jetzt freimachen von den Fesseln die einem der Hersteller auferlegt. Wer das nicht kapiert hat ist selbst Schuld. Dem hilft auch eine staatliche Unterstützung von Opel nicht mehr.


14. August 2009 19:40
Martin Oswald meint:
Das Geld, welches Opel im Moment mit vollen Händen zum Fenster rauswirft, um schwer verkäufliche Fahrzeuge an den Mann respektive die Frau zu bringen, sollte zur Sanierung des Unternehmens verwendet werden. Mal von der Wettbewerbsverzerrung abgesehen, ist der Weg, den Opel geht, geradezu selbstmörderisch. Der Sympathie, die Opel im Volk hat - wird Unverständnis und Ablehnung folgen, sobald der liebgewonnene, langjährige Opel-Partner seines Vertrauens in Folge diesen Treibens selbst ins Gras beißt. Daß die großen Händlergruppen auch andere Marken ins Portfolio nehmen, hat, meiner Meinung nach, rein wirtschaftliche Interessen. Heute Opel, morgen Ford übermorgen das, womit Geld verdient werden kann. Eine Marke leben ist diesen Warenhäusern vielfach fremd.

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