Samstag, 26.05.2012
19.02.2010
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Innovation Group

Skandal weit größer als bisher vermutet

Sowohl der Präsident des Zentralverbandes Karosserie- und Fahrzeugbau (ZKF), Friedrich Nagel, und dessen Stellvertreter Ulrich Schäfer, als auch eine Reihe weiterer (Noch)-"Vertrauensbetriebe" der Innovation Group ("IG"), berichteten diese Woche gegenüber AUTOHAUS-Schaden§manager davon, dass der Stuttgarter Reparaturvermittler seinen Druck auf die Werkstätten offensichtlich nicht nur weiter aufrechterhält, sondern sogar noch verschärft hat. Da Nagel seinen im Jahr 2003 öffentlich gekündigten Vertrag mit "Motorcare", dem Vorläufer-Unternehmen der heutigen Innovation Group, nicht mehr neu hat aufleben lassen, verwies er uns bei Detailfragen an Betriebe, die aktuell mit der IG vertraglich noch verbunden sind, also die Umstände "real" beschreiben können.

Gut informiert ist er wie üblich allerdings dennoch über die gesamte Situation. Übereinstimmend alle Betriebe, die sich in dieser Woche direkt an uns gewandt hatten bzw. von uns ergänzend befragt wurden, lehnen die neuen IG-Vertragsentwürfe indes kategorisch ab. Vielen sei nach eigenem Bekunden zunächst auch gar nicht klar geworden, was in diesem aus Stuttgart Ende 2009 und Anfang 2010 vorgelegten "Kooperations-Partnervertrag" alles an Zündstoff stecke. Während anfangs hauptsächlich die direkt erkennbare "Factoring-Gebühr" von 2,5 Prozent im Raum stand, welche die Partnerbetriebe und das im Auftrag des ZKF erstellte Anwaltsgutachten zu diesem Vertrag zwischenzeitlich als Erhöhung der Innovation-Group-Provision um satte 50 Prozent enttarnten – da laut RA Christian Höhndorf "kein auch nur annähernd adäquater Gegenwert" dafür im Raum stehe –, geht es finanziell aber um noch mehr: Im Grunde soll künftig der gesamte Kundenstamm eines "Partnerbetriebes", dabei vor allem auch die eigens aufgebauten Privatkunden, zu ein und demselben, niedrigstmöglichen Stundenverrechnungssatz abgerechnet werden.

"IG-Aufträge bringen nicht mehr als gerade Grundkostendeckung"

Das jedoch sehen die Betriebe als "echte Existenzgefährdung", da "IG"-Aufträge nach eigenem Bekunden für sie nichts weiter sind als die Deckung der "Grundkosten". Der eigentliche unternehmerische Gewinn, aus dem man letztlich Schulungen, neues technisches Equipment etc. finanzieren könne, käme auch bisher längst aus den eigenen Kunden oder von Aufträgen anderer Versicherer, die einen "auskömmlichen Stundenverrechnungssatz" bezahlen und nicht "willkürlich sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen, was uns wie aus heiterem Himmel dann unter Druck setzt und eine vernünftige unternehmerische, damit auch personelle Zukunftsplanung gar nicht zulässt". Über die Details zum aktuell neu aus Stuttgart ausgerollten Vertrag hatten wir an dieser Stelle bereits vergangene Woche ausführlich berichtet.

Aufgrund der zahlreichen internen Treffen, welche betroffene K&L Unternehmer aus eigenem Antrieb mittlerweile in unterschiedlichsten Regionen Deutschlands durchführten, aber auch aufgrund des Anwaltsgutachtens zum Vertragsentwurf und der politischen Aufklärungsarbeit durch den ZKF und den befreundeten Zentralverband des Deutschen Kfz-Handwerks (ZDK) ist der Kenntnisstand über die Inhalte des IG-Papiers und dessen wirtschaftliche Fallstricke im Reparaturgewerbe mittlerweile durchweg als sehr hoch einzustufen.

Lieber Kurzarbeit als Vertrags-Unterschrift

Eine Tendenz, die sich abzeichnet: Diejenigen Betriebe, die sich tatsächlich intensiv mit dem Vertrag auseinandergesetzt haben und dagegen auch opponieren, sind fest entschlossen, aus dem IG-Netzwerk auch auszutreten, falls der Reparaturvermittler seine Standpunkte beibehält. Die Alternativen sind in den Köpfen ebenfalls bereits festgelegt: Entweder betriebliche Verkleinerung und Arbeit mit rein Privat- bzw. Stammkunden sowie "tatsächlich kooperativen Versicherern", oder Beantragung von Kurzarbeit, "um die Mitarbeiter zu halten und in einem Zeitraum von einem halben bis einem dreiviertel Jahr unseren Betrieb neu auszurichten".

"Extrem resistent" zeigen sich nach eigenen Worten viele leistungsfähige und mittelgroße bis große K&L Fachbetriebe in Bayern und Baden-Württemberg. Hätte hier ZKF-Präsident Fritz Nagel nicht bereits vor gut einer Woche dazu aufgerufen, der IG die Chance zu grundlegend neuen Verhandlungen und den Versicherern Zeit zum Kennenlernen der tatsächlichen Vertragsinhalte zu geben, so stünde möglicherweise ein Großteil des süddeutschen Raumes reparaturtechnisch still, was Aufträge von Versicherungen anlangt, die über die Innovation Group ihre Unfallschäden steuern lassen. Streikbereit sind insbesondere der Großraum München-Oberbayern und die Ballungsregion Stuttgart. Immer mehr Widerstand komme nach Aussagen aus Verbands- und Betriebs-Kreisen allerdings zwischenzeitlich auch aus Norddeutschland mit Hamburg und Schleswig-Holstein sowie aus dem Saarland.

Möglicherweise 250 bis 300 Unterschriften soll IG allerdings nach Kollegenbetriebs-Schätzungen aus Ostdeutschland haben. Und dafür haben selbst Unternehmer aus Oberbayern, Hessen und Hamburg Verständnis: "Die Kollegen aus dem osten berichten uns, dass sie von vielen Kunden, die ihr repariertes Fahrzeug bei Abholung nicht sofort bezahlen, danach ihr Geld nicht mehr bekommen. Da schlucken sie dann lieber noch den aufoktroyierten Dumping-Stundenverrechnungssatz der Innovation Group."

 

// Lesen Sie weiter auf Seite 2: Sanktionen und verbale Entgleisungen

 
 
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KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

24. Februar 2010 23:35
Hans von Ohain meint:
Liebe K+L-Betriebe,

herzliche Grüße aus dem Vertragshandel. Geschäftsmethoden dieser Art sind bei uns der Normalzustand, lediglich auf einem deutlich höheren finanziellen Niveau.

Aber abseits meiner leichten Polemik möchte ich Ihnen zu Ihrer Geschlossenheit gratulieren. Wenn Sie die durchhalten, und das hoffe ich, dann werden Sie die IG auch auf das ihr zustehende Maß zurecht stutzen.

Dennoch möchte ich auch Kritisches anmerken: Seit Jahren lässt sich unsere Branche von Dritten, seien es Versicherer, seien es Hersteller, mit Gewalt an die Wand nageln. Und dabei schaufeln wir uns das eigene Grab. In dieser Situation nach den SV zu rufen, ist aber lächerlich. Denn durch unser Verhalten haben wir doch dafür gesorgt, dass gerade die freien SV schon gar nicht mehr können.

Der Hinweis auf captain-huk.de ist aber kontraproduktiv: Das ist doch nur ein Sammelplatz von Gescheiterten.


24. Februar 2010 17:00
Christiane Zimper, Rogätz meint:
Versicherungs-Vertrauenswerkstätten - ein Bestandteil von Schaden-Managern?!

Autohändler kennen doch nur noch die Telefonnummer vom freien Sachverständigen, wenn sie hoffen, dem ein Auto verkaufen zu können! Nun sollen diese - und dann auch noch - im Schulterschluss mit der DEKRA als ein Kooperationspartner vieler Versicherer die Kartoffeln aus den Ofen holen? Tragt doch besser selbst dafür Sorge, dass wie Dipl.-Ing. Otto-Leonhard Peus schon zuvor ausgeführt hat, der Geschädigte immer erst einen Anwalt und einen wirklich unabhängigen Sachverständigen aufsucht, ehe er sich - besser nie persönlich - mit den "Schaden-Managern" in Verbindung setzt, um ebend nicht in deren Fallen zu tappen.
Und ja, den Aufschrei vieler freier und unabhängiger Sachverständiger den gibt es längst. Schon über Jahre schreiben diese sich u. a. bei www.captain-huk.de die Finger wund.

Chr. Zimper


23. Februar 2010 14:22
Dipl.-Ing. Otto-Leonhard Peus, Essen meint:
Der Würgegriff der Versicherer wird vielfach offensichtlich immer brutaler. Dabei bedienen sie sich häufig williger Handlanger, auch im Kreise der Werkstätten und der Sachverständigen.
So sah ich heute in einem jungen Karosserie- und Lackierbetrieb die öffentlich ausgehängten Stundenverrechnungssätze für Mechanik mit 78,00 €, für Karosserie mit 89,00 € und für Lack incl. Material mit 124,00 €. Gleichzeitig lag mir eine Reparaturrechnung aus diesem Betrieb über einen KH-Schaden vor, adressiert an eine Versicherung; dort wurden für Karosseriearbeiten 57,00 € verrechnet und für Lackierung 77,00 € ! Das sind "Rabatte" von ca. 37 % !
Und dann spricht man von "Partnerbetrieben".
Da wird gnadenlos dem Betrug Vorschub geleistet zum Nachteil des Autofahrers und Prämienzahlers. Der autofahrende Verbraucher ist immer noch nicht gut genug aufgeklärt und fällt zu oft auf die "Manager des Schadens" herein.
Der Geschädigte sollte immer erst einen Anwalt und einen unabhängigen Sachverständigen aufsuchen, ehe er sich mit den "Schaden-Managern" in Verbindung setzt und in deren Fallen tappt.

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