Laut Prognose spricht auch der hohe Anteil der "Zwangsmobilität", also der Mobilität aus beruflichen oder anderen zwingenden Gründen, gegen eine Konjunkturabschwächung im Pkw-Markt. "Der motorisierte Individualverkehr ist im Hinblick auf Preisänderungen außerordentlich resistent", schreibt IFA-Leiter Prof. Willi Diez. Er erwartet auch kein generelles "Downsizing" auf leistungsschwächere Fahrzeuge. Konsolidiere sich die Entwicklung der Kraftstoffpreise, würden sich "die bekannten Verhaltensmuster in Richtung eines 'Upsizings' wieder durchsetzen". Außerdem sei der Automarkt durch den stetig wachsenden Anteil der gewerblichen Zulassungen weniger konjunkturanfällig. Für große Flottenbetreiber spielten die Spritpreise in der Summe nicht die große Rolle wie für Privatkunden, da die Kosten für Unterhalt und Betrieb nicht vom jeweiligen Nutzer getragen werden müssen. Der Zeitpunkt der Anschaffung eines neuen Fahrzeugs hänge hier von anderen Faktoren (z.B. Auslaufen von Leasingverträgen) ab. Das IFA ging in seiner Untersuchung der Frage nach, ob die leichte Konjunkturerholung im deutschen Neuzulassungsmarkt durch die hohen Ölpreise zum Stillstand kommen könnte. Dabei zogen die Autoren die Ölkrisen der Jahre 1974/75 und 1980/81 als Referenzfälle für aktuelle Entwicklungen heran. Berücksichtigt wurden auch die historischen Besonderheiten der jeweiligen Ereignisse. Iran-Krise als Konjunkturbremse? Durch den Iran-Konflikt könnten die Preise an den Tankstellen allerdings auf neue Höchststände von mehr als 1,50 Euro je Liter Super steigen, sagte Claudia Kemfert, Energie-Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der "Bild am Sonntag". Dies wäre genau das Szenario, das laut IFA nicht eintreten dürfte. Der bisherige Rekordpreis an deutschen Tankstellen war Anfang September mit 1,46 Euro je Liter Super erreicht worden. Damals hatte der Hurrikan "Katrina" in den USA den Ölpreis auf den Höchstwert von 70,85 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) hochgetrieben. Kurzfristig konnte vom Ölmarkt Entwarnung gegeben werden: Ein Barrel (159 Liter) WTI kostete am frühen Abend 63,75 Dollar und damit 1,36 Dollar weniger als zu Handelsschluss am Montag. Zuvor war der Preis bis auf 63,50 Dollar abgerutscht und hatte damit den niedrigsten Stand seit dem 13. Januar erreicht. Der Konflikt mit dem Iran um dessen Atomprogramm tritt nach Ansicht von Marktteilnehmern derzeit in den Hintergrund. (rp/dpa)
Thema: Ölmarkt und Automobilkonjunktur
Eine IFA-Studie macht den Händlern Hoffnung, doch Wirtschaftsexperten warnen vor einem erneuten Benzinpreisanstieg