Samstag, 26.05.2012
03.02.2012
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Häufigste Naturkatastrophe

Überschwemmungen werden stark unterschätzt

Kaum eine Region auf der Welt ist vor Hochwasser sicher, sagen übereinstimmend die meisten Versicherungsfachleute. Man denke nur an die ungestümen Wassermassen, die sich in Thailand im Oktober letzten Jahres ihre Bahn brachen. Oder an das große Elbe-Hochwasser 2002, bei dem alleine die Allianz in Deutschland an ihre betroffenen Kunden Entschädigungen in Höhe von 735 Millionen Euro ausgezahlt hatte. Trotzdem wird die zerstörerische Kraft des Wassers oftmals unterschätzt, wie die aktuelle Ausgabe des Allianz Risk Pulse zeigt: "Das Risikobewusstsein für Naturkatastrophen ist nicht ausreichend. Und genauso verhält es sich mit einer adäquaten Absicherung", sagt Clement B. Booth, Vorstandsmitglied der Allianz SE.

Fluten machen den größten Anteil der jährlichen Naturkatastrophen aus

Überflutungen sind die am häufigsten auftretende Naturkatastrophe weltweit. Im Jahr 2010 zählte die internationale Desaster-Datenbank EM-DAT rund 400 Naturkatastrophen mit mindestens 100 betroffenen Menschen oder 10 Todesopfern. Fast die Hälfte der Katastrophen waren Überschwemmungen (182 Fälle) – von ihnen betroffen waren rund 179 Millionen Menschen auf der ganzen Welt.

Die meisten Ursachen sind indes vom Menschen selbst gemacht, wie man heute ebenfalls weiß: Sei es die globale Erderwärmung oder die massiven Eingriffe in den natürlichen Verlauf der Flüsse und die absichernden Auenlandschaften, die das Risiko von Überschwemmungen extrem verstärken: "Immer mehr natürliche Sickerflächen werden versiegelt, etwa durch den Straßenbau. Dazu kommt, dass gleichzeitig mehr Neubaugebiete in Flussnähe erschlossen werden. Beides trägt maßgeblich dazu bei, dass es zu Überflutungen mit massiven ökonomischen und humanitären Folgen kommt", sagt Markus Stowasser, Experte im Cat Research & Development Team der Allianz SE Reinsurance.

Einfache Maßnahmen können viel retten

Die Bürger halten sich mit Investitionen in Vorsorgemaßnahmen noch sehr zurück, sagen die Versicherungsfachleute. Das habe zur Folge, dass es neben immensen Schäden an Gebäuden auch zu hohen Schäden am Mobiliar durch Fluten kommt. Dabei leiden nicht nur die Häuser in Flussnähe. Bei Starkregen kann es überall zu Überschwemmungen kommen.

Dabei bieten simple Präventiv- und Akutmaßnahmen große Sicherheit: "Wertvolle Gegenstände sollten grundsätzlich in höher gelegenen Stockwerken gelagert werden, wenn die Fluten eintreffen. In diesem Fall ist es besonders wichtig, dass die Grundversorgung (Gas, Wasser, Strom) an den Haupthähnen abgedreht wird", empfiehlt Severin Moser, Vorstandsvorsitzender der Allianz Versicherungs-AG.

98,5 Prozent aller deutschen Wohngebäude sind gegen Fluten versicherbar

Um die Versicherbarkeit eines Gebäudes festzulegen, arbeiten die deutschen Versicherer mit dem gemeinsam entwickelten Zonierungssystem für Überschwemmungen, Rückstau und Starkregen (ZÜRS), das Deutschland in vier Gefährdungsklassen unterteilt. Die verschiedenen Zonen dokumentieren die Überschwemmungswahrscheinlichkeit nach ihrem zeitlichen Eintritt. Gebäude, die in der Zone 1 bis 3 liegen, sind bei der Allianz grundsätzlich versicherbar.

In Zone 4 liegen nur 1,5 Prozent der deutschen Wohngebäude. Mit einem Hochwasser, das statistisch gesehen häufiger als einmal alle zehn Jahre auftritt, handelt es sich bei Zone 4 um stark überschwemmungsgefährdete Gebiete. "Wir müssen hier mit unseren Kunden Individuallösungen wie Schaden verhütende Maßnahmen oder erhöhte Selbstbehalte besprechen", sagt Moser. "Es gibt in dieser Zone auch Risiken, für die wir im Interesse der Versichertengemeinschaft auch künftig keinen Versicherungsschutz anbieten können."

Aber auch die Bürger, die ihr Haus unproblematisch gegen Elementarschäden versichern könnten, tun dies bisher noch sehr zurückhaltend. So ist nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Deutschland nur jedes dritte Haus gegen Hochwasser und Starkregen versichert. Das Mobiliar haben demnach sogar nur 16 Prozent aller Deutschen gegen diese Gefahren abgesichert. Politik und Versicherungswirtschaft haben es sich in Deutschland daher zur Aufgabe gemacht, das Bewusstsein der Menschen zu schärfen.

Bayern und Sachsen bei Elementarversicherungen vorne

Bayern hat hierbei bereits vor über zwei Jahren mit einer breit angelegten Initiative die Vorreiterrolle übernommen. Gemeinsam mit der Versicherungswirtschaft startete die Bayerische Landesregierung die Kampagne "Voraus denken – elementar versichern" und war damit wegweisend für andere Bundesländer. Durch diese Aktion konnte die Anzahl der Hauseigentümer, die die Elementarversicherung für ihr Gebäude abgeschlossen haben, überdurchschnittlich erhöht werden. Das Bundesland Sachsen hat bereits nachgezogen, andere werden folgen. (wkp)

 
 
 
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