Die europäische Umwelt- und Verkehrsorganisation "Transport & Environment" (T&E) hat massive Kritik an den Autoherstellern wegen des geringen Rückgangs der durchschnittlichen CO2-Emissionen bei Neuwagen geübt. "Neue veröffentlichte Zahlen zeigen, dass 2006 in Europa von den Mitgliedern der Association of European Automobile Manufacturers (ACEA) verkaufte Neuwagen durchschnittlich 160g Kohlendioxid pro Kilometer emittierten, was lediglich einem Rückgang von einem halben Gramm zum vorangehenden Jahr entspricht", bemängelte der Verband heute in einer Mitteilung.
Damit sei die 1998 von den Herstellern eingegangene Selbstverpflichtung "nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben steht", sagte Verbandssprecher Aat Perterse. "Die ACEA, die 2006 in Europa 81 Prozent des Verkaufs realisierte, verpflichtete sich, bis 2008 140 g/km zu erreichen, wird nun jedoch dieses Ziel ziemlich sicher verfehlen." Erst durch den öffentlichen Druck der vergangenen Monate habe sich bei den Herstellern etwas bewegt.
Einzig in Portugal könnte die Selbstverpflichtung laut Studie erreicht werden. Dort hatten alle im vergangenen Jahr verkauften Neuwagen eine Durchschnittsemission von 144 g/km. Dagegen belegt Deutschland mit 171 g/km von allen 24 untersuchten EU-Staaten (ohne Malta) nur Platz 20. Am schlechtesten schneidet Schweden mit 187 g/km ab.
Es sei nun an der EU sicherzustellen, dass "der aktuelle Trend zu wirklichen Emissionssenkungen führt." So müsse sie z.B. Bestrebungen verhindern, CO2-Ziele auf Basis von Fahrzeuggewicht zu definieren. Dies würde die Neuwagenflotten nur schwerer machen. Statt dessen sollten sich die Richtlinien auf den "Flächenverbrauch" eines Fahrzeugs beziehen. Der so genannte "Footprint" des Autos, also der Bereich zwischen den vier Rädern, könnte als ein vorübergehendes Maß auf ein bestimmtes Automodell anwendbar sein, schlägt die "T&E" vor.
VDA will "ehrgeizige" CO2-Ziele
Unterdessen hat sich VDA-Präsident Matthias Wissmann in einem Interview mit dem "Handelsblatt" (Mittwochsausgabe) erneut für "ehrgeizige" CO2-Ziele ausgesprochen, "die aber für alle Hersteller in Europa gelten müssen". Angesprochen auf den von der EU geplanten Durchschnittsausstoß von 130 Gramm CO2 pro Kilometer für Neuwagen ab 2012 und Forderungen nach niedrigeren Grenzwerten, sagte der Verbandschef: "Auch wir sind für geringere CO2-Werte." Starre Regeln über lange Zeiträume machten allerdings keinen Sinn. "CO2-Reduzierung heißt immer auch neue Technologien - und das ist mit Kosten verbunden." (ng/dpa)