Samstag, 26.05.2012
20.04.2011
Share |
AUTOHAUS Karriere

Verkäufermotivation
Von Prof. Dr. Ralf Mertens

Offensichtlich steht die Verkaufsarbeit im Automobilhandel im Fokus der Öffentlichkeit. Nicht nur die Fachpresse interessiert sich dafür, sondern auch Tageszeitungen und Boulevardpresse, insbesondere wenn bei Testkäufen wieder einmal mangelhafte Kundenorientierung oder hohe Rabattmöglichkeiten attestiert werden. Eine sehr lebhafte Resonanz (45 Leserbriefe!) hat die Veröffentlichung der Ergebnisse einer von der Managementberatung 2hm & Associates durchgeführten Studie (auf autohaus.de am 11.?2.?2011) über die Motivation der Verkäufer bei den Betroffenen ausgelöst.

Worum geht es in der Studie? In 400 großen und kleinen Kfz-Betrieben wurden die Verkaufsleiter nach einer Einschätzung der verkäuferischen Leistung ihres Verkaufsteams befragt. In der Einschätzung der Motivation attestieren die Verkaufsleiter nur etwa einem Drittel ihres Teams das Prädikat „voll und ganz motiviert“. Im Umkehrschluss heißt dies, dass zwei Drittel ihrer Verkäufer bestenfalls „Dienst nach Vorschrift“ machen. Weiterhin geben die Verkaufsleiter an, dass es 61 Prozent ihrer Verkäufer an Wissen über die Kundenbedürfnisse fehlt und 57 Prozent nicht über das nötige Können im Umgang mit den Käufern verfügen. Bei den Ergebnissen der Studie handelt es sich nicht um gänzlich neue Erkenntnisse, da vorhandene Studien (z. B. AUTOHAUS Verkäuferklima Index 2008) schon auf Verbesserungs­potenzial im Verkauf hingewiesen haben. Interessant bei dieser Studie ist allerdings die Erhebungsmethode: Verkaufsleiter werden nach einer Einschätzung der Leistungen ihrer Mitarbeiter gefragt, sie nehmen also eine Fremdeinschätzung vor. Da die Leistungen der Mitarbeiter im Verkauf aber zum großen Teil das Ergebnis der Leistungen der Verkaufsleiter widerspiegeln, haben sie streng genommen eine Selbsteinschätzung ihrer eigenen Leis­tung vorgenommen. 

Der Autoverkäufer hat viele Rollen zu erfüllen: Akquisiteur, Bedarfsermittler, Produktspezialist, Verhandlungspartner, Betreuer, Marktbeobachter, Spezialist für Finanzdienstleistungen usw., kurz: eine Eier legende Wollmilchsau! Täglich kommen neue Aufgaben hinzu, vor allem administrativer Art. Und da der Verkäufer nicht im Stundenlohn arbeitet, wird er auch für viele nicht mit dem Verkauf direkt zusammenhängende Aufgaben herangezogen. Bei einer solchen Aufgabenvielfalt kann man wahrlich von einer abwechslungsreichen Tätigkeit sprechen und eine angemessene Vergütung vermuten.

Grundlagen des Verkaufserfolgs

Neben dem Produkt und der Wirtschaftslage hängt der Verkaufserfolg vor allem von folgenden Faktoren ab: Verkäufer, Verkaufsprozesse, Führung, Arbeitsumfeld. Wie ist es im Handel um diese Erfolgsfaktoren bestellt?

1. Verkäufer: Sie sind als letztes Glied in der Verkaufskette eine wichtige Schnittstelle zum Kunden. Als Botschafter für Marke und Autohaus werden sie vom Kunden als Anlaufstelle für unterschiedlichste Probleme gesehen. In besagter Studie wird nun festgestellt, dass nur etwa ein Drittel der Verkäufer hochmotiviert arbeitet. Gemessen an den Ergebnissen der branchenübergreifenden Studie von Gallup (Gallup Engagement Index 2009) ist dieser Wert sogar noch relativ hoch. Viel wichtiger erscheint hier die Frage, wie viele der nicht engagierten Verkäufer nicht nur „Dienst nach Vorschrift“ machen, sondern sogar schon innerlich gekündigt haben und deshalb kontraproduktiv bzw. destruktiv arbeiten.

Da Kundenerwartungen und das damit zusammenhängende Kundenverhalten einem steten Wandel unterliegen, stellt sich die Frage, ob die zugrunde liegenden Verkäuferprofile überhaupt noch passen? Welche Maßstäbe werden bei der Verkäuferauswahl überhaupt angewandt und mit welchen Verfahren wird ausgewählt? Gelten weiterhin theoretisch erarbeitete Anforderungsprofile oder schaut man einmal, welche Eigenschaften in der Praxis wirklich zum Erfolg führen? Gibt es noch Automobilverkäufer, für die es eine Berufung ist, Autos zu verkaufen? Außerdem lässt sich feststellen, dass gerade bei der Anwerbung und Auswahl von Automobilverkäufern das mittlerweile extrem schlechte Berufsimage nicht gerade hilfreich ist. Hier sind nach wie vor Hersteller und Importeure gefragt, endlich einmal zu einer Imageverbesserung beizutragen. Gerade aus Richtung der zufriedenen und hoch­motiviert arbeitenden Verkäufer kommt allerdings auch die Feststellung, dass ein Großteil ihrer Kollegen die richtige Berufswahl verfehlt hat (geschätzte 30 %). Fazit: Großer Handlungsbedarf!

 

// Lesen Sie weiter auf Seite 2: Verkaufsprozesse, Führung und Arbeitsumfeld

 
 
Zurück Artikel bookmarken Kommentar abgeben Artikel drucken Heft-Abo
 

WEITERE INFORMATIONEN

KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

29. April 2011 19:25
Horst Kuhlemann "AutohausScout" meint:
Tja Herr Schneider Sie haben recht, es ist schon schade einen solchen Artikel in der Ferienzeit gedruckt zu sehen. Auch ich habe eine kurze Auszeit hinter mir und habe es sehr bedauert, dass bislang relativ wenig Resonanz zu erkennen ist. Vielleicht liest ein bestimmter Kreis von Verantwortlichen zum Ende der Osterferien trotzdem diese Kommentare. Deshalb versuche ich auf diesem Wege noch einmal des Thema aufzugreifen und frage ganz allgemein: Woran liegt es denn t a t s ä c h l i c h, dass diesen von Prof. Dr. Mertens beschriebenen vier Thesen sicherlich zugestimmt werden kann - ja "leider" zugestimmt werden muss! Immer wieder begegne ich Verkäufer die relativ klare Vorstellung haben, wie sie ihren Auftrag Autos zu verkaufen erfüllen wollen. Leider erfahre ich des öfteren, dass die Punkte 4.Arbeitsumfeld und 3.Führung w i r k l i c h mit allergrößtem Handlungsbedarf behaftet sind. Vielen Verkäufern ist das professionelle Verkaufen deshalb kaum möglich, weil sie zu wenig wissen über ihre eigene Leistungs- bereitschaft, zu wenig wissen über ihr eigenes Leistungsvermögen und das Leistungsergebnis sich an Einheiten und Parameter aus Zahlen orientiert!
An Herrn Seeger und gerne an andere Leser,
Ja Herr Seeger, ich bin als "Sparringspartner" wie Sie es nennen, unterwegs. Gerne bin ich bereit über meine Tätigkeiten als "AutohausScout" wie ich mich nenne,zu berichten. Unter meiner mail-adresse erreichbar: horstkuhlemann@aol.com

Eine Bitte an alle zum Schluss: Kommen Sie doch der Bitte der Autohausredaktion nach und schreiben unter richtigem und vollständigem Namen

Mit kollegialem Gruß
Horst Kuhlemann "AutohausScout"


28. April 2011 11:22
H. Schneider meint:
Schade, dass dieser Artikel in den Osterferien erscheint. So werden viele VL/GF diesen NACH Ihrem Urlaub leider nicht mitbekommen, da sie nach ein/zwei/drei Wochen nicht Alles aus dieser Urlaubszeit "nachgelesen" bekommen. Hier ist soviel Wichtiges für die Zukunft unseres Berufes und Betriebes enthalten, dass ICH meinen CHEF mit der Nase daraufstossen werde - sollten möglichst viele Kollegen auch machen. P.S.: ich habe auch jetzt gerade Urlaub!


21. April 2011 09:29
Horst meint:
Hast du das gelesen Chef?

"In Anbetracht der demographischen Entwicklung und der derzeit positiven Arbeitsmarktentwicklung werden sich künftig die leis­tungsstarken und einsatzwilligen Verkäufer ihren Arbeitgeber aussuchen können. Den Autohäusern, die dann nicht zum Kreis der „Employer of choice“ gehören, bleibt dann ja noch der Neuwagenverkauf zum Einstandspreis über Internetplattformen"

Nein? Hätte mich auch gewundert! Das passt einfach nicht zu deinem eingleisigen Denken und der deiner Meinung:
"Was die letzten 30 Jahre funktioniert hat wird die nächsten 30 Jahre auch Erfolg bringen." Aber du hast ja Erfahrung im Suchen von neuen Mitarbeitern. Darauf wird mehr Kraft verschwendet, als die vorhandenen zu pflegen.
Kennst du die 3 Affen? Einer hört nicht, einer sieht nicht und einer spricht nicht? Entschuldigung, nein, kannst du ja nicht kennen, da du keine dieser 3 Eigenschaften besitzt.
Du wirst in Kürze wieder deiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen und eine Anzeige schalten müssen. Davon weisst du aber noch nichts. Lass mich mein Geheimnis noch ein paar Tage auskosten und ich tausche eventuell den Teufel mit dem Belzebub. Aber wenigstens hat Herr Belzebub ein anderes Gesicht.
Schönes Restleben wünsch ich noch. Tschüss Chef!

Ironie ist die eine oder andere Erfahrung.
Sarkasmus die andere.
Zynismus die Summe all dieser.
(Erhard Blanck)

5 Leserbriefe (Anzeige 1 bis 3)
1 | 2

Klassik Leseprobe

Klassik Cover 1/2012 Box

Das neue Spezial von asp und AUTOHAUS hier unverbindlich kennenlernen. zur Leseprobe

Die interaktive Rallye-Karte

ah-classic-rallye2012.jpg

AUTOHAUS Santander Classic Rallye 2012

Sehen Sie die Etappenziele auf einen Blick und erhalten Sie alle Hintergrundinformationen zur Rallye!


Zur interaktiven Karte

Klassik Termine

Klassik Bilder

Klassik Recht

Bundesgerichtshofsbeschluss

Oldtimer-Urteile

Entscheidungen zum rollenden Kulturgut. zur Übersicht

Klassik Checkliste

Werkstattannahme von Oldtimern

Welche Besonderheiten sind bei der Hereinnahme zu beachten? mehr

Hersteller

75 Jahre BMW Roadster

Fragebogen

Wie unterstützen die Traditionsabteilungen deutscher Hersteller die Arbeit der Betriebe? zum Download