Freitag, 25.05.2012
20.07.2009
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Piëch-Weichenstellungen

VW soll Porsche komplett übernehmen
von Eva Tasche, dpa

Kurz vor den entscheidenden Aufsichtsratssitzungen bei VW und Porsche nehmen die geplanten Strukturen in einem künftigen gemeinsamen Großkonzern immer mehr Kontur an. Nach einer monatelangen Übernahmeschlacht hat sich der mächtige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch offenbar durchgesetzt: VW soll das Sportwagengeschäft in zwei Schritten komplett übernehmen, Porsche als zehnte Marke eigenständig weitergeführt werden. Darauf hätten sich die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch verständigt, verlautete am Wochenende aus Branchenkreisen. Am Ende des Verschmelzungsprozesses dürfte auch für den bisherigen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking kein Platz mehr sein. Das Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" berichtete, für die Komplettübernahme durch VW dürfte die Porsche Automobil Holding rund acht Milliarden Euro bekommen und könnte ihre Schulden weitgehend tilgen. Porsche hatte sich mit der geplanten Übernahme von VW verhoben und sitzt inzwischen auf rund zehn Milliarden Schulden. Piëch hat sich dem Vernehmen nach seit Bekanntwerden der massiven Probleme des Sportwagenbauers im Schulterschluss mit Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff für den Kauf und die Eingliederung des Sportwagengeschäfts in den VW-Konzern stark gemacht. Das Land hält 20 Prozent an VW und hat durch das VW-Gesetz damit eine Sperrminorität. Wulff verteidigte sein Engagement in einem Interview der "Wirtschaftswoche" als Standortpolitik: "Es geht um unsere Beschäftigten, unsere Steuereinnahmen", sagte er. In Niedersachsen sei er "quasi der Vorstandsvorsitzende". Er werbe seit Jahren um arabische Investoren für niedersächsische Unternehmen, sagte Wulff. Und auch mit dem Staatsfonds von Katar, der nun einen Einstieg in den integrierten VW-Porsche-Konzern plant, sei er bereits seit langem im Gespräch. Aufsichtsratssitzungen am Donnerstag An diesem Donnerstag kommen die Aufsichtsräte von Porsche und VW zu getrennten Sitzungen in Stuttgart zusammen. Dabei werden die entscheidenden Weichenstellungen in dem seit Monaten erbittert geführten Autodrama erwartet. Wulff sagte der "Wirtschaftswoche", er rechne mit einer breiten Mehrheit für einen integrierten Autokonzern. Der Wolfsburger Konzern will den jüngsten Informationen zufolge zuerst 49,9 Prozent und zu einem späteren Zeitpunkt die übrigen Anteile übernehmen. Möglicherweise übernehme VW auch das Autohandelshaus der Familien Porsche und Piëch in Salzburg, schrieb der "Spiegel". Die Porsche Holding Salzburg ist Europas größter Händler von VW-Konzernmarken und Porsche-Modellen. Im Gegenzug halten die Familien laut Magazin dann mehr als 50 Prozent an einem vereinten VW-Porsche-Konzern. Niedersachsen solle weiterhin mit 20 Prozent beteiligt sein, das Emirat Katar künftig mit einem Paket zwischen 14,9 und 19,9 Prozent.

 

// Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wiedekings Zukunft ungewiss

 
 
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KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

21. Juli 2009 13:15
Dr. Joerg Campe meint:
Wiedeking ist und wurde total überschätzt und überbewertet, darin und in der Forcierung seines Images war er super - ansonsten eine Flasche,- eine Ablösung, die schon vor Jahren notwendig gewesen wäre erfolgt leider zu spät, aber besser spät als garnicht.


20. Juli 2009 10:03
Bert meint:
Da müßte man ja Ferdinand Piech fast zum rundum geglückten Deal gratulieren. Wiedeking und er waren noch nie Freunde und Piech hätte gerne schon früher am Porsche-Chefsessel gesägt, um dann mit einem neuen (linientreuen) Gesicht auch auf dieser Ebene seine Macht zu stärken. Wie es sich aber für einen guten Manager gehört, läßt Wiedeking sein Unternehmen nach jahreslang harter und erfolgreicher Arbeit nicht kampflos im Stich.

Bemerkenswert in der ganzen Litanei ist der Umstand, dass der eigentliche Drahtzieher schlußendlich erfolgreich sein wird und Wiedeking als größenwahnsinnigen Deppen aussehen läßt, der sich nun für seinen bisherigen Erfolg und die damit verbundene Abfindung erklären muss. Immerhin war es Piech, der die Idee zur Übernahme von Volkswagen durch Porsche hatte und den sonst berechtigt skeptischen Wiedeking und seinen Chefbuchhalter zu dieser Entscheidung angestoßen und überredet hat. Jetzt stellt er sich als großen Retter hin und verfolgt dabei nur seinen wahnsinnigen Plan, der Größte dieses Planeten zu sein. Eine befremdliche Einstellung.

Im Nachhinein ist der ganze Zauber wohl als geziehlter Aktienrückkauf der Volkswagen AG zu bewerten, um den Streubesitz zu bündeln, eine feindliche Übernahme zu vermeiden und letztendlich die Möglichkeiten der gut gefüllten Kriegskasse zur Übernahme von Porsche durch die Hintertür zu realisieren.

Die nun folgende Frage ist, welche Geschenke Herrn Wulff für die Zeit nach der Politik geboten wurden, damit sich auch dieser von Piech benutzen ließ. Die Reaktion der Betriebsräte und Angestellten von Porsche sind absolut richtig, werden Herrn Piech aber auch nicht die Augen öffnen und ihn zurück auf den Boden der Realität holen.

Das einzig erfreuliche ist dann wohl die Wiederauflage des VW-Porsche-Roadsters made in Zuffenhausen und Logo aus Wolfsburg...

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