Samstag, 26.05.2012
18.11.2009
Share |
Wettbewerbsverzerrung

Wennemer warnt vor Steuergeldern für Opel

Angesichts der enormen Überkapazitäten in der Autoindustrie hat sich der ehemalige Opel-Treuhandbeirat Manfred Wennemer gegen Staatshilfen für den Rüsselsheimer Hersteller ausgesprochen. "Es kann nicht Aufgabe der Politik sein, einen einzelnen Wettbewerber zu retten", sagte Wennemer der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch). Seiner Ansicht nach müssten die Arbeitsplätze, die bei Opel mit Staatshilfe erhalten werden, anderswo abgebaut werden. Verantwortlich für die Opel-Sanierung sei nun die US-Konzernmutter General Motors (GM). Die Gelder und die damit verbundenen Vorgaben würden zudem eine richtige Restrukturierung verhindern. "Man mogelt sich durch und hat am Ende eine Kostenstruktur, die dauerhaft nicht wettbewerbsfähig ist", wird der Manager zitiert. Wegen der anstehenden Wahlen in Nordrhein-Westfalen werde GM "das Geld bekommen, dass sie sich vorstellt". Wennemer hatte als Vertreter des Bundes im Treuhandbeirat gegen den Verkauf an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna gestimmt (wir berichteten). Anfang November war er von seinem Posten zurückgetreten. Mit Blick auf den Verbleib Opels bei GM sagte der frühere Conti-Chef, dass die Chancen nun besser als mit Magna als Eigentümer seien. Allerdings werde es auch mit GM schwierig, "wenn es keine echte Restrukturierung gibt und wenn die Produktpalette nicht deutlich verbessert wird". Eine Insolvenz von Opel sei momentan kein Thema. GM will rund 10.000 der 50.000 Arbeitsplätze bei Opel/Vauxhall in Europa abbauen, möglicherweise aber auch mehr: Der neue Europachef Nick Reilly hatte am Dienstag in London gesagt, dass die Kapazität in Europa um 20 bis 25 Prozent gekürzt werden soll. "Wir müssen ein Paket schnüren und ich hoffe, dass jede einzelne Regierung vorbereitet ist, ihren Beitrag genauso wie General Motors zu leisten." "Regierungen dürfen sich von GM nicht erpressen lassen" Der Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, bezifferte die weltweiten Überkapazitäten im laufenden Jahr auf 45 Millionen Einheiten: Von 90 Millionen neuen Autos könnten nach neusten Schätzungen 2009 nur die Hälfte verkauft werden, schrieb Lauk in einem Beitrag für die "Financial Times": "Es darf und kann nicht die Aufgabe des Steuerzahlers sein, diese Überkapazitäten zu subventionieren." Die Regierungen dürften sich von GM nicht erpressen lassen. Es mache keinen Sinn, mit immer neuen Staatsschulden verschuldete Unternehmen zu finanzieren. (rp/dpa)

 
 
Zurück Artikel bookmarken Kommentar abgeben Artikel drucken Heft-Abo
 

IHR KOMMENTAR

Ihr Kommentar:*
Ihr Name:* Ihre E-Mail:*
Liebe Leser,
aus Gründen der Fairness wird die AUTOHAUS Online-Redaktion nur noch Kommentare freischalten, die der Netiquette entsprechen und mit vollem Namen (keine Pseudonyme) gekennzeichnet sind.
* Bitte geben Sie hier die Lösung der links gezeigten Aufgabe an:
 

KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

19. November 2009 11:50
Peter Burg meint:
Man dreht sich zwar im Kreis aber JA, der Mann hat recht. Opel ist nicht systemrelevant und wird auch nicht sonderlich vermisst werden. Die Modellpalette ist offenbar nicht konkurrenzfähig, ansonsten sprächen ja andere Verkaufszahlen für sich. Kein anderer (kleiner) Unternehmer kann es sich leisten, schlechte Qualität am Markt vorbei zu produzieren.


18. November 2009 18:20
Hans Sachs meint:
Nur gut, dass es noch Leute wie Herrn Wennemer gibt. Ich hoffe, die Bundesregierung denkt nach und nicht nur an Wahlstimmen.


18. November 2009 14:17
Karl Schuler meint:
Die Herren Wennemer und Lauk haben Recht, wenn sie gegen jegliche Subventionen sind. Der jetztige GM-Vorstand Henderson hat in diesem Jahr die GMIO General Motors International Organisation in Shanghai gegründet. Das zeigt doch mehr als deutlich, dass sich GM auf die asiatischen Wachstumsmärkte konzentriert und zubewegt. Die Produktion wird kurzfristig dem Vertrieb folgen. Machen wir uns keine Illusionen. Logistisch ist es doch heutzutage kein Problem, in Deutschland Produktionsanlagen abzubauen und an anderer Stelle wieder neu zu errichten. Ein befreundeter Ingenieur rechnete mir gerade vor, dass ein Abbau ca. vier Wochen, der Transport nach Asien ca. vier Wochen und der Wiederaufbau der Produktionsanlagen nochmals vier Wochen Zeit benötigt. D.h. nach nur drei Monaten Produktionspause geht es am anderen Ende der Welt wieder los. Für die Nr. 2 der Autoindustrie also nur eine kleine Herausforderung!

3 Leserbriefe (Anzeige 1 bis 3)
1

"HB ohne Filter" vom 25. Mai

Kommentar von AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat

Heute u.a.: Diskussion zur "Meister-HU", Elektroauto, Rabattschleusen und Rolf Leuchtenberger MEHR

Frage der Woche

Download

AUTOHAUS-Bildschirmschoner

Ob Autopremiere, Politdebatte oder Promi-Schnappschuss – mit dem "I Saver" sind Sie immer auf dem Laufenden. mehr

Bildergalerien

Branchenrecht


Händlerbefragung

Die aktuelle Ausgabe des AUTOHAUS pulsSchlag

Topthema im Mai: Automobile Zukunft mehr

EXTRA

Jetzt neu: Fachbücher als eBook!

Einige unserer Praxishandbücher und Ratgeber können Sie jetzt auch als eBook bestellen! mehr

Marktplatz

Frische Ware

Auf dem neuen AUTOHAUS Marktplatz finden Sie alle Spezialisten und Dienstleister für ein erfolgreiches Kfz-Geschäft. mehr

Akademie aktuell

AUTOHAUS/asp-Servicekongress: Die Zukunft der Dialogannahme

Erfahren Sie, wie Sie Ihre Dialogannahme gewinnbringend organisieren! Anmeldung und Termine

Social Media

Besuchen Sie AUTOHAUS auf Facebook!

"Gefällt mir" – jetzt am virtuellen Stammtisch über bunte Branchenthemen diskutieren! mehr