Samstag, 26.05.2012
27.01.2012
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Verkehrsgerichstag

Wulff fordert nachhaltige Mobilität

Das Treffen in Goslar zum 50. Verkehrsgerichtstag (VGT) ist in gewisser Weise immer auch eine Art "Stimmungsbarometer" für das Miteinander auf den deutschen Straßen. Generalbundesanwalt a.D. Kay Nehm appellierte in seiner Funktion als Präsident des Verkehrsgerichtstags in seiner Eröffnungsrede an die Autofahrer, eine defensivere Fahrweise an den Tag zu legen. Anstelle des Gasfußes solle der Verstand benutzt werden, sagte er.

"Statt Rücksicht herrscht das Pole-Position-Denken"

Nehm mahnte "den alltäglichen Kampf um die Pole-Position" auf den Straßen und das "Ausfahren der Geschwindigkeit bis zur Grenze des Erträglichen" an. Die dadurch gewonnene Strecke und die "eingesparten" Sekunden stünden "in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Einbußen an Sicherheit" sowie den erhöhten Kosten für Kraftstoff und den zusätzlichen Verschleiß des Fahrzeugs.

Maßnahmen des Staates, genau dort mit Hilfe der Verkehrsüberwachung anzusetzen, werde allerdings als Abzocke wahrgenommen. "Was nützt Verkehrsicherheitsarbeit, was nützt der Schilderwald mit seinen Geboten, Verboten und Warnungen, was nützen die Anforderungen an einen idealen Fahrzeugführer im Fahrerlaubnisrecht, wenn es in der Praxis an Einsicht mangelt", beklagte Nehm wörtlich.

Nachhaltige Mobiltät gefordert

In ein ähnliches Horn blies auch Bundespräsident Christian Wulff in seinem Grußwort zur Eröffnung des VGT: Mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr sei geboten in Anbetracht des wachsenden Verkehrsaufkommens in einer "alternden Gesellschaft". Er richtete ebenso wie Nehm das Augenmerk auf den verantwortungsvollen Umgang mit der mobilen Freiheit: "Wachsende Verkehrsströme, zunehmender Verbrauch von Flächen und Ressourcen können nicht einfach hingenommen werden, sondern erfordern Schutz vor schädlichen Folgen der Mobilität." Wichtig sei, wie sich die Gesellschaft künftig dem Thema Mobilität stelle und wie es möglichst vernünftig und nachhaltig gelebt werden könne.

"Senkung der Verkehrstoten ist größtes Verdienst des Verkehrsgerichtstages"

Aber nicht nur mahnende Worte hatte Wulff im Gepäck. Er lobte die Verdienste des VGT, der die Verkehrssicherheit in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich mitgestaltet und mitgeprägt habe. "Er ist ein Forum, das international seinesgleichen sucht." Die Ergebnisse und Empfehlungen des VGT seien oftmals in Gesetze, Verordnungen, Vorschriften und Gerichtsurteile eingeflossen. Den größten Erfolg des VGT machte Wulff an der stark gesunkenen Zahl der Verkehrstoten seit Anfang der 70er fest. "1970, im bisher schwärzesten Jahr der Unfallstatistik, waren 21.332 Todesopfer zu beklagen. 2010, also genau 40 später, hatten wir mit 3651 Toten im Strassenverkehr einen historischen Tiefstand erreicht – und das, obwohl sich das Verkehrsaufkommen inzwischen verdreifacht hat." (ses)

 
 
 
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