Daimler-Chef Dieter Zetsche sieht den Autokonzern nach der Trennung von Chrysler nicht mehr von einer feindlichen Übernahme bedroht. "In den letzten sechs, sieben Jahren war das Risiko einer feindlichen Übernahme zu keinem Zeitpunkt so gering wie heute", sagte Zetsche dem Nachrichtenmagazin "Focus". Schließlich sei der Börsenwert des Unternehmens in nur einem Jahr von 35 Mrd. auf mehr als 60 Mrd. Euro gesteigert worden. An der Differenz könne man sehen, "welchen Begehrlichkeiten wir bei dem niedrigen Kurs ausgesetzt waren", sagte Zetsche der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", ohne nähere Angaben zu machen.
In den vielen Interviews, die Zetsche in den vergangenen Tagen gab, klingt auch verdeckte Kritik an der Chrysler-Übernahme unter seinem Vorgänger Jürgen Schrempp 1998 durch. "Zusammenschlüsse in der Automobilbranche sind viel schwieriger als es die Branche erwartet hat", sagte er der "Welt am Sonntag". "Manchen Weg muss man aber eben gehen, um zu den richtigen Erkenntnissen zu kommen." Zugleich wies er Vorwürfe zurück, die Fusion habe dem Stuttgarter Autokonzern einen Milliardenschaden gebracht. "Bei dem Merger ist kein Geld geflossen", sagte Zetsche der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Es seien lediglich Aktien zwischen Unternehmen getauscht worden. Allerdings hätten die Aktionäre kein optimales Geschäft gemacht: "Die Rendite war positiv, aber es gab sicher bessere Anlageformen."
Zetsche erklärte auch, warum das Unternehmen künftig nur noch Daimler AG statt des alten Namens Daimler-Benz heißen soll. "Weil wir glauben, dass dies eine Chance ist, klar zwischen Unternehmensmarke und Produktmarken zu trennen. Der Name Benz ist ja tagtäglich in tausenden Produkten der Marke Mercedes-Benz präsent", sagte Zetsche der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".
Schluss für Bus-Joint-Venture
Unterdessen bestätigte ein DaimlerChrysler-Sprecher Trevor Hale, dass sich der Autobauer wie schon länger erwartet aus dem chinesischen Bus-Joint-Venture Yaxing Benz zurückgezogen habe. Der Konzern habe seinen 50-Prozent-Anteil bereits im März an seinen chinesischen Joint-Venture-Partner Jiangsu Yaxing Motor & Coach Group verkauft. Mit dem Verkauf habe das Unternehmen eine wichtige Hürde für die Gründung seines geplanten Lkw-Joint-Ventures mit Beiqi Futon aus dem Weg geschafft, hieß es. Nach chinesischem Recht dürfen ausländische Autobauern nur jeweils an zwei Pkw- und zwei Nutzfahrzeug-Unternehmen beteiligt sein. Das schon lange erfolglose Bus-Gemeinschaftsunternehmen wäre nach dem Zusammengehen mit Futon- bei Nutzfahrzeugen dann das dritte gewesen. (dpa)