Andreas Marx: „Händler haben in uns einen stabilen und starken Partner.“

Andreas Marx, Opel Deutschlandchef: "Wir meistern die Transformation der Branche nur im engen Schulterschluss zwischen Hersteller und Handel." 
© Foto: Opel

Profitabilität sichern. Markenprofil schärfen. Marktanteile steigern. Bessere Preise mit den neuen Modellen erzielen. Mehr Elektroautos verkaufen. Opel Deutschlandchef Andreas Marx erläutert die Wachstumsziele von Opel als einziger deutscher Marke unter dem Dach des neu gegründeten Stellantis-Konzerns und die wichtige Rolle der Händler.

Herr Marx, 2020 war für die gesamte Branche eine große Herausforderung. Wie hat sich Opel im ersten Corona-Jahr entwickelt?
Marx: Dank des 2017 aufgelegten und konsequent umgesetzten Opel-Plans PACE! sind wir robust aufgestellt. Trotz der Corona-Pandemie hatten wir insgesamt noch ein solides Geschäft und können mit den Entwicklungen unter den vorhandenen Rahmenbedingungen zufrieden sein, wie man am Marktanteil im vierten Quartal ablesen kann. Riesige Fortschritte haben wir beim Thema CO2-Emissionen gemacht, wo wir mittlerweile zu den führenden Marken in der Branche gehören.

Welche Rolle spielt Opel aktuell auf dem deutschen Markt?
Marx: Im neu gegründeten Stellantis-Konzern sind wir die einzige deutsche Marke. Das ist ein wichtiges Pfund, womit wir hervorragend positioniert sind. Opel wird sich mit all seinen Ressourcen und seinem Know-how sowie mit voller Energie in das neue Unternehmen einbringen und ist jetzt Teil eines noch stärkeren Autokonzerns, der für die Herausforderungen der automobilen Zukunft gerüstet sein wird. Für die Opel-Händler bedeutet das, in uns auch weiterhin einen stabilen und starken Partner mit attraktiven Produkten zu haben. Heute, morgen und in Zukunft.

Corona hat viele Störungen verursacht: Hat Opel jetzt Verfügbarkeit, Liefertermine, Kundenbetreuung und Händlersupport wieder besser im Griff?
Marx: Wir waren in Deutschland einer der ersten Automobilhersteller, der seine Partner unmittelbar unterstützt hat. Gemeinsam mit dem VDOH als Vertreter für die Handelsorganisation gab es zu Beginn des ersten Lockdowns einen Zehn-Punkte-Plan und auch zum Start des zweiten Lockdowns haben wir einen weiteren Fünf-Punkte-Plan auf- und umgesetzt. Damit haben wir uns im engen Schulterschluss mit unseren Handelspartnern der Krise gestellt. Zugleich befindet sich die gesamte Autoindustrie in einem großen Transformationsprozess, der den Handel einschließt und immer wieder zu intensiven Diskussionen führt. Diese werden meines Erachtens jedoch von dem gemeinsamen Verständnis getragen, dass auf beiden Seiten Veränderungen notwendig sind, die im Dialog adressiert werden. Infolgedessen haben wir die vielfältigen Herausforderungen trotz erheblicher Einschränkungen bei uns und in den Autohäusern im zurückliegenden Jahr bewältigen können. Seit Ende September sind wir wieder auf Kurs. Das spiegelt sich in den Marktanteilen im vierten Quartal sowie auch zu Beginn des Jahres wider, wo wir deutlich zugelegt haben – ein klares Zeichen, dass wir auf den Wachstumspfad zurückgekehrt sind.


"Wir verfügen über das jüngste Portfolio, das man als Hersteller und Händler aktuell haben kann."

Andreas Marx, Opel Deutschlandchef


Opel Deutschlandchef Andreas Marx hat guten Grund, auf Modelle wie den Opel Corsa-e stolz zu sein: Der vollelektrische Corsa gewann das „Goldene Lenkrad 2020“ und wurde von den Auto-Bild-Lesern zum „Firmenwagen des Jahres“ gekürt. (Stromverbrauch nach WLTP kombiniert 17,5–16,5 kWh/100 km, CO2-Emission 0 g/km, elektrische Reichweite nach WLTP bis zu 337 km)
© Foto: Opel

PACE!-PLAN
Für den Handel sind Werte wie Preise und Restwertstabilität wichtig, um profitabel zu sein. Welche sind Bestandteil des PACE!-Plans?
Marx: „Pricing-Power“ ist darin ein zentrales Element. Hier sind wir auf einem guten Weg. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass bei unseren Kunden eine durchschnittlich deutlich höhere Zahlungsbereitschaft für das heutige Produk­tangebot zu beobachten ist. Sie sind bereit, für unser modernes Modellport-folio mehr auszugeben als in der Vergangenheit, und kaufen auch höherwertig ausgestattete Fahrzeuge. Da sich die prozentuale Bonifikation des Handels daran ausrichtet, erzielen unsere Partner im Durchschnitt ebenfalls einen höheren Ertrag je Fahrzeug. Und um nur ein Beispiel in puncto Restwertstabilität zu nennen: Sowohl der neue Opel Corsa als auch der neue Mokka wurden erst kürzlich als Restwertriesen ausgezeichnet. Das Look & Feel der neuen Generation von Opel-Fahrzeugen wird zu deutlich stabileren Restwerten beitragen.

Genauso wichtig wie Pricing-Power sind sicher Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit. Wie bekommt man beides hin: profitabel zu sein und Geld auszugeben für die Zukunft?
Marx: Dass wir unseren PACE!-Plan konsequent umsetzen und Profit generieren, ist die Basis für Investitionen in neue Produkte und auch in Werke. Diese Aspekte gehen Hand in Hand. Ein positives Beispiel ist die geplante Batteriezellen-Gigafactory in Kaiserslautern. Ein Milliardenprojekt, an dem wir – trotz Corona – gemeinsam mit unseren Partnern festhalten.

Der Handel ist ja auch ein lebender Organismus: Wie ist die Marktabdeckung? Gibt es noch weiße Flecken?
Marx: Wir erreichen eine sehr gute Marktabdeckung in Deutschland. Es gibt hin und wieder eine Region, in der ein Händler übernommen wird oder sich zurückzieht. Wie andere Marken frischen wir an diesen Orten natürlich unser Händlernetz auf. Insgesamt ist dieses aber relativ stabil und damit generell unsere Stütze im Markt.


"Wir sind stolz auf unser stabiles Händlernetz, das unsere Stütze im Markt ist."

Andreas Marx, Opel Deutschlandchef


NEUE MODELLE 2021
Welche Modelle sind 2021 in der Pipeline?
Marx: Dieses Jahr nimmt der Turnaround beim Produktportfolio als ein weiteres Element des PACE!-Plans Gestalt an. Wir sind im Pkw-Bereich Ende Januar mit der Einführung des neuen Opel Crossland gestartet. Im März folgte mit dem neuen Mokka unsere Markenlokomotive im neuen Design. Zudem stellen wir dieses Jahr eine neue Generation des Opel Astra vor. Bei den leichten Nutzfahrzeugen rollt Ende 2021 der neue Opel Movano zu den Händlern und ergänzt die auf den modernen Konzernplattformen stehenden Modelle Opel Combo und Vivaro. Damit haben wir die Palette bei den Pkw und bei den leichten Nutzfahrzeugen in kürzester Zeit einmal fast komplett gedreht und verfügen über das jüngste Portfolio, das man als Automobilhersteller und Händler aktuell haben kann.

Wie ist Opel derzeit bei alternativen Antrieben aufgestellt und was ist geplant?
Marx: Alle gerade genannten Modellreihen verfügen über elektrifizierte Antriebe. Den Opel Grandland X gibt es heute bereits in zwei Plug-in-Hybrid-Varianten und der neue Opel Mokka ist ebenfalls mit reinem Elektroantrieb erhältlich. Daneben bieten wir den Opel Zafira Life vollelektrisiert an. Auch die Pkw- und Nutzfahrzeug-Varianten des Combo werden je um einen Stromer erweitert. Der Opel Astra wird ebenfalls elektrifiziert. Zusammen mit dem sehr erfolgreich laufenden Corsa-e werden wir damit bis Ende 2021 insgesamt sechs elektrifizierte Pkw-Modelle und drei elektrisch angetriebene leichte Nutzfahrzeuge in unserem Produktportfolio haben.

Als erster Opel trägt der Mokka das neue Markengesicht, den Opel-Vizor, der künftig viele neue Opel-Modelle zieren wird. Kunden können aus verschiedenen Benzin- und Dieseltriebwerken wählen – oder zum Mokka-e mit einem 100 kW (136 PS) starken Elektromotor (Stromverbrauch nach WLTP kombiniert 18,0–17,4 kWh/100 km, CO2-Emission 0 g/km, elektrische Reichweite nach WLTP 324–313 km).
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FRISCHES DESIGN
Welche Bedeutung hat das neue Design, das sich zuerst im neuen Opel Mokka manifes­tiert?
Marx: Der Opel Mokka ist in Designbelangen unser Referenzpunkt für alle neuen Modelle. Das äußere Erscheinungsbild zeichnet sich durch ein frisches und klares Gesicht mit markanter Front aus. Das spiegelt sich vor allem im sogenannten „Vizor“ als Hauptelement wider, der das neue Opel-Logo trägt. Auch im Innenraum setzt der Mokka neue Maßstäbe mit dem „Pure Panel“: Das volldigitale Hightech-Cockpit macht dem Fahrer die Bedienung einfach. Alle neuen Modelle werden sich zukünftig daran orientieren.

ZUKUNFTSPLANUNG
In welche Richtung wollen Sie Opel 2021 und in den folgenden Jahren entwickeln?
Marx: Erster wichtiger Punkt aus betriebswirtschaftlicher und ethischer Sicht ist, dass wir gemäß den gesetzlichen Vorgaben die CO2-Ziele erreichen. Bei diesem Thema, das wir als DIE zukünftige Währung in der Automobilindustrie sehen, haben wir 2020 riesige Fortschritte gemacht und sind mittlerweile führend in der Branche. Als zweites Ziel haben wir den sogenannten „Low-Emission-Vehicle-Mix“ im Fokus, bei dem der Verkauf der Elektromodelle eine entscheidende Größe ist. Dieser Anteil wird weiter steigen, denn wir sind sehr wettbewerbsfähig aufgestellt. Drittes Ziel ist die professionelle Umsetzung der skizzierten Modelloffensive. Denn wir wollen im Pkw- und im Segment der leichten Nutzfahrzeuge Marktanteile hinzugewinnen und wachsen. Viertens fokussieren wir eine weitere Stärkung der Kundenzufriedenheit. Das betrifft sowohl den Neuwagenbereich als auch das Aftersalesgeschäft. Dafür haben wir klare Ziele gesetzt, die entsprechend bonifiziert werden. An oberster Stelle stehen aber nach wie vor die Gesundheit und der Schutz der Mitarbeiter, Handelspartner und Kunden. Deshalb müssen wir die strengen Hygiene- und Vorsorgemaßnahmen weiterhin diszipliniert einhalten. Denn die Gesundheit ist das Allerwichtigste in diesen Zeiten.


"Unsere Händler sind in Sachen E-Mobilität für die Zukunft gut aufgestellt."

Andreas Marx, Opel Deutschlandchef


ELEKTRISCHE ANTRIEBE
Die Elektrifizierung ist elementarer Baustein für die Erreichung der CO2-Ziele. Wie ist der Handel für die E-Mobilität aufgestellt?
Marx: Seit dem Marktstart des Corsa-e im März 2020 haben unsere Händler ein Produkt, mit dem E-Mobilität bei den Kunden in der Breite einen großen Anklang findet. Auch wenn der Zeitpunkt aufgrund des ersten Lockdowns nicht günstig war, haben die Händler die Chance genutzt und sich aktiv auf die Elektrifizierung ausgerichtet, beispielsweise durch den Aufbau von Ladewallboxen und die Schulung der Mitarbeiter. Die Händler sind jetzt für die Zukunft gut aufgestellt. Das hat Ende 2020 auch eine Mystery-Shopping-Studie nochmals bestätigt, in der wir sehr gut abgeschnitten haben.

Bleibt Opel dem Diesel treu?
Marx: Ja. Sowohl für den neuen Opel Corsa, Mokka und Crossland als auch für den Opel Grandland X haben wir Dieselmotoren im Angebot. Dieser Antrieb leistet immer noch einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der CO2-Flottenverbräuche. Außerdem müssen wir hier neben der deutschen auch die europäische Brille aufsetzen. Denn vor allem in Italien und Spanien ist der Diesel nach wie vor von Bedeutung. Das zeigt sich dort insbesondere an den Zulassungen des Opel Corsa. In diesem Segment der Kleinwagen haben die meisten Automobilhersteller ihre Diesel eingestellt. Davon profitieren wir beim Absatz.

Vielen Dank für das Gespräch!

HASHTAG


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