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Kommentare () Kommentare (0) 24.03.2017

Fahrbericht Mercedes-Benz E-Klasse Coupé

Nach praktisch kommt schön

Fahrbericht Mercedes-Benz E-Klasse Coupé
Nach praktisch kommt schön
Am 18. März steht das Mercedes E-Klasse Coupé für mindestens 49.052 Euro beim Händler.
© Foto: Mercedes-Benz

Erst hat Mercedes die E-Klasse-Familie um die praktischen Varianten T-Modell und All Terrain erweitert, jetzt sind die Schönlinge an der Reihe. Während des Cabrio gerade seine Premiere auf dem Genfer Salon feiert, rollt das Coupé schon zum Händler.

Von Michael Gebhardt/SP-X

Es ist immer das gleiche mit den Coupés: Man bekommt weniger Auto, muss aber tiefer in die Tasche greifen. Das ist auch bei der Mercedes E-Klasse nicht anders, die ab 18. März als Zweitürer für mindestens 49.052 Euro beim Händler steht – das sind rund 2.000 Euro mehr als für die Limousine. Allerdings halten sich die Einschränkungen beim E-Coupé im Rahmen.

Zwar will man die Rückbank des 4,83-Meter-Coupés auf längeren Strecken nicht wirklich Mitreisenden anbieten, doch für kurze Wege können dort große Gäste Platz nehmen; hat man sich einmal durch den engen Einstieg gefädelt, sitzt man recht ordentlich. Auch der Kofferraum ist mit 425 Litern zwar kleiner als in der zehn Zentimeter längeren Limousine, aber immer noch geräumig, und er lässt sich durch Umklappen der Rückbank erweitern. Außerdem gewinnt man ja auch einiges: Das 1,5 Zentimeter tiefer gelegte Coupé sieht nochmal deutlich eleganter aus als die Limousine, von der es sich nicht nur durch die zwei fehlenden Türen unterscheidet. Während innen vor allem die neugestalteten Luftduschen in Turbinen-Optik auffallen, hat Chef-Desinger Gordon Wagener außen kräftig Hand angelegt und vor allem die Seitenansicht merklich glatter gestaltet; auch das Heck ist viel eigenständiger, als es etwa beim Vorgänger war.

Ganz so eindeutig ist es dann allerdings doch nicht, denn man muss vor allem von hinten zwei Mal hinschauen, um das E-Coupé nicht mit seinem kleinen oder großen Bruder, also den Zweitürern auf C- und S-Klasse-Basis, zu verwechseln. Diese Ähnlichkeit, zumindest mit dem teureren Modell, sieht Mercedes aber eher als Chance, denn als Problem: Schließlich kauft jeder E-Coupé-Kunde so auch ein bisschen S-Klasse-Image mit – zum günstigeren Preis. Wobei günstig relativ ist.

Reichhaltige Angebote

Zum Einstiegspreis von knapp über 49.000 Euro wird wohl kein Fahrzeug das Werk in Bremen verlassen, zehn- bis fünfzehntausend Euro für Sonderausstattung sind schnell zusammen Für das Coupé gibt es schließlich das gleiche, reichhaltige Angebot an Extras wie für die Limousine. Das fängt bei den digitalen Instrumenten an, reicht über Massagesitze, High-End-LED-Scheinwerfer, Online-Zugang und den Einpark-Automaten, der das Fahrzeug per Fernbedienung in und aus der Garage fährt, bis hin zum teilautonomen Fahren auf der Autobahn. Selbst Kleinigkeiten wie die Sitzheizung oder ausziehbare Sonnenblenden muss man extra bezahlen.

Gegenüber der Limousine ist das Motorenangebot für das Coupé eingeschränkt, zum Marktstart stehen drei Benziner (135 kW / 184 PS bis 245 kW / 333 PS) und ein Diesel (143 kW / 194 PS) bereit. Der Einstiegs-Otto E 200 fährt im Zweitürer immer mit Neungang-Automatik vor, im Aggregate-Mix dürfte er allerdings keine allzu große Rolle spielen. Schließlich zählen Coupé-Kunden traditionell nicht zu den Sparfüchsen und die rund 1,7 Tonnen Leergewicht, die man dem Stuttgarter nicht nur in der Kurve anmerkt, vertragen durchaus etwas mehr Power. Zumindest dann, wenn man nicht nur entspannt Cruisen will, was vor allem mit der optionalen Luftfederung tadellos geht: Das adaptive System neutralisiert im Komfortmodus so gut wie alle Unpässlichkeiten der Straße, während es im Sportbetrieb für die nötige Härte sorgt – inklusive der direkten Meldung von Querfugen und anderen fiesen Unebenheiten.

Mehr Zylinder, mehr Reserven und Kraft

Eine feine Alternative zum Basismotor ist der ebenfalls vierzylindrige E 300 (ab 54.700 Euro), der mit 180 kW / 245 PS über spürbar mehr Reserven verfügt und mit 370 Newtonmetern knapp ein Viertel mehr Kraft an die Hinterräder schickt. Das hebt den Fahrspaß deutlich an und verkürzt den Standardsprint von 7,8 auf 6,4 Sekunden. Will man auf jeden Fall einen Sechszylinder unter der Haube wissen, muss man zum mindestens 64.800 Euro teuren E 400 greifen. Der gibt seine Kraft serienmäßig an alle vier Räder ab und schubst das Coupé in 5,4 Sekunden auf Tempo 100. Allerdings wirkt der V6 mitunter etwas ruppig, vor allem im Sportmodus lässt er den Benz beim Ampelstart fast schon übertrieben knackig nach vorn preschen. Mit knapp achteinhalb Liter Normverbrauch ist er zudem ziemlich durstig, der 300er begnügt sich im Testzyklus mit anderthalb Litern weniger.

Das Schicksal des E 200, ein Dasein im Katalog zu fristen, dürfte auch dem ab 50.575 Euro erhältlichen E 220 d blühen. Diesel und Coupé ist immer noch nicht die gängigste Kombination und wenn, dann sollte es schon einer mit richtig Wumms sein. Zwar ist der Selbstzünder mit 400 Newtonmeter kein Schwächling, richtig souverän ist man aber doch erst mit dem später nachgereichten V6 im 350 d unterwegs. Freuen darf man sich darauf schon jetzt: Mit 190 kW / 258 PS und bärigen 620 Newtonmeter Drehmoment steht kräftiger Durchzug (unter sechs Sekunden für den 0-auf-100-Sprint) einem Normverbrauch von nur fünfeinhalb Litern Diesel je 100 Kilometer gegenüber.

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