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11.06.2019

Hagel-Akademie 2019

Premieren am Neckar

Hagel-Akademie 2019
Premieren am Neckar
Die Experten aus der Hagelbranche trafen sich auch in diesem Jahr wieder in Esslingen zur Saison-Auftaktveranstaltung des Göppinger Kfz-SV Karl-Heinz Fuchs (vordere Reihe, mi. mit roter Krawatte).
© Foto: Walter K. Pfauntsch

Aktualität wurde auf der diesjährigen Hagel-Akademie ganz großgeschrieben. So wartete Veranstalter Karl-Heinz Fuchs in Esslingen auch dieses Jahr wieder mit interessanten News und attraktiven Neuerungen für die Hagelwelt auf.

Schon im Vorfeld der Veranstaltung hatte "Hagel-Papst" Fuchs, der im "Hauptberuf" eigentlich Kfz-Sachverständiger mit mehreren eigenen Büros in Württemberg ist, einige Überraschungen angekündigt. Und er hielt Wort. Gleich zu Beginn des Events präsentierte er eine erste Neuerung: Als Unterstützung hatte er sich TV-Moderatorin und Journalistin Petra Bindl an die Seite geholt, mit der er kompetent und kurzweilig durch das Programm führte.

Premiere in Esslingen feierte auch der neue SSH Geschäftsführer Dr. Karsten Willrodt, der sich mit einem eindrucksvollen Grußwort der Hagelszene vorstellte. Danach richteten auch Stephan Kolodzinski vom IFL und Kemal Veran von Audatex AUTOonline Grußworte an die annähernd 250 Teilnehmer der 11. Hagel-Akademie.

KI und Hagel

Dass Schlüsseltechnologien wie KI und deep learning allmählich in der Reparaturbranche Fuß fassen, zeigte Josua Bücher, Gründer des IT-Dienstleisters pdrcloud in seinem Referat "KI-unterstützte Schadenaufnahme und Reparaturkalkulation". Welche praxisorientierten Möglichkeiten, aber auch welche Grenzen sich daraus heute schon ergeben, legte er am Beispiel der optimierten Identifikation der VIN oder der Erkennung und Klassifizierung von Schäden anhand von Bildern dar. Für ihn eignen sich Algorithmen in Verbindung mit Smartphones bereits für die Kalkulation einfacher Oberflächen-Schäden, für Überschlagskalkulationen oder für die Prüfung der Plausibilität bereits vorliegender Berechnungen. Bei der Kalkulation komplexer Schäden allerdings könne die intelligente Technik den Menschen heute nicht ersetzen, jedoch sehr wohl unterstützen. Einige dieser neuartigen Assistenz-Features aus seinem Softwarepaket für Reparaturfachbetriebe wie Hageldiktat, Bauteilerkennung oder automatisierte Kalkulation demonstrierte Bücher zum Abschluss seines Vortrags dem Fachpublikum.

Live-Demo des driveNscan-Hagelscanner

Schon am Vorabend der eigentlichen Veranstaltung hatten Petra Bindl und Karl-Heinz Fuchs den nächsten Themenblock vorbereitet: Am Stand des Anbieters des Hagelscanners driveNscan, der ADI GmbH, durften verschiedenste Player aus der Branche mit einem präparierten Werkzeug gefakte Hagel-Dellen in die Motorhaube eines SUV schlagen. Anschließend, und das war eine tatsächliche Premiere, wurde das Fahrzeug vor den Augen der Veranstaltungsteilnehmer live im Neckar Forum gescannt, die Dellen wurden elektronisch erfasst, gezählt und ausgewertet. Alle Dellen, die das fachkundige Publikum vor Ort bereits bei deren Verursachung mitgezählt hatte, wurden präzise von driveNscan erkannt. Dieses Ergebnis der Livedemonstration vom Vorabend berichterstattete ADI-Geschäftsführer Dhruv Kasavala dann im Rahmen seiner Keynote, in der er den auf KI und deep learning basierenden Hagelscanner driveNscan noch einmal detailliert vorstellte.

Nach Kasavala's Worten zeichne dieses neueste und dennoch bereits marktreife Hagelscanner-Modell seine außergewöhnliche Mobilität und Schnelligkeit sowohl bei der Bereitstellung vor Ort, als auch beim Scan und dessen Auswertung aus. Hinzu kämen als weitere Leistungsargumente die hohe Präzision, die einfache und flexible Anwendung sowie ein für potentielle Anwender hochinteressantes Preis- bzw. Mietmodell. Darüber hinaus verfüge man über eine Schnittstelle zu SilverDAT 3.

Aktueller Stand zu "Videmus"

Komplettiert wurde der Themenblock durch den Vortrag von Georg Blank. Er präsentierte den aktuellen Stand des von ihm für das Hagelschaden-Zentrum Ulm entwickelten Hagelscanners Videmus. Dessen Prototyp war bereits auf der Vorjahres-Veranstaltung eines der Highlights. Die Besonderheiten des Videmus sind laut Blank eine "exakte Lasermesstechnik" und die "belastbaren Messergebnisse". Aktuell montiere man die finale Version des Scanners. Dabei profitiere man von den Erfahrungen aus den Präsentationen seit der letzten Hagel-Akademie und von den Praxisanforderungen, die aus dem Markt heraus formuliert wurden. So habe man bei der Weiterentwicklung unter anderem die Themen matte bzw. beklebte Oberflächen, schlecht zugängliche Schadenstellen oder verschiedene Fahrzeuggrößen bis hin zum VW-Bus berücksichtigt. Man plane nun, in der aktuellen Hagelsaison die Serienreife zu erreichen, um 2020 auf den Markt gehen zu können.

In seinem Resümee analysierte Karl-Heinz Fuchs mit Expertise und Erfahrung die Besonderheiten der unterschiedlichen technischen sowie konzeptionellen Ansätze der beiden Scannermodelle und prognostizierte sowohl für driveNscan als auch für Videmus aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten im Hagel- und Schadengeschäft aussichtsreiche Marktchancen.

Tools, Networking, Speed und Flugobjekte

Premierencharakter hatte auch die Präsentation des Reparaturtools "Dent Stabilizer" durch den weltweit Vertriebsverantwortlichen des Unternehmens PowerPDR, Duane Emerson: Als erster Amerikaner stellte er im ersten fremdsprachigen Vortrag in der Geschichte der Hagel-Akademie ein nach seinen Worten völlig neuartiges Werkzeug zur einfachen Entfernung von Dellen vor.

Mit dem System könne man bei einfachster Anwendung eine 50- bis 90-prozentige Zeitersparnis im Vergleich mit konventionellen Reparaturmethoden realisieren. Der Einsatz des Dent Stabilizers böte damit bei der Instandsetzung von Dellen in Stahl oder Aluminium ein enormes Einsparpotential, da nun Schäden an Teilen ebenso effektiv wie korrekt repariert werden könnten, die sonst hätten erneuert werden müssen. Man habe bereits über 1.000 Einheiten des neuen Tools in Übersee verkaufen können und nehme nun den europäischen Markt in Angriff.

Auf dem Weg zu einem flächendeckenden Hagelschaden-Netzwerk ist das noch vor kurzem im Markt unbekannte Unternehmen Intelli-Dell. Vorgestellt wurde das größte Netzwerk in Deutschland und der Schweiz von seinem Inhaber, dem seit Jahren in der Hagelbrache aktiven Andreas Preyß. Mit einem Netz von bereits rund 1.200 Stationen bietet man Dellendrückern, aber auch Versicherungen signifikante Vorteile und ist laut eigener Werbeaussage bereits vor Ort, bevor der Hagel kommt.

Eine Premiere der ganz besonderen Art hatte das Moderatorenduo Bindl und Fuchs der Hagelfamilie am Nachmittag des Events zu bieten. In einem branchenweit erstmalig ausgetragenen Speed-Networking konnten sich interessierte Veranstaltungsteilnehmer
eine Minute lang in kleinen Gruppen gegenseitig vorstellen, Visitenkarten austauschen oder auch einen weiteren geschäftlichen Kontakt vereinbaren. Resonanz und anschließendes Feedback auf diese neue Form des Netzwerkens waren denn auch durchweg positiv.

Im letzten Teil der Hagel-Akademie ging es dann wortwörtlich hoch hinaus. Denn beim gewohnt spannenden Blick über den Tellerrand hatte Karl-Heinz Fuchs zwei hochkarätige Referenten zum Thema Drohneneinsatz gewinnen können. Als Luftbildfotograf der ersten Stunde und Betreiber einer Multikopterschule behandelte Michael Radeck aus München beindruckend und differenziert die sicherheitsrelevanten und rechtlichen Fragestellungen beim Einsatz von Drohnen für gutachterliche Aufgaben. Ihm folgte Dario Manns, der CIO und Co-Founder des Münchner Startups FairFleet GmbH, das als Full-Service-Partner für professionelle Drohnendienstleistungen eine Plattform bietet, um unter anderem mittels KI von Drohnen aufgenommene Bilder zu analysieren und so Schäden aufzuspüren.

Zum Abschluss eines an Premieren reichen Veranstaltungstages war es dann an Karl-Heinz Fuchs, die Gewinner der Hagelwette 2018 zu küren und ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, Referenten und Teilnehmer zu richten.   (se)